Das Buch von Dieter Wartenweiler ist ein Standardwerk für jeden, der sich umfassend mit dem Thema männliche Midlife-Crisis auseinander setzen möchte. Der Autor beschreibt psychologisch fundiert und gleichzeitig sehr gut verständlich die Symptome und Ursachen einer Midlife-Crisis und zeigt auf, dass die vermeintliche Krise durchaus die Chance auf eine Weiterentwicklung hin zu einer gereiften Persönlichkeit mit einem erfüllteren Leben bietet. Insofern ist Wartenweilers Buch äußerst empfehlenswert - sowohl für Männer, die ihre Situation in der Lebensmitte besser verstehen wollen als auch für betroffene Partnerinnen, die nachvollziehen wollen, was mit ihrem Partner plötzlich vor sich geht.
Hier bin ich nun allerdings auch am Punkt meiner Kritik angelangt. Nach konventioneller psychologischer Manier berücksichtigt Wartenweiler in seiner Betrachtung ausschließlich die Sicht der Person, die im Mittelpunkt steht - in diesem Fall des Mannes in der Midlife-Crisis. Welch schmerzhafte Auswirkungen die Umwälzungen, die durch die Midlife-Crisis entstehen, auf die betroffene Partnerin des Mannes haben, wird größtenteils ignoriert bzw. ihr Schmerz über Distanziertheit / Untreue des Partners wird achselzuckend mit ihrer emotionalen "Abhängigkeit" (!)erklärt. Generell wird der Wunsch nach einer emotional tief gehenden, innigen Beziehung - wie in der Psychologie häufig üblich - pathologisiert und als Zeichen von Unreife betrachtet.
Meiner Ansicht nach ist es ein wesentlicher Schwachpunkt, wenn bei einem Thema wie der Midlife-Crisis nicht die Auswirkungen auf die Menschen im persönlichen Umfeld - wie Frau und Kinder - mitbedacht und thematisiert werden. Häufig ist es dem Mann in der Midlife-Crisis durch seine eigene emotionale Instabilität nicht möglich, überhaupt die Tiefe des Schmerzes zu erkennen, den sein Handeln für seine vertrautesten Menschen verursacht. Eine ausgewogene Darstellung müsste diesen bedeutenden Aspekt zweifellos mit berücksichtigen.