Mit diesem Satz könnte man "Das Mädchen das durch die Zeit sprang" wohl lapidar beschreiben. Aber bei diesem Meisterwerk von Film aus der Hand von Spezialist Mamoru Hosoda und seinem Team gibt es so viel zu entdecken, was den Film zu viel mehr macht als bloß einem Anime. Und wer sich den Film anschaut, wird ganz schnell merken, dass er nicht nur allerfeinste Unterhaltung ist, sondern auch viele essenzielle Themen eines Menschenlebens aufgreift, über die wir uns doch alle Gedanken machen - oder es zumindest sollten...
Die Schülerin Makoto ist fast erwachsen. Von sich selbst sagt sie, dass sie weder zu dumm noch zu schlau ist, höchstens ein wenig ungeschickt. Die warmen Tage dieses Sommers verbringt sie hauptsächlich mit ihren Freunden Kosuke und Chiaki auf dem Baseballfeld der Schule, wo sie ein paar Bälle werfen, und dabei über dies und das tratschen. Während der fleißige Kosuke ein engagierter junger Mann ist ("Was ich in den Ferien machen werde? Ordentlich lernen!"), und der rau-charmante, aber auf den ersten Blick nicht besonders kluge Neuling Chiaki am liebsten "die Welt bereisen" würde, weiß Makoto hingegen noch gar nicht so recht, was mal aus ihr werden soll. Im Moment reicht ihr das tägliche Verschlafen, zur Schule hetzen, und nachmittags Baseball spielen völlig aus. Doch als ihr eines Tages ein merkwürdiges Objekt in die Hände fällt, ändert sich alles. Als sie beinahe einen tödlichen Unfall mit einem Zug erleidet, findet sie sich plötzlich in der Vergangenheit wieder. Schnell merkt sie, dass sie beliebig durch die Zeit zurückspringen kann, und lernt, die Fähigkeit zu kontrollieren. Spontane Mathetests sind keine Überraschung mehr, der Pudding daheim wird vor der kleinen Schwester gerettet, und die Karaoke-Party mit Kosuke und Chiaki dauert schnell zehn Stunden (Zu deren Leidwesen). Und Kosuke wird bei der Gelegenheit gleich noch mit der schüchternen Kaho verkuppelt. Doch als ihre Tante erklärt, dass für alles Gute das Makoto widerfährt, jemand anderes durch die Neuordnung der Dinge leiden muss, wird der Schülerin mulmig. Trotz weiterer "Korrektursprünge" schafft sie es nicht, den "perfekten" Originalzustand der Realität widerherzustellen. Währenddessen scheint Chiaki, der sich zu Makoto hingezogen fühlt, und auf dem ein unfassbares Geheimnis lastet, etwas zu ahnen. Alles droht schließlich in einem furchtbaren Unglück zu gipfeln...
Kurzum: Wow. Was für ein MEISTERWERK. Ich glaube nicht, dass es im Bereich der Anime einen anderen Film gibt, der das Thema Adoleszenz - also das Erwachsenwerden - so unbeschreiblich gut und mit so viel nötigem Feingefühl behandelt. Die Animation ist fabelhaft: Die Zeitsprünge sind computeranimiert und visuell extravagant designt. Der Rest des Films: Aufwändig handgezeichnet, in einem wunderschönen Stil und satten Farben. Ruhige Bilder, im Wind wehende Bäume vor blauem Himmel mit weißen Schäfchenwolken, leere Klassenräume, unterlegt mit tieftraurig-schöner Klaviermusik, sowie die Gespräche beim täglichen Baseball zeichnen einen herrlichen Sommer, der nur augenscheinlich unendlich ist. Am fernen Horizont kündigt sich bereits der Herbst und damit das Erwachsenendasein an. Eine Kindheit liegt in ihren letzten, kostbaren wundervollen Zügen.
Weitere Themen sind das Übernehmen von Verantwortung und die erste große Liebe. Regisseur Hosoda geht sogar so weit, dass er diese Themen nicht an Makoto allein abhandelt. Alle anderen Figuren des Films sind wichtig, jede noch so kleine namenlose Randfigur im Hintergrund erzählt von sich. Ihre kleine Schwester ist häufig nur im Schlafanzug zu sehen und man merkt dass sie sich noch keine Gedanken um die Zukunft zu machen brauch. Die Eltern: Ruhig, gelassen beim Abendessen, haben ihren Platz im Leben gefunden. Szenen von anderen Schülern in der Sporthalle oder allein in der Bibliothek zeigen, dass Makoto mit ihren Sorgen, Hoffnungen, Vorlieben und Abneigungen nicht allein ist. Fast wünscht man sich, mehr über all diese Personen zu erfahren. Wer sind sie? Was wird später einmal aus ihnen werden? Hier menschelt der Film gewaltig und fährt einen unglaublichen Realismus auf.
Das Ende schließlich gehört zum traurigsten und zugleich wunderbarsten, womit ein Film überhaupt aufwarten kann. Hoffnung, Trauer, Mut, Verzweiflung, Trotz, Selbsterkenntnis, alles ist dabei. Man lechzt geradezu nach einem zweiten Teil, wenn Makoto auf die Frage, was sie denn nun vorhabe, nur leise lächelnd sagt: "Das ist ein Geheimnis." Doch gerade hier liegt der Reiz des Films, NICHT zu wissen, was aus den jungen Leuten wird. Das weiß nur die Zeit, die einfach vergeht wie schon seit jeher. Zumal man bei Makoto doch eine vage Ahnung geschenkt bekommt. Die Musik schließlich tut ihr übriges, und ringt dem Zuschauer in Kombination mit der Geschichte mehr als einmal stille Tränen ab.
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