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Männer: Eine Spezies wird besichtigt
 
 
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Männer: Eine Spezies wird besichtigt [Englisch] [Gebundene Ausgabe]

Dietrich Schwanitz
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (25 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Rätselwesen Mann

upj. Früher, teilt uns Dietrich Schwanitz mit, habe der Mann als Modell und die Frau als Rätselwesen gegolten. Aber früher, das war eben früher und ist folglich längst vorbei. Heute hingegen beherrschen die Frauen mit ihren Vorzeige-Tugenden das gesellschaftliche Parkett: völkerverbindende Emotion bei akkurater Intelligenz und ansehnlichem Einfühlungsvermögen. Da bleibe der Mann aussen vor, gelte als antiquiertes Gockelwesen und diene bestenfalls noch als wetterfeste Zielscheibe für eine Vielzahl von Vorwürfen, vom Hooligan zum Bonusempfänger inklusive. Und die Frauen? Verstehen sie denn den Mann? Aber gewiss nicht. Zwar inspizierten sie forsch und munter, wie sie heute nun mal seien, die absonderlichen Rituale der Spezies Mann. Doch die Resultate dieser Forschungen sind – kläglich. Hier muss nachgeholfen werden. Gesucht ist ein mutiges Wesen, das sich ins exotische Biotop des Mannes vorwagt und uns selbigen «im Rohzustand» zeigt. Dietrich Schwanitz bietet sich hier gleich selbst an und wagt sich also vor in das «Land Maskulinia», beschreibt dessen reiche Bodenschätze in der Form von Y-Chromosomen, erzählt die ruhmreiche Geschichte dieses einst machtvollen Reiches und analysiert dessen sukzessiven Niedergang während der Regierungsdekaden des korrupten Präsidenten Priapos Phallokratos. Nicht unwesentlich beigetragen zum Niedergang Muskuliniens hätte zudem die Systemphilosophie des Alphonso Macho (lat. «Machismus»), deren feinmaschiges Netz von Propagandalügen und Beschönigungen allzu lange als offizielle Staatsideologie gefeiert wurde. – Bis hierher ist die Leserin ganz Ohr und leidet gar ein bisschen mit; welche Herrlichkeiten werden da nicht destruiert. Doch ach. Wenn Herr Schwanitz dann aus dem ironischen Berichterstatten herausfällt und mit populärwissenschaftlichem Ernst die Lage des Mannes erklärt – «Knaben müssen nämlich ihre männliche Geschlechtsidentität gegen die Mutter ausbilden» usw. –, ist der Spass zu Ende. «Der Mann ist niemals gockelhafter, als wenn er von sich selbst spricht», zitiert Schwanitz auf dem Vorsatzblatt. Richtig.

Kurzbeschreibung

Der Mann ist in der Krise. "Neue Männer braucht das Land" lautete vor zwanzig Jahren der Schlachtruf der Feministinnen, doch ist seitdem keine Ruhe und Zufriedenheit an der Geschlechterfront eingekehrt. Männer, egal ob Chauvis oder Softis, können es Frauen einfach nicht recht machen. Mal sind sie zu weichlich, mal zu egozentrisch, mal wollen sie Karriere und keine Familie, mal nur schnellen Sex ohne Gefühle, dann aber wieder verlangen sie absolute Loyalität und sehen in allen Frauen nur eine Inkarnation der ewigen Mutter und Versorgerin. Während in den vergangenen Jahren zahllose Bücher die Frau von allen Seiten untersucht haben, ist der Mann ein unbekanntes Wesen geblieben, ein rätselhafter, verschlossener Block, unerziehbar und gerade deshalb für Frauen so anziehend. Doch auch sich selbst ist der Mann im neuen Jahrhundert ein Rätsel - die alten Rollenmuster sind passé, und in der Epoche des 'anything goes' ist auch die männliche Identität dauernden Veränderungen unterworfen. W as also ist der Mann?
Dietrich Schwanitz beantwortet die Frage auf fulminante Weise. Sein Buch ist ein Reiseführer in einen dunklen Kontinent, eine provokative Polemik und die schon lange fällige Abrechnung mit falschverstandenen weiblichen Forderungen, die in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl neuer Gräben zwischen den Geschlechtern gerissen haben. Dietrich Schwanitz' ebenso intelligente wie sensible Selbstbefragung macht sein Buch zu einem herausragenden Ereignis. Für alle Frauen, die wissen wollen, wie Männer ticken! Für alle Männer, die wissen wollen, warum sie so sind, wie sie sind!

Klappentext

"... eine köstliche Bestandsaufnahme des rätselhaften Wesens Mann mit seinen Unterarten, den Stammtisch-Horden, Kavalieren und Visionären."
Berliner Zeitung

"Mutige Standortbestimmung, aufregende Analyse, Provokation und bravourös inszeniertes Werk der Aufklärung."
Eichborn

"Lesen und dazulernen!"
Cosmopolitan -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Dietrich Schwanitz, geb. 1940, stammt aus dem Ruhrgebiet und wuchs bei mennonitischen Bergbauern in der Schweiz auf. Er studierte Anglistik, Geschichte und Philosophie in Münster, London, Philadelphia und Freiburg. Von 1978-997 lehrte er als Professor für Englische Literatur an der Universität Hamburg. Mit seinen Romanen 'Der Campus' (1995) und 'Der Zirkel' (1998) erreichte der Chefkritiker deutscher Hochschulpolitik ein Millionenpublikum. Sein Wissenshandbuch 'Bildung' (1999) entwickelte sich zum Top- und Longseller. Dietrich Schwanitz verstarb im Dezember 2004.

