Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Trauergelatine, 1. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen (Taschenbuch)
Neue Generation. Hm. Kann es das gewesen sein? Klar KANN wie bei der abstrakten Malerei etwa auch bei der Lyrik Lebensweltliches weitestgehend außen vor bleiben - aber muß es das derart geballt und - größtenteils - derart verschwurbelt tun? Mir drängt sich der Eindruck auf, dass diese neue Generation in großen Teilen schlicht nichts zu sagen hat und sich aus Mangel an Mitzuteilendem lieber mit schiefen Bildern auf Unverständliches zurückzieht, das aber eben bis in die Stimmungen und Bilder hinein unverständlich ist! Dabei gibt es hier und da Stilblüten, die diesem Rückzug eine unfreiwillig komische Note verleihen: „des windes saugen an den warzigen pupillen der felsen" (S. 85) oder „nichts geschehen, doch Verschiebungen ... vage" (S. 87), besser noch „Die Brust. Die Milch. Die Trauergelatine" (S. 94). Die Trauergelatine! Ein gutes Bild, aber nur für das Buch. Oder „Ich war nie ein Land und Ich war nie ein Wir." (S. 102). Aha. Ich auch nicht. Ein gutes Bild für den Mißstand auch „das verlangen einen kirschkern gespuckt zu haben" (S. 147). Warum tust Du es nicht einfach? Oder: „... die lähmende Geometrie einer Berührung zu beschreiben" (S. 209). Das Einfachste wird verschwurbelt und erscheint merkwürdig ungelebt, hölzern und blutleer in diesem Buch. „... kein gänsefüßiges Vollstopfen mit Anmerkungen zu dieser und jener unersetzlichen Lotophagentinktur" (S. 192). Aber genau so scheint es doch! „Am Grund der Diskurse schwimmt ein Fisch" (S. 167), ein Fisch von Germanisten für Germanisten, um nicht zu sagen: von promovierten Germanisten für promovierte Germanisten, gespickt auch mit Chiffren von Bildungsangebern für Bildungsangeber: „nur die sonden blieben von den rückzügen / des pelagischen amniom, das uns umgab, reckten / sich langsam wie schwarze astern bei wachsendem / turgor, blüten, denen seltsame kinder entstiegen: wir." (S. 232). Ja, seltsame Kinder. Zitate so auszuwählen, mag unfair sein, und natürlich gibt es da hier und da auch das, das besser oder zumindest weniger schlecht gelungen ist, zum Teil von den selben Autoren. Disambiguierende Kontexte gibt es jedoch nicht. Über 95%, vielleicht bis zu 99% der Bevölkerung würden dieses Buch sehr schnell wieder zu Seite legen, falls es ihnen - zufällig - begegnen sollte. Dieser Prozentsatz ist viel zu hoch. Trotzdem und trotz der - von Ausnahmen abgesehen (Rinck, Lafleur, Flenter, Preckwitz, weitere) - sehr anstrengenden Lektüre: wer als „literarisch gebildeter Nichtgermanist" die deutsche Gegenwartslyrik kennen will, sollte sich diesen Band besorgen. Wegen der wenigen Perlen und auch einfach, um die Augen nicht zu verschließen vor der Realität der deutschen Gegenwartslyrik, die sich nicht „ihre Öffentlichkeit organisiert", wie der Klappentext verheißt, sondern offenbar auf der Flucht vor einem breiteren Publikum suizidiert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die "Menschheitsdämmerung von heute", 28. Juni 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen (Taschenbuch)
"Lyrik von Jetzt" halte ich für eine wichtige Sache, denn praktisch alle wichtigen jungen Lyrikerinnen&Lyriker -oder auch nur solche, die oft in Literaturzeitschriften auftauchen - stehen da drin. Ganz toll sind die ausführlichen Biografien, so dass man sich schnell und übersichtlich informieren kann, wer sich in der aktuellen Lyrikszene so tummelt. Von der Sache her also ganz toll (vom völlig verquasten Vorwort mal abgesehen, da hat sich ein Germanist hölzern wie nur was verbreitet). Auffällig ist, dass sehr viele der Autorinnen&Autoren nicht wirklich mit der Sprache arbeiten, sondern im Prosastil bleiben. Das pendelt dann zwischen banal und Schrott. Andere dagegen sind wunderbar lyrisch, die kneten ihr Sprach-Material wie Wachs zu kleinen Kunstwerken. Kuhlig und Wagner haben hier eine tolle Sache gemacht, das Buch sollte ein Standardwerk werden für alle, die sich für zeitgenössische Literatur interessieren. Etwas mehr Analyse wäre vielleicht schön gewesen. Andererseits kann man sich so ganz unvereigenommen nähern. Ich bin jedenfalls gespannt, wer von den Autorinnen&Autoren in zehn Jahren noch da ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zeitgeist erfolgreich eingefangen, 17. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Lyrik von Jetzt. 74 Stimmen (Taschenbuch)
Man kann die einzelnen Facetten und Impressionen einer Lyriksammlung nicht wiedergeben und in einer Rezension beschreiben, aber es lohnt sich jedesmal, diese Lyriksammlung aufzuschlagen und ein, zwei oder mehr Gedichte zu lesen. Es ist sinnlos, mit einem streng wertenden Maßstab an eine solche Publikation zu gehen, in der so viele neue und junge Stimmen zusammengefunden haben. Dennoch ist die eine oder andere lyrische Momentaufnahme Lichtblick und Entdeckung zugleich - eine gelungene Kompilation zum lyrischen Zeitgeist des beginnenden 21. Jahrhunderts! Und dennoch sind nicht alle Stimmen in dieser Veröffentlichung versammelt. Aber auch dies ist wohl charakteristisch für eine Publikation, die den lyrischen Zeitgeist erfassen will: sie bleibt ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dennoch sind die unterschiedlichen Wort-, Sinn- und Farbspiele der jungen enthousiastischen Autoren eine Glanzleistung und der Reiz dieser Sammlung liegt wohl gerade in der radikalen Unterschiedlichkeit ihrer Stile.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|