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Lycidas: Die Uralte Metropole 1 - Roman
 
 
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Lycidas: Die Uralte Metropole 1 - Roman [Taschenbuch]

Christoph Marzi , Ute Brammertz , animagic
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (139 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 864 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (1. Dezember 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453530063
  • ISBN-13: 978-3453530065
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,8 x 5,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (139 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 151.636 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christoph Marzi
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Ein wahres Feuerwerk an Ideen brennt Christoph Marzi in seinem Romandebüt Lycidas ab. Wie das Titelbild schon sehr stimmungsvoll suggeriert, geht es in dem Buch um London und seine Geheimnisse. Diese sind viel unglaublicher als man das vor der Lektüre dieses Buches dachte. Auch der jungen Emily Laing, die unter erbärmlichen Verhältnissen im Waisenhaus des Mr. Dombey aufwächst, offenbaren sich nach und nach die Ungeheuerlichkeiten, die unter dem uns bekannten London verborgen sind. Emily’s Abenteuer beginnen damit, dass ihr eine sprechende, adlige Ratte begegnet. Als ein Werwolf ein anderes Kind aus dem Waisenhaus entführt, muss sie sich auf die Suche nach der Entführten machen. Ein Alchemist nimmt sie unter seine Fittiche. Auch ein Elf und ihre beste Freundin schließen sich der Suche an. Erst allmählich lernt Emily das Geheimnis ihrer Herkunft und der Uralten Metropole kennen und muss feststellen, dass es um mehr geht als nur um ein entführtes Kind.

Christoph Marzis Ideenreichtum ist überbordend. Er füllt seine Stadt unter der Stadt mit Wundern und Mythen aus aller Welt an. Luzifer, Seraphim und ägyptische Götter geben sich dort ebenso ein Stelldichein wie Elfen, Ratten, Spinnenmenschen, Werwölfe und Golems. Wer hätte gedacht, dass man mit einer geheimen Londoner Undergroundlinie geradewegs in Dantes Hölle fahren kann? Oder dass die Engel am Oxford Circus leben?

Durch diese bunte Welt führt Marzi seinen Leser mit einiger Sprachgewalt. Dabei klingt häufig sein Vorbild Charles Dickens an, dem er auch einen Gutteil der Namen für seine Figuren entnommen hat. Weitere Einflüsse -- wie zum Beispiel China Miéville -- sind nicht zu übersehen und machen aus dem Text ein Mosaik unterschiedlicher Stile und Erzählweisen, die schon auch mal für Verwirrung sorgen können. Alles in allem eine sehr eigenwillige Fantasy Geschichte, die abseits der herkömmlichen Pfade so manchen Reiz zu bieten hat. --Solveig Zweigle

Pressestimmen

"An Marzi kommt keiner vorbei, der erstklassige Fantasy-Romane liebt." (Bild am Sonntag )

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Dieser Autor!, 17. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Lycidas: Die Uralte Metropole 1 - Roman (Taschenbuch)
Das mir vorliegende Exemplar enthält die ersten drei Romane der "Uralte Metropole"-Reihe von Christoph Marzi, also "Lycidas", "Lilith" und "Licht". Ich hatte es mir im Urlaub gekauft, weil mir der Lesestoff ausgegangen war, und ich schon lange auf der Suche nach guter, deutscher Fantasy war (abseits der Bücher des omnipräsenten Wolfgang Hohlbein). Der Aufkleber "Ausgezeichnet mit dem deutschen Phantastikpreis" ließ hoffen... leider wurden die Hoffnungen nicht wirklich erfüllt, soviel sei vorweggenommen.

