Lymelife
Jeden Monat kommen unzählige neue Filme auf DVD oder Blu ray auf den Markt oder laufen in den Kinos an. Bisweilen fühlt man sich da als Konsument von der gewaltigen Bilderflut geradezu etwas erschlagen, um nicht zu sagen regelrecht überrollt. Oft passiert es dann natürlich auch, dass einem das eine oder andere durchaus sehenswerte Filmchen dabei ob der angebotenen Vielfalt doch glattweg einmal nicht auffällt. So ging es mir bei dem von mir in dieser Rezension zur Vorstellung kommenden amerikanischen bereits 2008 unter dem Titel "Lymelife" als Regie-Erstlingswerk von Derick Martini entstandenen Film. Etwas erstaunt war ich schon über die Tatsache, dass der immerhin vom legendären Filmguru Martin Scorsese zusammen mit Alec Baldwin produzierte Film es nicht einmal in die deutschen Kinos geschafft hat und so auch hier bei uns nur von der vorliegenden DVD aus dem Hause Telepool zur Veröffentlichung kommt.
Der Film selbst erhielt in seiner Wertung höchst unterschiedliche und bisweilen recht kontroverse Kritiken. Auf dem Torontoer Filmfestival im Jahr 2008 wurde er, wie auch von zahlreichen renommierten Kritikern und Journalisten, hoch gelobt. Wie immer im Leben gab es aber natürlich auch gegensätzliche Meinungen von denen, welche dem Film einfach rein nichts aber auch gar nichts abgewinnen konnten. Ich für meinen Teil habe mir den Film versucht vorbehaltlos anzusehen und wurde nicht enttäuscht. Die Möglichkeit, sich seine höchst eigene Meinung zu diesem Film bilden zu können, besteht dank der nun hier vorliegenden Veröffentlichung ja ab sofort zum Glück für einen jeden selbst.
Schon als ich die in einem Klarsicht-Amaray-DVD-Case mit Wendecover gelagerte eine DVD dieser Veröffentlichung in den Händen hielt, fiel mir die ausgefallene Gestaltung des diese umgebenden Pappschubers in Hochglanzoptik auf. In diesem wurde auf der Vorderseite der Umriss eines Hauses herausgestanzt, was mit dem dadurch zur Ansicht kommenden passend integrierten Bild vom DVD-Cover, recht ausgefallen und originell und zudem nett anzusehen ist.
Ein Blick auf die Darstellerliste und die ersten der insgesamt fünfundneunzig zu erlebenden Filmminuten, brachten mich etwas ins Grübeln. Und tatsächlich, hier erlebt man neben einem wunderbar überzeugend aufspielenden Alec Baldwin noch drei Jungschauspieler, deren Namen allein schon aufhorchen lassen. Mit Kieran und Roky Culkwin sieht man zwei Brüder des legendären "Kevin allein Zuhaus - Darstellers", dem ehemaligen Kinderstar Macaulay Culkin. Mit Emma Roberts, kürzlich erst in "Scream 4" in den Kinos zu sehen, steht die Nichte der großen Julia Roberts (Pretty Woman 1990) hier bei "Lymelife" mit vor der Kamera.
Was mir bei diesem Film so sehr gefiel ist, dass er sich in keine Schublade stecken lässt. Er schafft es leise wie auch kraftvolle Töne in seiner Art der erzählten Geschichte und Umsetzung in der lebensnah gezeigten Inszenierung aufzuzeigen. Dabei bietet er sowohl dramatische, wie auch emotionale und im nächsten Moment schon wieder voller hintergründigen, zum Teil schon mit einem Tick beinahe boshaften schwarzen Humors in sich, zu erlebende Filmaugenblicke.
