Pressestimmen
Hebammenforum, Heft 4/2009 Hausgeburt - Von Anfang an daheim "Unser Kind wurde in unsere Mitte hineingeboren, Wir haben es nicht aus der Klinik mitgebracht", sagt Corinna, die ihr erstes Kind im Krankenhaus ZUI Welt gebracht hat. Dass "die Energie, die man während der Geburt abgibt, in den eigenen vier Wänden bleibt", hat Franziska gespürt. Eines ist den 268 Frauen, die in "Luxus Privatgeburt" über das Erlebnis Geburt in den eigenen vier Wänden berichten, gemein: Intimität, Geborgenheit und absolute Selbstbestimmtheit haben die Geburt ihres Kindes zu einem einmaligen Ereignis für sie und ihre Familie gemacht. Hebamme Martina Eirich und Verlegerin Caroline Oblasser, selbst mehrfache Mütter, ist eine beeindruckende Sammlung emotionaler Erfahrungsberichte gelungen, die Frauen und Hebammen Mut macht.
Kurzbeschreibung
Hausgeburt? Aber sicher! Auf die Frage nach dem „stolzesten Moment“ ihres Lebens antwortet Supermodel Cindy Crawford auf ihrer Website cindy.com: „Giving birth to both my children at home in my bed.“ Das Supermodel mit den zwei Hausgeburten. Erstaunlich auf den ersten Blick, doch gerade eine Frau wie Cindy Crawford weiß auch um die Schattenseiten des Gesehenwerdens Bescheid. Sie weiß, wie unangenehm es sich anfühlt, beobachtet zu werden und keine Privatsphäre zu genießen. Und deshalb möchte sie bei der Geburt ihrer Kinder eines ganz bestimmt nicht haben: fremde Zuschauer. Dass die Hausgeburt sehr sicher ist, haben nicht zuletzt viele in den vergangenen Jahren durchgeführte nationale und internationale Studien mit mehreren hunderttausend Teilnehmerinnen belegt. Doch wie steht es um die subjektive Zufriedenheit der Hausgeburtsmütter? Die Antwort lautet: Hervorragend! Denn rund 95 Prozent der 268 für „Luxus Privatgeburt“ befragten Hausgeburtsmütter sind sich einig: Ja, die Hausgeburt war ein „sehr gutes“ Erlebnis. Entsprechend emotional und voller Begeisterung ist auch das vorliegende Buch. Es zeigt stolze Mütter bei der Kunst des Gebärens in den eigenen vier Wänden und es macht Lust auf interventionsfreie Geburtshilfe. Viele der Luxus Privatgeburt-Mütter haben eines oder auch mehrere Kinder in der Klinik bekommen, bevor sie auf den Geschmack gekommen sind. Bevor sie dem zutiefst weiblichen Bedürfnis nachgegeben haben, die intimsten Stunden ihres Frauseins nicht mit x-beliebigen Menschen teilen zu wollen, sondern mit genau jenen Personen, denen sie bedingungslos vertrauen: dem Partner, der Familie, den besten Freunden und vor allem – der eigenen Hausgeburtshebamme. Die authentischen Berichte unserer Frauen werden illustriert durch wunderschöne private Fotoaufnahmen, die innige und luxuriöse Momente des ganz persönlichen Glücks einer Privatgeburt einfangen. Einfach, ungekünstelt und ganz natürlich. Ob die Mütter aus „Luxus Privatgeburt“ wieder zu Hause gebären würden? „Aber sicher“, meint Sylke (38; T111), und spricht damit fast allen Müttern des vorliegenden Buches aus dem Herzen. *** Tipp der Redaktion: Für Kinder gibt es das liebevoll illustrierte Kindersachbuch "Unser Baby kommt zu Hause!" von Luxus Privatgeburt-Autorin Caroline Oblasser und Kinderbuch-Illustratorin Regina Masaracchia (ISBN 9783902647207). Dieses Büchlein ist die ideale Lektüre, um Kinder auf die Hausgeburt des Geschwisterchens vorzubereiten. ***
Über den Autor
Martina Eirich ist Hausgeburtshebamme, Journalistin und Mutter von vier Kindern, die sie zu Hause geboren hat. Sie schrieb u.a. den Hebammen-Klassiker = Praktisch bewährte Hebammenkniffe = (Hippokrates) *** Dr. phil. Caroline Oblasser ist Autorin, Verlegerin und ebenfalls Hausgeburtsmutter. Während ihre zweite Tochter bei einer gut geplanten Hausgeburt zur Welt kam, war die erste Tochter ein ungeplanter Kaiserschnitt aufgrund von Mangelinformationen im Vorfeld. Sie ist Autorin des Bestsellers = Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht = (edition riedenburg).
