Seit einigen Monaten geisterte bereits der Titel FROHE SCHRITTE des Leipziger Trios BROCKDORFF KLANG LABOR über die Festplatten (und später) auch durch so einige CD-Player der heimatlichen Gefilde. Die entsprechende Single-Auskopplung sorgte in meinem Freundeskreis für das übliche Ohrwurm-Phänomen: Unbewusstes Summen und Singen dieses catchy Elektro-Pop-Glanzstücks allerorten. Und Schwupps, der Nächste im Bekanntenkreis singt die verdammt einschmeichelnde Melodie.
In der Oktober2007-Ausgabe der Zeitschrift INTRO wird nun eine wahre Lobeshymne auf das BROCKDORFF-Album intoniert, und so skeptisch ich doch sonst bei solch ungestümer Kritiker-Begeisterung bin, die Pop-Gazette hat recht.
BROCKDORFF KLANG LABOR besitzen ein erstklassiges Talent für komplexes Songwriting und musikalische Arrangements, die aus der Masse der elektronischen Popmusik hervorstechen. Spillsbury oder 2raumwohnung wirken gegen das Trio aus Leipzig eher wie glattgebügelte sterile singalong Tonleiter-Hemdchen.
Auf dem Album mit dem ironischen Titel MÄDCHENMUSIK müht sich weder eine drittklassige Electroclash-Band um seelenloses Krawall-Gebolze unter Zuhilfenahme bunter Bühnenkostüme, noch hechelt eine weitere Lederjacken-Combo dem Sound von Depeche Mode nach. Eher lässt man sich beeinflussen vom genialen Songwriting von britischen Helden wie den Pet Shop Boys, Morrissey oder auch Pulp. Im Ergebnis entstand so ein traumhaft schönes elektronisches Album, das zwar von Anfang an eingängig klingt, doch trotzdem mit jedem Hören wächst und neue Details preisgibt. Und so stehen herbstliche Balladen neben kräftigen Rhytmus-Stücken wie STEHAUFMANN oder GRENZENLOS WAR. Ersteres erinnert nicht zuletzt durch die gesangliche Unterstützung von KNARF RELLÖM und DJ PATEX etwas an SEEED.
Die Texte des Leipziger LABORs zeigen auf wunderbare Weise, wie auch mit deutscher Sprache geheimnisvolle und spannende, nie wirklich, auflösbare Geschichten erzählt werden können.
Aus dem Booklet ist zu entnehmen, dass die Band für dieses Album ins Studio von keinem geringen als Tobias Levin gegangen ist, der sonst auch schon mal für Bands wie TOCOTRONIC oder KANTE am Mischpult sitzt. Irgendwie haben da wohl drei Leipziger alles richtig gemacht.