Es gibt ein London der Touristen, der Banker und der Politiker ' und es gibt die uralte Metropole, die Stadt unter der Stadt. Dorthin verschwinden immer wieder Kinder, dort ist es geheimnisvoll und gefährlich. Genau dorthin aber muss Emily Laing gehen, wenn sie erfahren will, wohin die Kinder aus dem Waisenhaus, in dem sie lebt, verschwinden.
In Christoph Marzis Roman Lycidas gibt es sprechende Ratten, Engel, Elfen und Werwölfe. Es gibt Anleihen aus Märchen, der Bibel und Geschichten. So gesehen wird dem Leser das eine oder andere bekannt vorkommen, wohl kaum aber mit solchem Geschick erzählt. Die wunderbar melancholische Atmosphäre des Buchs lässt dem Leser die Figuren ans Herz wachsen und so begleitet man Emily gerne auf ihrem Abenteuer, das so manchmal zu groß scheint für ein so kleines Mädchen. So ist man froh um jeden Freund, den sie findet und so viele sind es nicht. Auch scheut sich der Autor nicht, seinen Roman wirklich düster werden zu lassen und wer gedacht hat, ein nettes kleines Fantasybuch für Kinder gefunden zu haben, der ist auf dem Holzweg. Seine in die Geschichte eingestreuten Zitate und sein Schreibstil machen Lycidas zu einem ganz besonderen Exemplar der Urban Fantasy. Schön, dass es nun als Taschenbuch erschienen ist und noch schöner, dass der Einband auch bei dieser Ausgabe so liebevoll gestaltet wurde. Lycidas und die Nachfolgebände Lilith und Lumen gehören zu den Lieblingsstücken in meinem Buchregal und ich vergebe gerne 5 Sterne.