Die Handlung ist im Prinzip schnell erzählt: Emily, ein Waisenkind in London, bekommt in einem Augenblick größter Bedrängnis Hilfe von einer Ratte, deren Sprache sie überraschenderweise versteht. Sie erfährt, dass es unter London ein älteres London gibt (die uralte Metropole genannt), in dem es von fantastischen Gestalten nur so wimmelt. Von Mortimer Wittgenstein, der ihr Mentor sein wird, erfährt sie einiges über ihre Herkunft und ihre Fähigkeiten. Und über die Fähigkeiten ihrer kleinen Schwester Mara, die von einem Werwolf entführt worden ist. Sie wird hineingezogen in eine alte Fehde zwischen den Häusern Mushroom und Manderley, und nach und nach wird das Netz aus Intrigen und Gegenintrigen immer verworrener. Hinzu kommen unzählige fantastische Figuren: Werwölfe und sprechende Ratten sind nur der Anfang. Klarinette spielende Engel, Minotaurus-Krieger, Arachniden, Steinstatuen mit einem überbordenden Hang zur altenglischen Lyrik, eine Art mutierter Ratten (Rattlinge genannt), Golems... der Reigen nimmt überhaupt kein Ende.

Dass der deutsche Phantastikpreis auf einer Internetabstimmung beruht, dass sich Marzis Werk dabei gegen ganze fünf(!) Konkurrenten durchsetzen mußte: Geschenkt. Dass der Autor Neil Gaimans "Neverwhere" als deutliche Inspirationsquelle angibt oder sich gar mehr als nur gemütlich an diese anlehnt: Geschenkt.

Aber dieser Stil.
Bei dem Sätze zerrissen werden.
Ohne Notwendigkeit.
Und oft ohne dramaturgischen Sinn.
In mehrere Absätze.
Dieser Autor!

"Die Hölle ist die Wiederholung", läßt er seine Protagonisten (natürlich mehrfach) zum Ausdruck bringen. Hätte ich für jedes eingestreute "Dieses Kind!", "Nun denn", "Fragen Sie nicht!" oder "Zufälle gibt es nicht" zehn Cent bekommen, ich wäre jetzt Besitzer eines hübschen, kleinen Sümmchens.

Hinzu kommt: Die ganze Geschichte wird von Wittgenstein aus der -ohnehin auch in Werken anderer Autoren oft sperrigen- Ich-Perspektive erzählt, sofern nicht gerade andere Figuren handeln, deren Ereignisse dann in einer Mischung aus normaler Erzählperspektive, Vergangenheits- und Zukunftsverschiebungen berichtet werden, in die sich Wittgenstein mitunter -obwohl er gar nicht dabei ist und somit nichts dazu sagen können sollte- mit seinen Bemerkungen einmischt. Der ganze Stil wirkt mindestens befremdlich; mich hat das Hin und Her und Vor und Zurück beim Lesen oft einfach nur noch genervt. Manchmal ist man beim Lesen mitten in einer Szene, und plötzlich wird vor- oder zurückgespult, und man bekommt als Leser manchmal gar nicht so schnell mit, wer da gerade über was redet... ob man sich nun in Wittgensteins Ich-Perspektive befindet oder in dem, was die Charaktere später über das noch zu Erlebende berichten würden, oder in einer Rückblende auf Vergangenes - ein paar Leerzeilen hätten hier als kleine Interpretationshilfe großartige Dienste leisten können, vielleicht hätte man sogar zu unterschiedlichen Schriftarten greifen können.

Die Charaktere bleiben zudem allesamt seltsam blutarm. Über Wittgenstein, Emilys Mentor, erfahren wir kaum mehr, als dass er mürrisch ist. Und bleibt. Dinsdale, das Irrlicht, bekommt einen Manchester-Akzent. Wenn man nicht weiß, wie das klingt? Ach, fragen Sie nicht! Emilys Pflegeeltern bekommen kaum prägende Eigenschaften, sieht man einmal davon ab, dass sie sich ständig Sorgen zu machen scheinen. Mr. Fox und Mr. Wolf werden gar einfach als "Rowan Atkinson mit langen Haaren" abgefertigt (natürlich mehrmals) - und wenn man (wie ich) nicht weiß, wie Rowan Atkinson aussieht? Oder eine solche Beschreibung einer Figur in späteren Zeiten nicht einmal mehr annähernd zutreffend sein können wird? Fragen Sie nicht! Manchmal werden auch mitten im Buch, an weit fortgeschrittener Stelle, einfach neue Figuren eingeführt, ohne sie näher zu beschreiben oder zu erläutern, z.B. Wittgensteins Haushälterin Pegotty.