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Grit, 24 Wohnort: Ober-Ramstadt (D) Beruf: Hebamme 1. Kind: Junge (5 Monate), Hausgeburt Wenn ich das Wort „Hausgeburt“ höre, kommen mir spontan folgende Gedanken in den Sinn: Geborgenheit, Sicherheit, Liebe, Vertrauen, kein stundenlanges CTG, leider viel zu wenig verbreitet. Ich hatte Angst vor der Geburt: Nein, ich habe mich darauf gefreut und war gespannt, wie sich Wehen anfühlen würden. Deshalb wollte ich zu Hause gebären: Ich hätte Angst vor den vielen Eingriffen im Krankenhaus gehabt. Ich fühlte mich zu Hause am sichersten und wollte eine natürliche Geburt ohne irgendwelche Schmerzmittel oder andere Medikamente. Eine normale Geburt gehört nicht ins Krankenhaus. Sie sollte an einem Ort stattfinden, an dem man sich wohl und geborgen fühlt. So hat mein Umfeld / mein Partner auf mein Vorhaben reagiert: Mein Partner war wunderbar. Er hat mir vollkommen vertraut und wusste, dass ich das Richtige mache. Er hat Geburt nie als etwas Gefährliches gesehen. Da ich selbst Hebamme bin, hatte ich mit blöden Bemerkungen Glück. Es hat sich kaum einer getraut, etwas dagegen zu sagen. Außerdem war meine kleinste Schwester auch eine Hausgeburt, von daher war es in unserer Familie nichts Neues. So hat mein Arzt auf meinen Wunsch, zu Hause zu gebären, reagiert: Ich hatte keinen Kontakt mit meinem Frauenarzt in meiner Schwangerschaft. Mein Hausarzt ist mein Vater und er hat mir die Entscheidung selbst überlassen. Auf meine Hausgeburt habe ich mich wie folgt vorbereitet: Ich packte eine Hausgeburtskiste mit Geburtsutensilien und wartete auf die Wehen. Für die psychische Vorbereitung nahm ich an einem Geburtsvorbereitungskurs teil, der meine Vorfreude auf die Geburt noch steigerte. Außerdem betreibe ich Schwimmen als Leistungssport und habe in der Schwangerschaft zweimal in der Woche trainiert, bis einen Tag vor der Geburt. So habe ich meine Hausgeburtshebamme gefunden: Im Internet. Die Geburt zu Hause verlief wie folgt: Die Geburt verlief gut und komplikationslos, nur länger als ich erwartet hatte. Ich fühlte mich stets sicher und gut betreut. Ich war meinem Mann sehr dankbar, da er mich super unterstützt hat. Ich habe mein Baby gestillt: Ja, und ich stille immer noch und finde es super praktisch. Am Anfang hatte ich mit wunden Brustwarzen und einem massiven Milcheinschuss zu kämpfen, aber nach zwei Wochen war das vorbei und es klappte alles super. Mein Sohn hat aber auch von Anfang an prima und kräftig an der Brust gesaugt. Das Wochenbett und die Zeit danach habe ich so in Erinnerung: Die ersten Tage waren wunderschön. Wir lagen nur im Bett, haben gekuschelt und Besuch, bis auf Geschwister und Großeltern, abgelehnt. Danach hatte ich gehofft, wieder fit zu sein, und wie zuvor durch die Wohnung zu sausen. Ich hatte viel zu viele Erwartungen an mich und unser Kind. Nach einer Woche hatte ich dann einen Milchstau. Bei unserem nächsten Kind werde ich das alles etwas anders angehen. Man lernt eben immer dazu. Ich würde wieder zu Hause gebären wollen: Auf jeden Fall. Ich würde es jedem Kind wünschen, zu Hause auf die Welt kommen zu dürfen.