Der Film lädt in der in ihm erzählten Geschichte ein in das auf den ersten Blick schon beinahe etwas langweiliges und gänzlich unspektakulär wirkendes kleines Städtchen irgendwo auf Long Island. Hier aber trügt der allererste Blick einmal ganz gewaltig. Hinter der Fassade von spießiger Vorstadtidylle verliert das selbst aufgesetzte und für die Außenwelt gespielte "Heile-Welt-Bild" immer mehr seine Basis und Glaubwürdigkeit. Noch arbeitet Familienvater "Mickey" (Alec Baldwin) als Bauunternehmer und dessen Frau "Brenda" (Jill Hennessy) kümmert sich um den Haushalt. Tief im Inneren sind aber beide schon seit langem unglücklich und mit sich und der Welt unzufrieden. Während sich "Mickey" auf ein "Tête-à-tête" mit "Melissa" (Cynthia Nixon) einlässt, träumt "Brenda" von besseren früheren Zeiten und wünscht sich den Familienfrieden zurück.
Deren beider jüngsten Sohn, dem 15-jährigen "Scott" (Rory Culkin) plagen ganz andere Sorgen. Der ist nämlich mittlerweile total in seine Spielgefährtin seit Sandkastentagen, in die Nachbarstochter "Adrianna" (Emma Roberts), verknallt. Als dann noch "Scotts" Bruder, der ältere "Jim" (Kieran Culkin), welcher sich in die Army vor dem kaputten Familienleben der Bartletts geflüchtet hat, auftaucht, spitzt sich alles noch mehr zu. Mit dem Erscheinen des gehörnten Ehemanns von Melissa, dem von einer ausgebrochenen Borreliose sowie einer heftigen Paranoia gezeichneten und nicht mehr voll zurechnungsfähigen "Charlie Bragg" (Timothy Hutton), eskaliert das Ganze dann vollends.
Für eine mit gerade einmal einem Budget von nur knapp 1,5 Millionen Dollar ausgestattete Produktion wurde zum Glück nicht an der technischen Ausrüstung gespart. Und so schafft es dann auch das von der DVD der hier vorliegenden Veröffentlichung mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 95 Minuten und im Bildformat 16:9 zur Ansicht kommende Bild, insgesamt zu überzeugen. Die Farben zeigen sich intensiv und natürlich und das Bild kann, mit seinen gut gesetzten Einstellungen beim Kontrast, für sich punkten. Hin und wieder verursachen die bisweilen etwas schwächelnden Schärfeeinstellungen und fehlenden Schwarzwerte ein etwas weich gezeichnet wirkendes Bild.
Sehr zurückhaltend und schlicht fällt das DVD-Menü bei dieser Veröffentlichung aus. Aus nur einem, sich unmittelbar nach Einlegen der DVD in den Player heraus öffnenden mit kleineren Animationen und zu hörender Hintergrundmusik gestalteten Menüs, kann der Film als "Deutsche Sprachfassung" oder als "English Version" zur Wiedergabe gestartet werden. Mehrere in dem Film gesetzte Marker ermöglichen den Zugriff auf einige Kapitel und Schlüsselmomente. Extras finden sich weder auf der DVD noch im inneren des DVD-Case der hier vorliegenden Veröffentlichung.
Tonbewertung:
Beide Sprachfassungen bieten einen soliden und hier voll Genüge tragenden Ton im Format Dolby digital 2.0 an. Die Dialogverständlichkeit ist stets gegeben und mir fielen keine erwähnenswerten Unregelmäßigkeiten oder größere Mängel im zu Gehör kommenden Ton auf. Untertitel für Hörgeschädigte oder auch Gehörlose finden sich leider keine auf der DVD.
Gesamteindruck:
Es ist wie so oft im Leben, die Geschmäcker sind verschieden und so wird auch dieser Film unter Veröffentlichung des Labels "Telepool" ganz sicher seine Befürworter wie auch kritischen Meinungen finden. Mir gefiel er ob seiner sich nicht in Schubladen einzuordnen lassenden Art seiner Umsetzung. Das Gute ist, dass ein jeder mit der nun hier vorliegenden Veröffentlichung, die Entscheidung für ein Pro oder eben auch Contra zu diesem Film allein fällen darf und auch soll.