Hinzu kommt die seltsame Angewohnheit, mitten an spannenden Stellen des Buches das Ende mal eben vorwegzunehmen, z.B. zwei Charaktere flüchten, rennen um ihr Leben, das Monster ist ihnen dicht auf den Fersen, der Leser bangt mit... da streut Marzi Sätze ein wie diese: "Wir hatten Glück", würde X. später sagen, und Y. würde ihm beipflichten: "Zufälle gibt es eben nicht". Womit sich das Lesen der weiteren dreiseitigen Fluchtszene im Prinzip erübrigt, denn man weiß ja, dass die Charaktere entkommen werden. Beide.

Oder Marzi läßt seine Protagonisten zum x-ten Mal irgendwelche Fakten aus der verworrenen Intrige rekapitulieren (die berühmten Whitechapel-Aufstände werden gefühlt wohl gut ein Dutzend Mal aufgerollt), statt sie das tun zu lassen, was ich von einem mitreißenden Fantasy-Werk erwarte, nämlich die Geschichte *erleben*! So z.B. am Ende des ersten Buches, wenn man denkt, oha, jetzt wird es aber doch spannend, und dann *schwupps* ist die Geschichte zu Ende, und es wird auf einer gefühlten halben Seite von Wittgenstein zusammengefasst, was eigentlich passiert ist. Vor allem am Ende von "Lilith" fand ich das geradezu grotesk.

An manchen Stellen fühlt man sich als Leser auch regelrecht verulkt, z.B. wenn auf einer Seite ein und die selben Fakten zwei Mal erwähnt werden, und ein Charakter auch zwei Mal auf der selben Seite überrascht auf diese Eröffnung reagiert. Oder wenn ein Protagonist in tiefe Trübsal versinkt und sich lang und breit Vorwürfe über sein Handeln macht, das niemals, nimmer, nie wieder korrigierbar sein wird. Und dann, nur zwei Tage und wenige Seiten später, *schwupps* ist der nie, nimmer, niemals korrigierbare Fehler wieder korrigiert, dank einer besonderen Figur mit besonderen Fähigkeiten und einem besonderen Ereignis. Beim zweiten "Niemals, nimmer, nie, nie wieder würde sie dies und jenes tun können" denkt man sich dann nur noch: Ach, das wird schon wieder, irgendein Wunder wird schon aus dem Hut gezaubert werden. Und das wird dann auch, soviel sei vorweggenommen.

Unterm Strich ist die Geschichte eigentlich großartig. Ein altertümliches, ja fantastisches London unter dem modernen London, deren alte und neue Eigenschaften sich vermischen. Bevölkert von fantastischen Kreaturen. Das Ganze unter dem Eindruck einer imposanten Geschichte, die wortwörtlich vom Himmel bis zur Hölle und vom Anbeginn der Zeiten bis zum heutigen Tage reicht.
Wie gesagt: Eigentlich.
Aber der Stil und die Erzählweise ließ zumindest mich als Leser völlig unbeteiligt, mitunter sogar genervt zurück. Statt mitreißender Abenteuer langatmiges Erläutern, was Charakter X zwischenzeitlich getan hat, statt es mich als Leser direkt miterleben zu lassen. Erzählungen, wie Y und Z in die Intrige verwoben sind, was aus dieser Intrige geworden ist und wer eine Gegenintrige gesponnen hat... ich habe schon viel in meinem Leben gelesen, darunter eine Menge Fantasy.
Aber das hier?
Dieser Autor!
Nun denn.
Letzten Endes habe ich mich mühsam durch das Buch gekämpft, nur um zu wissen, wie es ausgeht. (Wobei der Schluß von "Licht" halbwegs überzeugend ist und auch -quasi auf den letzten Metern- einiges erklärt, was mir gut 800 Seiten lang völlig sinnlos vorgekommen war.)