Auszug aus dem ersten Kapitel. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Aller Anfang Als wir im November 2008 kurzerhand beschlossen, ein Buch zum Thema Hausgeburt zu machen, schrieben wir in unser Konzept die Zielvereinbarung erst mit 30, dann mit 50 Müttern, die (unter anderem) zuhause geboren haben. Wir konnten ja nicht ahnen, dass ein halbes Jahr später rund neun Mal so viele, nämlich 268 überwiegend begeisterte Mütter ein Teil dieses Werkes sein würden. Unser Buch sollte etwas sein, das aller Welt zeigt, wie mannigfaltig und unverwechselbar jede einzige der individuell begangenen Hausgeburten ist. Es sollte sich aber auch gezielt abgrenzen vom Glauben daran, die Hausgeburt wäre etwas für „Alternative“, für „Ökos“, die in Zeltstädten hausen und zwischen dem Holzhacken und dem Schweinehüten ihre Kinder auf schmutzigen Lammfellen zwischen Schutt und Asche gebären. Der Aufruf Über das Internet, über Zeitschriften, Zeitungen und natürlich über intensive Mundpropaganda riefen wir unser Vorhaben in die Welt hinaus. Die Teilnahmebedingungen, die von jeder Teilnehmerin unterschrieben wurden, enthielten folgende Projektbeschreibung: Heutzutage werden Mütter von den Massenmedien oftmals als regelrechte Klinikgeburt- bzw. Kaiserschnitt-Konsumentinnen dargestellt. Doch fernab der klinischen Geburtshilfe gibt es auch Frauen, die aus Überzeugung zu Hause in den eigenen vier Wänden gebären. Gemeinsam mit ihrer Hebamme, dem Partner, den Kindern, Freunden, Verwandten, ... Leider erfährt man von diesen Geburtserlebnissen nur sehr selten über die Medien. Dies liegt vor allem auch daran, dass Hausgeburten meist ungestört verlaufen, in intimer Atmosphäre – und gar nicht erst an die Öffentlichkeit gelangen. Daher scheint es für den uninformierten Beobachter so, als gäbe es die private Geburt zu Hause gar nicht mehr. Doch wir wissen, dass dem nicht so ist! Gemeinsam mit ca. 50 Müttern, die sich an unserem Buchprojekt beteiligen, wollen wir der Geburt im vertrauten Heim bildhaft Ausdruck verleihen. Die uns zur Verfügung gestellten Fotos (Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Zeit danach) werden ergänzt durch die individuellen Geburtsberichte / Geburtserinnerungen der Frauen bzw. durch Interviews der Teilnehmerinnen mit Hebamme und Journalistin Martina Eirich. Schon bald quollen bei uns das E-Mail-Programm und auch der Verlagspostkasten über und wir merkten, dass wir keine Filterung der Teilnehmerinnen vornehmen wollten. Jede Geschichte war einzigartig, und wenn es insgesamt schon so wenige Hausgeburten gab, dann sollte keine an der Teilnahme gewillte Mutter von uns zurückgewiesen werden. Wir entwarfen also fleißig wie die Bienchen und in reger Absprache mit den Müttern 158 Interview-Foto-Doppelseiten – teils aus Handy-Fotos (T026, S. 296) oder vergilbten Urwald-Bildern (T201, S. 196) – und beschlossen noch vor Drucklegung, in absehbarer Zukunft einen weiteren Band mit der Fortsetzung unserer 268 Hausgeburtsmütter hinterher zu schicken. In privato – zu Hause Auf dem Weg zur gesellschaftlich anerkannten Geburtsform, die nicht nur eine günstige und gesunde Alternative zur artifiziellen Krankenhausgeburt ist, sondern viel mehr als das, nämlich die einzig ursprüngliche Form der Geburt, berieten wir über den geeigneten Namen für unser wichtiges Buch. Und sehr