Wer an Rechtsextremisten und rechtsextremistische Gewalt denkt, denkt zunächst an Männer (aus den neuen Bundesländern, mit Glatze und Springerstiefeln). Ein unvollständiges Bild, das in einigen Bereichen revidiert werden muss. Nicht zuletzt weil die Zahl der Wählerinnen rechtsextremer Parteien etwa ein Drittel beträgt und zwischen 5 und 9% rechtsextremer Gewalttaten von Frauen verübt werden. Sucht man allerdings nach Literatur über die Präsenz und Aktivität von rechtsextremen Frauen, findet man leider wenig Material. "Mädelsache!" überzeugt vor allem dadurch, dass einem hier ein aktueller Überblick über die weibliche, rechtsextreme Szene (RNF, GDF, Mädelgruppe KS Tor, HNG...)vermittelt wird. Eng gekoppelt ist diese natürlich an eine Präsentation der wenigen führenden Akteurinnen, die hier nach dem Motto "Das Private ist politisch" als ernst zu nehmende Gegnerinnen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vorgestellt werden.
Da ich mir das Buch im Rahmen einer Hausarbeit angeschafft habe, vermisse ich um des wissenschaftlichen Anspruches willen Quellenangaben und Fußnoten, muss aber zugeben, dass ihre Abwesenheit den Lesevorgang ungemein erleichtert. Ebenso gewinnt das Buch dadurch an Lesbarkeit, dass es sich streckenweise an der Erzähltechnik von TV-Dokumentationen orientiert, so dass ein roter Faden -etwa die Schilderung einer einschlägigen Demonstration mit entsprechenden Teilnehmerinnen- für Kohärenz sorgt, wo sich Daten, Fakten und Namen sonst aneinanderreihen würden. Der journalistische Hintergrund der beiden Autoren macht sich hier durchaus bemerkbar. In Folge ist "Mädelsache!" zwar Fachliteratur, enttäuscht aber möglicherweise jene, die ein Werk im für eine kleine, akademische Zielgruppe geeigneten, nüchtern-wissenschaftlichen Ton erwartet haben.