Auszug aus Männer. Eine Spezies wird besichtigt. von Dietrich Schwanitz. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Warum
werden Mann und Frau immer mit Hund und Katze verglichen? Ist es, weil die Frau
elegant und reinlich ist wie eine Katze, die auf leisen Sohlen dezent
einherschreitet, im Vollgefühl ihrer Anmut und Würde, während der Hund ein
lärmender Rabauke ist wie ein Mann, ein Meutenmitglied ohne Feingefühl,
ausgestattet mit dem Hang zum Radau, aber Vorgesetzten gegenüber von
schwanzwedelnder Unterwürfigkeit?
Sicher. Aber der eigentliche Grund für die Ähnlichkeit liegt tiefer. Worin er
besteht, wurde mir bei einem denkwürdigen Anlaß klar.
Es war auf dem ersten Klassentreffen, Jahrzehnte nach dem Abitur. Als sich, nach
der ersten Befangenheit, der Abend in die Nacht zog und die Worte hin- und
herflogen, fiel mir plötzlich auf: Aus Frauen und Männern hatten sich zwei
verschiedene Gesprächsgruppen gebildet. Was war geschehen? Die Männer rutschten
im Nu in ihre alten Rollen zurück und wurden wieder die Knaben, die sie früher
gewesen waren. Sie rissen Witze und lachten über die Heldentaten von einst. Von
dem Leben, das sie seitdem geführt hatten, erfuhr man nichts. Wenn man
nachfragte, wurde man mit Sprüchen abgespeist. Niemand erzählte, wie es ihm
inzwischen ergangen war. Die Sprüche und Witze, die Anekdoten über alte Lehrer
und die Reminiszenzen an alte Heldentaten dienten nur dem Zweck, nichts
Persönliches erzählen zu müssen.
Wie anders bei den Frauen! Sie alle hatten eine Geschichte, die die Zeit von
damals mit dem Heute verband. Es waren keine jungen Mädchen mehr, denn sie
hatten in der Zwischenzeit etwas erlebt. Und sie wußten es und konnten es
erzählen. Aus ihnen sprach die lebendige Erfahrung, und jede der Frauen wurde zu
einer Figur in einem interessanten Lebensroman.
Häufig waren es Geschichten über verlorene Illusionen, die sie erzählten. Und in
der Regel betrafen ihre Enttäuschungen ihre Männer. Und während ich zuhörte,
wurde mir klar: Diese Männer sind von derselben Sorte wie ihre Klassenkameraden
von einst, die da wie spätpubertierende Teenager ihre Sprüche klopfen. Sie sind
ihren Frauen fremd geblieben. Sie wirken auf sie wie erfahrungslose Figuren,
steril und ohne die Fähigkeit, zu ihnen zu sprechen. Und zugleich ging mir auf:
Diese Frauen haben keinen Schimmer, daß alle diese Kerle eine Maske tragen. Daß
sie ihre puerilen Scherze machen, um nichts Persönliches berichten zu müssen.
Und daß sie auf diese Weise ihre Trauer verbergen - Trauer über die verpaßten
Chancen und die eigenen Fehler, Trauer darüber, daß das Leben im Vergleich zu
den damaligen Hoffnungen kläglich verlaufen ist, und auch Trauer darüber, daß
sie all das hinter der idiotischen Maske der Unreife verbergen müssen, die sie
einsam und sprachlos macht. Und mit der Plötzlichkeit einer Eingebung wurde mir
klar, daß die Ähnlichkeit mit Hund und Katze auf einem Fluch beruht, der die
Beziehung zwischen ihnen verhext.
Dieser Fluch besteht darin, daß die Annäherung der Geschlechter in Männern und
Frauen entgegengesetzte Reaktionen auslöst. Die Männer setzen eine Maske auf,
werfen sich in die Pose des Siegers und verwandeln sich in Angeber. Damit
betonen sie die Abgrenzung gegenüber den Frauen, um den Eindruck ihrer
Männlichkeit zu verstärken. Die Frauen aber erwarten von Nähe größere
Aufrichtigkeit und wechselseitige Selbstauslieferung. Die Männer dagegen
verstärken die Theatralik, um cool zu wirken, und verschließen dabei ihr Inneres
in dem Moment, in dem die Frauen ihre Gefühle offenbaren.
Der Effekt ist derselbe wie in der Kommunikation zwischen Hund und Katze: Wenn
der Hund freundlicher Stimmung ist, wedelt er mit dem Schwanz. Ist er dagegen
böse, dann knurrt er. Bei der Katze ist es umgekehrt. Ist sie gereizt, dann
zuckt die Schwanzspitze. Fühlt sie sich anschmiegsam und liebebedürftig, beginnt
sie zu schnurren. Nähert sich also eine Katze mit vertrauensseligem Schnurren
einem Hund, fühlt dieser sich bedroht und beginnt zurückzuknurren. Das
mißversteht die Katze als Einladung zu Vertraulichkeiten, die der Hund wiederum
als Angriff auf seine Unabhängigkeit mißversteht und mit Bellen und Bissen
beantwor-tet. Da nimmt es nicht wunder, daß die Katze dieses Verhalten als
empörend empfindet.
Doch auch der Hund findet das Verhalten der Katze entsetzlich. Er hat die
freundlichsten Absichten und wedelt eifrig und frohgemut mit dem Schwanz. Zu
seiner Beruhigung beantwortet sie das mit einem zwar zurückhaltenden, aber
deutlich sichtbaren Zucken ihrer Schwanzspitze. Als er, auf diese Weise ermutigt
und uneingedenk seines betäubenden Mundgeruchs, sich ihr nähert, liest er an der
Frequenzerhöhung beim Peitschen des Katzenschwanzes einen Willkommensgruß ab.
Gerade will er zu einem schlabbernden Begrüßungskuß ansetzen, da springt sie ihm
spuckend und fauchend ins Gesicht.
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