rasch war uns klar, dass wir unserem besonderen Werk auch einen besonderen Titel geben würden. Einen, den man sich merkt, weil er außergewöhnlich ist. Einen, der die Lichtgestalt der Hausgeburt aktiv unterstreichen und ein kurzes und doch so wichtiges Wort wieder in seine Ursprünglichkeit überführen würde. Wir nannten unser Buch deshalb nicht etwa „Wundervolle Hausgeburt“ oder „Wie man zuhause Kinder bekommt“, sondern wir gaben ihm den Namen Luxus Privatgeburt und ernteten vielerorts ein Kopfschütteln dafür. Doch warum stießen wir auch auf Unverständnis? Vermutlich deshalb, weil viele das kleine Wort „privat“ dank der Lobby einer gewissen Berufsgruppe bereits aus anderem Kontext kennen. Aus dem Kontext der „Privatklinik“ und des „Privatarztes“ zum Beispiel. Und weil sich einige offenbar so überhaupt nicht vorstellen konnten, dass es gestattet ist, bei der „Hausgeburt“ von einer „Privatgeburt“ zu sprechen. „Privat, das findet doch im Krankenhaus statt!“, bekamen wir zu hören und besonnen uns auf unsere Schulzeit, konkret gesagt den Latein-Unterricht. Das lateinische Wörterbuch vermerkt unter dem Stichwort „in privato“ die Übersetzung „zu Hause“. Die „Privatgeburt“ ist also die wörtliche Rückübersetzung der „Hausgeburt“, einer Geburt, die im vertrauten Umfeld stattfindet und nicht durch die Beliebigkeit fremder Besucher und an der Tagesordnung stehender Interventionen aus dem Takt gebracht wird. Nur dort und nirgendwo sonst Die Gründe, warum Frauen zuhause und nirgendwo sonst gebären wollen, sind vielfältig. Teils sind es schlechte Erfahrungen aus vorangegangenen Krankenhausgeburten, die eine Mutter zum Umschwenken veranlassen. Teils ist es eine gewisse Geburtstradition innerhalb der Familie (was jedoch leider viel zu selten vorkommt). Häufig ist es das Gefühl, zuhause selber den Ton angeben zu können und sich niemandem unterstellen zu müssen –zumal die Geburt eine Grenzerfahrung für jede Frau ist und die Wehen in ihrer Heftigkeit den Stolz und somit auch die Entscheidungsfreudigkeit seitens der Frau brechen können. Kerstin etwa beschreibt es wie folgt: Ich hatte bereits Erfahrungen mit dem Krankenhaus. Man hat mir zu wenig Zeit gelassen, alles musste streng nach Plan laufen, ich war dort nur Gast und musste mich dem dortigen Alltag unterwerfen. Ich hörte, dies sei bei einer Hausgeburt anders. Klar, dort ist die Hebamme Gast. Ich wollte selbstbestimmt gebären. (T194, S. 66) Wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, bei dem ist es mit der Selbstbestimmtheit eventuell rasch vorbei. Vor allem dann, wenn der vielerorts als Allheilmittel geglaubte Operationssaal nur ein paar Schritte entfernt ist und eine Sectio derzeit auch aus forensischer Sicht die Geburt für den Geburtshelfer „sanft“ ausklingen lässt. Berufe unserer Hausgeburtsmütter Etliche der von uns befragten Mütter hatten also das ein oder andere mangelhafte Geburtserlebnis durchschritten, bevor sie sich an die Planung ihrer Hausgeburt machten und im Anschluss zu unserem Projekt dazustießen. Und es waren weniger die Vorzeigeökos, die auf uns aufmerksam wurden und uns ihre Erlebnisse anvertraut haben. Nein, es waren mit 40 Teilnehmerinnen (14,9 %) zuallererst die Hebammen, die – obwohl oft selbst im Krankenhaus angestellt – als „Profis“ genau wissen, wo man seine Kinder am besten ungestört bekommt.
