Bisher standen für mich Martha-Grimes-Krimis für traditionell gut geschriebene Romane, Spannung von vorne bis hinten und auch die Handlung verführte den Leser stets zum Weiterblättern. Umso erstaunter war ich bei "Das Mädchen ohne Namen", als ich bereits nach den ersten Seiten keinen Grund zum Weiterlesen sah.
Ein 17-jähriges Mädchen wacht eines Tages mitten in New Mexico in einer ihr fremden Pension auf. Sie hat keine Ahnung wie sie dort hinkommt, warum sie dort ist oder gar wie sie heißt. Trotzdem hat sie ein ungutes Gefühl, als ihr die Pensionsbesitzerin von einem anscheinend zwielichtigen Mann in ihrer Begleitung erzählt. Spontan gibt sie sich selbst den Namen "Andi", packt ihre Sachen und flieht in die Berge. Doch sie muss sich und die Tiere, die sie in ihrer neuen Heimat aus Fallen rettet, irgendwie ernähren und stiehlt unter anderem in einer Apotheke Medikamente. Dort trifft sie auf die 14-jährige Mary und mit ihr zusammen macht sie sich auf die nicht ganz ungefährlichen Suche nach ihrer eigentlichen Identität.
Leider liest sich die Handlung im Klappentext wesentlich spannender, als sie dann tatsächlich ist: zwei minderjährige Mädchen machen sich ohne Plan und Sinn auf die Suche nach einem Mann, dem sie ohne wirklichen Grund misstrauen. Dabei treffen sie auf grausame Tierquäler, denen sie natürlich das Handwerk legen und wachsen auf der Jagd nach der Wahrheit unrealistisch weit über sich hinaus.
Vielleicht war dieser Roman eher als leicht verkitschter Jugendroman gedacht, ein spanneder Kriminalroman mit gewohner Martha-Grimes-Qualität ist es jedenfalls leider nicht. Es zwingt einen nicht, wie sonst üblich, die Seiten schnellstmöglich weiterzublättern sondern statt dessen das Buch möglichst bald zuzumachen und zum nächsten Krimi zu greifen.