"Doch zum Gemach hingehend, besorge Du deine Geschäfte / Spindel und Webstuhl, und gebeut den dienenden Weibern, / Fleißig am Werke zu sein. Der Krieg gebührt den Männern / Allen, und mir am meisten, die Ilios Feste bewohnen." (Homer; Ilias, 6, 489-493) Dieser Idee Homers bestraft Aristophanes Lügen in seinem in den Lenäen im Jahre 411 v. Chr. erstmals in Athen aufgeführten Komödie "Lysistrate", was in der Bedeutung "Heerauflöserin" meint.
Für den Einstieg hilft ein kleiner Dialog, der gleichzeitig das Komödienhafte und auch das Frivole zeigt.
Kalonike
Was ist' s denn, liebe Lysistrata, / Weßhalb du heut uns Frauen hier zusammenrufst? / Was ist das Ding, von welcher Art?
Lysistrata
Sehr groß.
Kalonike
Auch dick?
Lysistrata
Auch dick, gewiß!
Kalonike
Und da zu kommen säumten wir?
Lysistrata
Nicht solcher Art; da kämen wir geschwind heran. / Nein, aufgespürt hab' ich ein Ding, und mich damit / Durch manche ruhelose Nacht herumgewälzt.
Kalonike
War's fein, das Ding, womit du dich herumgewälzt?
Lysistrata
So fein, daß alles Wohlergeh'n und alles Weh / Des ganzen Hellas nur an uns, den Frauen, hängt -
Kalonike
Den Frauen? Nun, dann hängt's an dünnem Faden nur.
Lysistrata
Daß nur in unsern Händen ruht des Staates Macht, / Daß sonst dahin sind alle Peloponnesier -
Kalonike
Am besten wär's, beim Himmel, wären die dahin.
Der Prolog zeigt die Absicht Lysistrates, die Männer mit Verzicht auf Geschlechtsverkehr vom Kriege abzuhalten und nach Hause zu holen. Die Abstinenz der Frauen während des Krieges wird umgedeutet in eine eindeutige Zweideutigkeit amouröser Spielformen, in der das Verlangen der Frauen gar schon die Idee torpediert.
Kalonike
Sonst alles, alles, was du willst. Ja, muß es sein, / Ich gehe dir durch Feuer: laß mir nur den Mann! / Ich kann von ihm nicht lassen, liebe Lysistrata
Lysistrata
Und du?
Myrrhine
Auch ich - durch Feuer will ich lieber gehn.
Dennoch erreicht Lysistrate Einigkeit unter den Frauen, die aus unterschiedlichen Städten zu dieser konspirativen Sitzung gekommen sind. Der peleponesische Krieg (431-404) ist im Gange und trifft Athener wie Spartaner gleichermaßen. Und in dem Zuge der Wünsche und Ablehnungen, vorgetragen durch Chöre gegeneinander, Herolde und Männern wie Frauen erscheint nach dem Auftreten des spartanischen Heroldes es am sinnvollsten, einem Gespräch und einer Verhandlung zuzustimmen. Lysistrate beginnt die Versöhnung anzubahnen, sie gelingt, die Männer dürfen in die Burg der Frauen und die beiden Chöre werden zu einem, der Frieden und die Versöhnung wird gefeiert, der von Aphrodite, der Göttin der Liebe, gestiftet wird.
Aufgeführt wurde das Stück just in dem Jahr der veränderten Machtverhältnisse in Athen. Die 400 Oligarchen treten an die Macht. Aristophanes prangert den Krieg an sich an und führt zu der Erkenntnis im Gegensatz zu Homer, dass Männer nicht in der Lage sind, kriegerische Konflikte zu lösen. Damit erfichtt er mitten im Krieg ein Plädoyer für den Frieden.