Die Box enthält zwei Verfilmungen von Büchern der britischen Autorin Lynda La Plante. Da La Plante hauptsächlich Drehbuchautorin ist (u.a. von "Prime Suspect" mit Helen Mirren) und das Buch nur ein Jahr vor der Verfilmung erschien, ist die Annahme, dass beides von Anfang an als ein Paket geplant wurde und daher keine Ver-Filmung im klassischen Sinne vorliegt, vermutlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Bücher habe ich nicht gelesen.
Die Bücher/Episoden "Above Suspicion" und "The Red Dhalia" dauern je etwas mehr als zwei Stunden, im ersten Fall in zwei Folgen aufgeteilt, im zweiten Fall auf drei Folgen. Sprache ist ein teilweise gut, teilweise schwerer verständliches Englisch ohne jede UT.
In "Above Suspicion" geht es um eine seit Jahren andauernde Serie von Frauenmorden, die erst mit dem letzten Fall als Serie erkannt wurde. In "Red Dhalia" stellt jemand die realen "Black Dhalia" Morde aus den Fünfziger Jahren in den USA nach. Beides sind Episoden der Art, in der es nicht hauptsächlich um das Finden des Täters geht. Der steht eigentlich recht früh und wird den Polizisten auch eher von Dritten 'auf dem Silbertablett' serviert. Es geht um den genauen Nachweis, die Psyche der Täter, die der Opfer und die Vorgeschichte. Ebenso stehen zwei Polizisten im Mittelpunkt. Leiter der Ermittlungen ist DCI Langton, ein tendenziell mürrischer, aber nicht allzuaufbrausender Typ mit durchaus Hang zur Sensitivität. Die Hauptfigur ist jedoch die junge DC Anna Travis, die neu ins Team kommt und deren Sicht den Mittelpunkt der Erzählungen darstellt. Ihr Vater war auch Polizist und ein geschätzter Kollege von Langton. Sie ist zum einen ein zarter, fast ätherischer Typ, manchmal mädchenhaft-verträumt wirkend, aber auch immer wieder mit einem guten Stück Toughness und Wagemut. Ihre Persönlichkeit und die Beziehung zwischen ihr und Langton nehmen viel Raum ein. Der Rest des Ermittlungteams kommt weniger vor.
Die Serie setzt sehr stark auf die Wirkung von Horror und Erotik, je für sich und in der Kombination. Die Morde sind alle besonders bestialisch (was in Leichen und gerichtsmedizinischen Szenen auch deutlich gezeigt wird), die Täter gestörte, schillernde Persönlichkeiten mit öffentlichem Ansehen. Familiäre Hintergründe von Tätern und Opfern sind schwierig bis dramatisch. Soviel zum Horror. Die Erotik kommt v.a. durch Kelly Reilly als Anna Travis, die sich in figurbetonter Kleidung mit viel Augenaufschlag, über die Lippen fahrender Zunge, dahingehauchten Sätzen und aus der Stirn geschobenen Haar durch die Folgen spielt und damit nicht nur ihren DCI beindruckt.
Die Fälle selber können nicht hunderprozentig überzeugen. Sie wirken von der Art wie schon ein Dutzendmal gesehen und auch die Charakterzeichnungen von Tätern und Opfern kommen einem bekannt vor und sind hier eher mal überzeichnet und ein bisschen holzschnittartig. Besonders intelligente Wendungen in der Ermittlungsarbeit kommen wenig vor. Das ist handwerklich alles ganz ok, aber nicht die große Kunst.
Das Paar Lanton/Travis kann am Anfang beeindrucken und ist interessant, v.a. weil es nicht überspitzt dargestellt wird (Lanton ist mal angenehmerweise trotz seiner Murrigkeit nicht der dauernd Rumbrüllende). Im sonstigen - betont 'bieder' gehaltenen - Ermittlungsteam gibt es in ihrer Art pfiffige Nebenfiguren. Auf Dauer nutzt sich der Effekt aber ein bisschen ab. Kelly als Travis haucht und schwebt ein wenig zu engelsgleich (man sieht sie schon fast als Tess von den D'Ubervilles) und die Krimigeschichte gerät zu sehr in den Hintergrund. Auch ist die Mischung Horror/Erotik etwas zu aufgesetzt.
Fazit: Ordentlich gemachte Brit-Krimis, die aber nicht zu den Highlights des Genres gehören. - Das Bild könnte übrigens für eine Produktion aus dem Jahr 2008 etwas schärfer/klarer sein. Man würde es spontan 10-15 Jahre vorher ansiedeln.