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Platz der Profis Auch Hebammen werden schwanger. Und welchen Platz suchen sie sich für ihre Geburt aus? Vermehrt das eigene Zuhause, wie die hohe Hebammendichte von „Luxus Privatgeburt“ zeigt. Rund 15 Prozent aller Teilnehmerinnen an diesem Buch sind von Beruf (unter anderem) Hebamme – und somit mit den physiologischen Abläufen der Geburt bestens vertraut. Die speziellen Beweggründe der teilnehmenden Hebammen, wie Müttern insgesamt, finden sich in den nachfolgenden Interviews. Doch auch ich als Autorin hatte Grund, zuhause zu gebären. Gleich beim ersten Mal und bei allen vier Kindern. Als ich mich während meiner Hebammenausbildung am ersten Kreißsaaltag in die begleitete Gebärende einfühlte, war mir klar, dass ich niemals ohne Notwendigkeit in solchen Umständen mein Kind zur Welt bringen wollte: Aufbruch und Abschied von zu Hause, Fahrt mit Wehen in eine Klinik, fremde Menschen, ungewohnte Umgebung, beständige Ansprache durch das stetig wechselnde Personal, stete Neueinstellung der Gebärenden auf deren unterschiedliche Charaktere, demzufolge unterschiedliche Mitsprache, was ihre eigene Geburt anbelangte, teilweise gestresste Mitarbeiter, die dem Arbeitsanfall gar nicht gerecht werden konnten und ihre Nervosität von Kreißsaal zu Kreißsaal, von der einen Gebärenden zur anderen trugen. Später erlebte ich Infoabende, bei denen vor allem der uterusfarbene Kreißsaal gerne gezeigt wurde. Es wurde mit Sicherheitsversprechungen gearbeitet, die nirgends in diesem Ausmaß eingehalten werden können. Mir als Hebamme behagte auch der rosa gestrichene Kreißsaal nicht, weil er den Umstand lediglich überstrich, dass eine gesunde Frau mit unauffälliger Schwangerschaft und guter Hebammenbegleitung im Vorfeld diese ganze Aktion gar nicht braucht und selbst während der Geburt nur selten medizinische Intervention benötigt. Ganz im Gegenteil: Wie oft dachte ich mir und raunte meinen Mitschülerinnen zu: „Wäre sie doch nur zuhause geblieben!“, wenn der noch vor einer Stunde an der Kreißsaaltür von daheim kommenden und kräftig wehenden Frau mit jeder Minute Klinikluft die Wehenstärke immer mehr abhanden kam und schließlich in einer Kaskade aus Aromaölen, Homöopathie, stundenlangem Treppen laufen, Wehentropf, Schmerzmitteln, PDA, Wehenhemmung und nicht selten dem Kaiserschnitt endeten. Dies ist auch statistisch belegt. Wir sind, wissenschaftlich gesehen, gar nicht unwissend, was in solchen Momenten vor sich geht. So wie viele Tiere nicht oder nur schwer in einer für sie fremden Umgebung gebären, da durch den Anfall an Stresshormonen die Ausschüttung an Geburtshormonen stark beeinflusst wird, sollten wir als Menschen dies auch nicht tun. Für eine Hausgeburt muss eine Frau stark sein! Stark in der Schwangerschaft verankert, in den Bedürfnissen sicher und in den Wünschen klar. Stark im Bewusstsein, die Hebamme gefunden zu haben, bei der sie ihre wundesten und empfindsamsten Seiten ausleben darf, um als starke Frau und Mutter aus der Geburt hervorzugehen. Die Interviews zeigen, dass gerade die Hebammenauswahl eines der allerwichtigsten Kriterien für eine gute Geburt ist: Ist die Hebamme kompetent, steht sie in ihrer Einstellung und ihrer Verpflichtung voll hinter der Frau? Oder hat sie aufgrund eines Belegvertrages mit einer Klinik noch andere Verbindlichkeiten, die eine Hausgeburt mit ihr zu einem Lotteriespiel machen und die Frau verunsichern und nicht entspannt ihrer Geburt entgegensehen lassen können? Auch medizinische