Buddhadeva Bose, einer der wichtigsten bengalischen Autoren des 20. Jahrhunderts, hat im Jahre 1951 mit dem Original-Titel "moner mato meye" das vorliegende Buch in Kalkutta veröffentlicht. Meisterlich fügt er in >Das Mädchen meines Herzens<, das vom Zauber der ersten Jugendliebe handelt, vier unterschiedlich gehaltene Erzählungen zu einem harmonischen Ganzen zusammen.
An einem Winterabend auf dem Bahnhof einer indischen Kleinstadt warten vier Herren auf die Weiterfahrt ihres Zuges. Müde und frierend hängen sie ihren Gedanken nach, bis plötzlich ein junges Liebespaar erscheint und sogleich den Raum wieder verlässt. Dieser kurze Augenblick verändert die Stimmung in dem Bahnhofs-Warteraum. Die vier sich unbekannten Männer beginnen daraufhin abwechselnd, eine Liebesgeschichte aus ihrer Jugend zu erzählen, um sich damit die lange Nacht zu vertreiben.
Voller Poesie, überschattet von sanfter Melancholie erzählt der Autor von einer Zeit in der Vergangenheit, an die jeder sich sogleich zurückerinnert: die Zeit der ersten Verliebtheit. In knappen, ausdrucksvollen Sätzen beschreibt Buddhadeva Bose in seinem Buch den Verlauf einer einzigen Nacht. Und erreicht wie nebenbei, dass der Leser nach dem Zuklappen der Buchdeckel über die eigene erste Liebe sinniert. Die vier beschriebenen, zarten Liebesbeziehungen erlebt man beim Lesen mit, die Personen werden (trotz der ungewöhnlichen Namen) lebendig und für die Zeit des Lesens befindet man sich bis zum Morgengrauen mit den vier Herren im Warteraum des Bahnhofes. Und wenn der Unternehmer, der Beamte, der Arzt und der Schriftsteller ihre Weiterreise antreten, bleibt man ein bisschen traurig am Bahnsteig zurück, denn man hätte ihren Geschichten noch viel länger "lauschen" können.
>Das Mädchen des Herzens< ist ein feinfühliger, bereichernder Roman, welcher in der deutschsprachigen Ausgabe durch einen gute Übersetzung sowie ein ansprechendes Cover überzeugt. Eine Neuerscheinung, die zu Lesen lohnt.