Es war an der Zeit, endlich auch einmal mit der Version von MiU aus dem Jahre 1931 bekannt zu werden. Unzählige Male habe ich schon den Film von 1958 gesehen mit der unvergessenen Lilli Palmer und der unerreichten Romy Schneider in den Hauptrollen.
Viele Meinungen habe ich schon gelesen, die besagen, daß die Liebesgeschichte zwischen Manuela von Meinhardis und Fräulein von Bernburg in der 31er Fassung viel deutlicher ist als in der 58er Fassung, was ich allerdings nicht wirklich bestätigen kann. Sie ist in beiden Filmen recht subtil, was darauf zurückzuführen ist, daß zu den jeweiligen Entstehungszeiten den Regisseuren strenge Zensoren im Nacken saßen und man sein Thema eben so subtil wie nötig und nur so offen wie möglich darlegen konnte. So zeigen beide Filme sehr deutlich Manuelas Schwärmerei für ihre Lehrerin Fräulein von Bernburg, die Reaktion der Lehrerin aber nur sehr verhalten.
Der Film von Leontine Sagan ist durchaus empfehlenswert, denn auch die von ihr eingesetzten Schauspielerinnen (Dorothea Wieck und Hertha Thiele) sind meisterhaft in ihrem Fach und nicht weniger reizend und glaubhaft als ihre oben genannten Nachfolgerinnen.
Besonders hat mich der Auftritt von Erika Mann beglückt. Diese Persönlichkeit und ihr Können dreidimensional und mit Ton kennenzulernen, anstatt immer nur auf Bildern oder zwischen Buchseiten, das ist heutzutage eine fast einmalige Gelegenheit. Und sehr lohnenswert!
Der Film kriegt also 5 Sterne von mir, unter anderem auch, weil er ein so schönes Dokument der Filmgeschichte ist, er ist nämlich einer der ersten Tonfilme.
Die beiden Filmversionen basieren übrigens auf einem Bühnenstück namens „Gestern und heute", das Christa Winsloe verfaßt hat und das auch in Prosa unter dem Titel „Mädchen in Uniform" zu erwerben ist.