Da ich nun aber erfahren habe, dass die Geschichte in einem vierten, fünften oder noch mehr Bänden weitergehen soll, werde ich allerdings davon Abstand nehmen, mir diesen Stil weiter anzutun. Es ist nur wahrscheinlich, dass Marzi das weiterführt, was er in den ersten drei Büchern gemacht hat: Eine eigentlich spannende und verständliche Geschichte mit einem Anfang und einem Schluß zu nehmen und sie immer verwirrender und verworrener zu machen und unter einer Vielzahl fantastischer Charaktere, die leider allzu oft oft wie Pappkameraden wirken, zu begraben. Die Namensgebung ist manchmal recht putzig, ich meine "Larry der Lykanthrop"? Ach, bitte!

Vielleicht ist dieser seltsam abgehackte, verschachtelte Stil ja im Sinne der modernen Leser der "Generation Twitter", und ich bin mit meinen 41 Jahren einfach nur zu alt dafür. Trotzdem. Man glaubt manchmal, Marzi hätte dafür bestraft werden können, hätte er einen Satz mit mehr als zwei Kommas (abgesehen von Aufzählungen) oder mehr als 160 Zeichen geschrieben. Wenn er dann allerdings u.a. auf Gustav Meyrinks "Golem" oder auf die Werke von Charles Dickens verweist, wirkt das schon ein bißchen befremdlich.

Dieses Buch zu lesen kann ich Ihnen daher nur bedingt empfehlen.
Ein Anlesen in der Buchhandlung Ihres Vertrauens (unbedingt mitten im Buch, der Anfang kann täuschen!) wird dringend empfohlen.

Drei Sterne also, weil die Geschichte und die Szenerie großartig ist.
Oder hätte sein können.
Wenn nicht dieser Stil wäre.
Dieser Stil mit seinen abgehackten Sätzen.
Die das Lesen empfindlich stören können.
Den nicht zu Ende gedachten Figuren.
Den Zeit- und Ebenenwechseln.
Oh, dieser Autor!
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Uninteressant und schlecht geklaut, 17. Mai 2011
Von 
Valeska Stephan ""Geschichten sind eine p... (Kassel, Göttingen, Dortmung) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Lycidas: Die Uralte Metropole 1 - Roman (Taschenbuch)
Ich habe das Buch empfohlen bekommen; es sein von Neil Gaimans "Neverwhere" inspiriert und da ich ein totaler Fan von diesem Buch bin, nahm ich an, dass es genau das richtige für mich sei. Tja, leider nicht so ganz.

1) Das Buch lehnt sich nicht nur an "Neverwhere" an, es kopiert so offensichtlich, dass es mich wirklich nervt. Ein paar Namen wurden geändert und andere Charaktere eingefügt, aber das ändert an der ganzen Sache auch nichts mehr. Alles ist "Neverwhere" mit einem anderen Label. Ich bin, wie gesagt, ein großer Fan von Neil Gaimans Buch und wahrscheinlich nervt es mich gerade deswegen, dass jemand so unverblümt sich daran bedient und es als seins ausgibt. Das hier ist kein eigenständiges Buch, das hier ist lediglich FanFiction mit ein paar eigenen Elementen gespickt.

2) Product Placement...das erste Mal, dass es mir in einem Buch wirklich aufgefallen ist und ich finds gelinde gesagt, nicht so toll.

3) Die beiden oberen Punkte sind beide negative Aspekte, über die man aber noch hinweg sehen könnte, wenn das Buch denn an die Qualitäten der Vorlage rankäme. Tut es aber nicht. Alles bleibt irgendwie blass. Angefangen von der Welt an sich, bis hin zu den Charakteren. Ich finde zu ihnen überhaupt keinen Bezug. Ich finde sie nicht gut oder schlecht, sie sind mir einfach total egal. Sie sind so plastisch und interessant wie ein leeres Blatt Papier. Ich kann an keinem irgendeinen Charakterzug entdecken, der ihn oder sie spannend und interessant machen würde. Alle haben sicher Potential; die Grundidee hinter den Charakteren scheint gut, aber nichts davon wird lebendig gemacht. Schade.

