Jürgen von der Lippe setzt sich ja - raumfüllend - hin und bringt eine Gratwanderung zwischen Zotigem einerseits (hier u.a. "Der Mensch macht gern Geräusche" und das Herumhacken auf Vegetariern) als auch entlarvenden Beobachtungen, besonders zum Verhältnis Frau/Mann (hier u.a. "Anruf aus der Kneipe") andererseits. Ein trotz harmlos-arglosem Hawaiihemd in Wahrheit ziemlich schillernder Alleinunterhalter also. Scheinbar gemütvolles Plaudern, bei dem sich der Künstler gern auch mal selbst auf den Arm nimmt, ist garantiert. Er hat sein Publikum im Griff. Haarscharf schrammt er an Unter-der-Gürtellinie-Witzen vorbei, und doch weiß jeder, was gemeint ist. Ebenso meisterhaft verstellt er seine Stimme, die von kindisch (Betrunkener) über schrill (gereizte Ehefrau) bis hin zu weinerlich (Möchtegern-Macho) geht. Hitverdächtige Schunkel- und Stimmungslieder (alles selbst komponiert), bei denen das begeisterte Publikum mitklatscht, dürfen natürlich auch nicht fehlen (u.a. "Aber sonst"). Vergeßt also die diversen Fernsehsendungen mit von der Lippe - die Bühne ist sein wahres Metier(!) Da darf man auch mal darüber hinwegsehen, daß mancher Klamauk jedes Sinnes entbehrt (Gespräch Peter Maffay/Helge Schneider). Von der Lippes untrügliches Gespür für Timing sowie sein routinierter, perfekter (Gitarren-)Vortrag werten die Show allemal auf. Ein Könner. Köstlich ist auch die Zugabe, wo er sich noch einmal zu seiner vollen Vitalität steigert ("Territorialstreit" im Ehebett). Eines seiner vergnüglichsten Programme auf CD.