"Mädchen Orchidee" hieß die junge Frau im Haus ihrer Eltern zu dem Zeitpunkt, an dem sie von Eunuchen des Kaiserhofs in Beijing zur Kaiserinmutter gerufen wurde, damit diese unter einer großen Menge Manchu-Jungfrauen die Ehefrau und die Konkubinen ihres Sohnes heraussuchen konnte. Eigentlich bereits anderweitig verlobt, ist die junge Frau zufrieden damit, dass ihre Kusine zur Braut des kränklichen Kaisers werden soll. Doch da sie selbst als Konkubine ausgewählt wird, muss sie weiter ind er Verbotenen Stadt verbleiben und beginnt aus Langeweile sehr viel zu lernen.
Später gelingt es ihr dann, durch Wissen, Skrupellosigkeit, einen Blick für die richtige Gelegenheit, einem guten Instinkt für Macht und auch einem gewissen Glück, selbst zru regentin aufzusteigen und diese Rolle mit Unterbrechungen über die nächsten vierzig Jahre weiterzuspielen - durch die Taiping-Revolte, den Boxer-Aufstand und andere schwierige Zeiten des Reiches, das von den Europäern und den Japanern immer mehr gezwungen wird, sich der Welt zu öffnen.
Pearl S. Bucks Darstellung Tsu Hsis, wie die Regentin später genannt werden sollte, erscheint sehr ausgewogen und versucht zu erklären, wie eine sehr machtbewusste und oft grausam wirkende Frau lange Zeit bei ihrem Volk hohes Ansehen genossen hat, so dass man sie später oft liebevoll "alter Buddha" nannte und ganz verzweifelt gewesen ist, als sie schließlich starb. In meinen Augen ist dieser Versuch, der besonders die Konflikte mit den Europäern aus der Sicht der seit 300 Jahren herrschenden Manchu-Minderheit darstellt, sehr gut gelungen. Auch 55 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch überaus lesenswert.