Alles in allem enttäuscht dieses Buch. Leider.
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30 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Gut geklaut ist besser als schlecht selbst ausgedacht?, 3. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Lycidas: Die Uralte Metropole 1 - Roman (Taschenbuch)
Wenn man sich die Rezensionen so anschaut, scheint es, dass die Leserschaft in zwei Lager gespalten ist. Offenbar liebt man Marzis Lycidas oder man hasst ihn.

Dem möchte ich eine lauwarme 3-Sterne-Rezension gegenüberstellen.

Lycidas ist ein Kessel Buntes, randvoll mit allem was zur traditionellen Schauer-Literatur so dazugehört: Werwölfen, Golems, Elfen, einem Irrlicht, ägyptischen Göttern, stimmungsvollen Schauplätzen, düsteren Herrenhäusern, Engeln, Dämonen, Bibliotheken, tragischen Familiengeschichten, Zauberei und vielen mehr. Das ganze wurde mit einer reichlichen Prise Charles Dickens abgeschmeckt und dann scheinbar ins heutige London verlegt, oder vielmehr UNTER das heutige London.

Es handelt sich um ein London in dem Engel als Straßensänger auftreten, und wo die Tauben vom Trafalgar Square als Spione dienen, ein London mit Virgin Mega Store and Marks & Spencer, das jedoch durch die Augen eines Ich-Erzählers gesehen wird, der schon durch London streifte, bevor Charles Dickens seinen Oliver Twist schrieb.

Dieser Ich-Erzähler Wittgenstein verleiht dem Roman seine höchst eigene, antiquierte Sprache. Er soll wohl als spröde, mit feinem Sinn für Humor charakterisiert werden, doch gelingt dies m.E. nur zum Teil. Zu überfrachtet ist die Sprache. Hinzu kommt, dass Marzi seinen Wittgenstein über Ereignisse berichten lässt, deren Zeuge er nicht selbst ist. So als rekonstruierte Wittgenstein die Geschehnisse. Diese quasi versetzte Perspektive schafft, genau wie die gestelzte Sprache, einen großen Abstand zwischen Leser und Beschriebenem. Die Ereignisse wirken niemals unmittelbar, sie sind stets stark gefiltert. Spannung wird nicht dadurch erzeugt, dass man glaubt dabei zu sein, sondern indem der Erzähler bewusst Informationen verenthält und von Schauplatz (Cliffhanger) zu Schauplatz springt - ohne natürlich selbst zu springen.

Die Tatsache, dass Marzi sich bei Gaiman's genialer "Neverwhere" Welt bedient, und auch bei Dickens oder Filmen wie "God's Army" macht mir eigentlich nichts aus. Schließlich leben wir in der Posmoderne und das Rekombinieren bekannter Elemente ist ja auch in der Musik beliebt und üblich. Auch gegen die Geschichte ist nicht viel einzuwenden. Der Plot ist vielleicht etwas über-konstruiert, aber doch spannend. Es ist die Sprache, gegen die ich etwas einzuwenden habe. Anstatt mich in Marzis Welt zu ziehen, schubste sie mich immer wieder heraus. Zuletzt war ich versucht, eine Strichliste zu führen um zu sehen, wie oft eine Wendung pro Kapitel auftaucht. Auch die Angewohnheit, für kurze Sätze von zwei bis fünf Worten ständig einen neuen Absatz anzufangen, hat den Lesefluss meines Erachtens gestört.

Daher nur 3 Sterne.

Noch etwas: da es in weiten Teilen darum geht, dass Kinder für die üblen Zwecke diverser Protagonisten mißbraucht werden, und da an manchen Stellen (verhüllte) hinweise auf tatsächlichen sexuellen Mißbrauch an Kindern enthalten sind, ist dieses Buch für Kinder kaum geeignet, schon gar nicht für Kinder, die etwas im Stile Harry Potter suchen. Eine minderjährige Heldin macht noch lange kein Kinderbuch.
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