Dem gesellschaftlichen Phänomen, dass die römische Oberschicht spätestens seit dem ersten Jahrhundert v. Chr. dem Luxus und seinen Verlockungen erlegen war, geht der renommierte Universitätsprofessor und Sachbuchautor Karl-Wilhelm Weeber in seinem jüngsten Werk auf den Grund. Quasi als Ergänzung zu seinen mittlerweile zu Standardwerken gewordenen Büchern wie Alltag im Alten Rom, Die Weinkultur der Römer oder Panem et circenses sucht der Autor hier eine Antwort auf die Frage, wie es dazu kam, dass von vielen (neureichen) Römern die Prunksucht so offen zur Schau gestellt wurde.
Statussymbole kennt nicht erst unsere Zeit, sondern bereits die Antike - egal, ob dies nun der teure Perlenschmuck der Damen oder die wertvolle Sammlung griechischer Kunst war. Derartige Symbole des Reichtums und der gesellschaftlichen Stellung hatten bereits in der ausgehenden römischen Republik in der High Society" enorm an Bedeutung gewonnen. Dass es vom Prunk zum Protz dann oft nicht mehr weit ist, beweist Weeber anhand zahlreicher Beispiele römischer Snobs eindrucksvoll - man denke in diesem Zusammenhang nur an Trimalchio und seine berühmt-berüchtigte Cena.
Dieser Streifzug durch die antike Kulturgeschichte macht bei den Villen der Vesuvstädte Pompeji, Herculaneum und Stabiae genauso Halt wie in Baiae, dem noblen Kurort der oberen Zehntausend, und an den Fischteichen des Lucullus am Monte Circeo. Der Leser ist dabei, wenn Seneca Kritik am rasch ausufernden Landschaftsverbrauch übt, wenn Martial eine lüstern-laszive Tänzerin rühmt und wenn Cicero gegen den verbrecherischen Verres und dessen schamlose Plünderungen wettert. Tischkultur und Tafelluxus werden einer ebenso kritischen Prüfung unterzogen wie Bestattungspracht und Gräberluxus, Erotik und Sexualität der noblen Welt genauso beleuchtet wie die Liebe der Frauen zu Parfum und Schmuck.
Dem Autor gelingt es mit seinem neuesten Buch abermals, den Leser zu fesseln und ihn in seinen Bann zu ziehen. Neben dem Text vermitteln vor allem die zahlreichen färbigen Abbildungen ein buntes Panorama der glitzernden Welt, in der die Angehörigen der römischen Oberschicht lebten und sich vergnügten, ohne auch nur einen Gedanken an die gleichzeitig herrschende Armut der Masse der Bevölkerung zu verschwenden. Auf höchst unterhaltsame Weise lernt der Leser alle Facetten des Luxus und seiner Auswüchse kennen. Die lateinischen Quellen, die Weeber reichlich zitiert, laden ein, sich mit ihnen näher zu beschäftigen. Einziger Wermutstropfen: Leider fehlt dem sonst sehr übersichtlich angelegten und gut strukturierten Band ein alphabetisches Stichwortverzeichnis zur noch schnelleren Auffindung einzelner Themen.