Hände benötigt man für jede Tätigkeit, zahlreiche Formulierungen und Gesten sind im täglichen Sprachgebrauch verankert. Wir sehen Hände als selbstverständlich an - wie man ohne Hände lebt, erzählt Mariatu Kamara, der im Bürgerkrieg von Sierra Leone beide Hände abgehackt wurden. Heute ist Mariatu Kamara Unicef-Sonderbotschafterin und macht aufmerksam auf die Situation in Sierra Leone, wo tausenden Menschen Verstümmelungen zugefügt wurden. Das Buch ist keine leichte Kost, aber durchaus auch für Jugendliche empfehlenswert, die das Leben und Leid anderer Kinder verstehen wollen.
"Wie aber fühlt man sich, wenn man sich nicht einmal die eigenen bitteren Tränen aus den Augen wischen kann? Wenn man keine Hände hat, um sich wieder aufzurichten?"
Mariatu Kamara ist elf Jahre alt und lebt ein glückliches und zufriedenes Leben in Sierra Leone. Es gibt immer mal Gerüchte, dass Rebellen in der Nähe wären, doch schon zu oft hörte man davon und nie geschah etwas. Nun wird Mariatu ein Mann vorgestellt, Salieu. Ihn soll sie heiraten, was dem jungen Mädchen als größte vorstellbare Katastrophe erscheint, zumal sie in Musa verliebt ist. Sie träumt von einem Leben und einer glücklichen Zukunft mit Musa, doch dann kommen die Rebellen und verändern alles.
Die Rebellen, die zumeist aus Kindersoldaten bestehen, die durch Drogen gefügig gemacht wurden, ziehen eine grausige Blutspur durchs Land und Mariatu muss mit an sehen, wie viele ihrer Bekannten verstümmelt oder ermordet werden. Mariatu selbst darf gehen, doch nicht ohne Strafe. Die Rebellen denken, dass man ohne Hände kein Kreuz auf dem Wahlzettel machen kann und so werden ihr mit einer Machete beide Hände abgehackt, das Mädchen kämpft sich schwer verletzt durch den Busch, sie braucht dringend ein Krankenhaus. Zutiefst verstört kommt sie dort an, wird operiert und muss dann langsam lernen, mit ihrem Schicksal zu leben...
Mariatu Kamara hat der kanadischen Journalistin Susan McClelland ihre Geschichte erzählt. Schonungslos berichtet sie über den Krieg in ihrem Land, die Kindersoldaten, Gemetzel und von menschenunwürdigen Zuständen in Krankenhäusern und Flüchtlingslagern. Erschüttert und ergriffen legt man das Buch nach der Lektüre beiseite, doch noch lange wird man an Mariatu Kamara und ihre Geschichte denken. Die Sprache ist sehr einfach, wirkt dadurch jedoch noch eindringlicher. Es fällt schwer, das Gelesene zu begreifen, aber weglegen kann man das Buch nicht, man muss wissen, wie das Leben des mutigen Mädchens weitergeht. Das Vorwort schrieb Ishmael Beah, der Kindersoldat aus Sierra Leone. Ishmael und Mariatu waren Kinder als ihre Welt sich für immer veränderte, dass anderen Kindern ihre Geschichten erspart bleiben, dafür kämpfen sie intensiv!