Interventionen ohne Not entbinden die Frauen von ihrem Kind, wie etwa der Möglichkeit, tief in die vielschichtigen Aspekte ihrer Weiblichkeit vorzudringen. Was gelungene Hausgeburten, in die die allermeisten angestrebten Hausgeburten schließlich münden, uns Frauen schenken können, wurde öffentlich bislang noch gar nicht diskutiert. Ebenso das Potenzial, das in einer abgebrochenen Hausgeburt steckt. Dies ändert sich nun mit dem Erscheinen dieses Buches. Bilden Sie sich Ihre Meinung und lassen Sie uns an Ihren Gedanken teilhaben. Diskutieren Sie mit uns, zum Beispiel im Forum unter www.privatgeburt.de. Der Bedarf an Informationen zur Hausgeburt ist groß und „Luxus Privatgeburt“ soll ihn stillen. Viel Freude beim Lesen wünscht Martina Eirich ************************************* Aus Schaden wird man klug ... ... sagt ein altes Sprichwort, und genau das trifft leider auch manchmal auf die eigene Geburtserfahrung zu. Denn hätte ich vor der Geburt meiner ersten Tochter gewusst, dass die Privatklinik, in die ich mit eigener Beleghebamme und eigenem Arzt „einzog“, eine Kaiserschnitt-Quote von rund 40 % hat, ich wäre wohl nicht dorthin gegangen. Erst jetzt, im Zuge der Recherche für „Luxus Privatgeburt“, durchforste ich die Statistik für die außerklinische Geburtshilfe und stelle fest, dass in den Jahren 2000 bis 2004 durchschnittlich nur rund 9,1 % der Erstgebärenden mit begonnenen Haus- oder Geburtshausgeburten und nur rund 1,6 % der Mehrgebärenden nach der Verlegung in die Klinik eine Sectio erhalten haben. Wenn man bedenkt, dass in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Sectio-Frequenz in Kliniken mit der niedrigsten Kaiserschnitt-Quote immer noch bei rund 15 % liegt und durchschnittlich rund 25 % aller Klinikgeburten in einer Sectio enden (Ausschläge vor allem in Privatkliniken nach oben „offen“), so spricht allein die Sicherheit vor dem Schnitt für eine Hausgeburt. Viele kennen mein erfolgreiches Buch „Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht“, und als ich damals wenige Wochen nach Erscheinen der Erstausgabe die E-Mail einer Hebamme namens Martina Eirich bekam, staunte ich nicht schlecht. Die erwähnte Hebamme sprach nämlich tatsächlich davon, dass es schade sei, dass in meinem Buch auf die Hausgeburt und insbesondere auch auf die Möglichkeit der Hausgeburt bei Status post sectionem nicht näher eingegangen wurde. Hausgeburt? Was meinte sie damit? So dachte ich damals und legte ihr Schreiben innerlich ad acta. Doch ich war inzwischen selber zum zweiten Mal schwanger geworden, und als Martina mir eines Tages per E-Mail überschwänglich von der phantastischen Hausgeburt ihres vierten Kindes erzählte (und zwar am Tag nach der Geburt, was auf einen guten Allgemeinzustand der Mutter hindeutete!), als sie in aller Ausführlichkeit ausbreitete, wie die heimische Atmosphäre zum Rundum-Gelingen ihrer vollkommen verletzungsfreien Geburt beigetragen hatte – da war ich, ganz ehrlich, neidisch auf sie. So eine Geburt, das wäre schon was. Eine richtige Geburt eben, nicht eine Operation, bei der mir im Dämmerzustand mein Kind entrissen würde. Der Neid ging sogar so weit, dass ich versuchte, Martinas Berichte aus meinen Gedanken zu verbannen. Denn eigentlich hatte ich mir auch schon für meine erste, verpfuschte Krankenhaus-Bauchschnitt-Geburt in Wirklichkeit eine Geburt in unserem dunklen Badezimmer gewünscht. Doch die Hausgeburtshebamme, die ich damals anrief, ging mehrfach nicht ans Telefon, und so traf ich eben jene verpasste Hausgeburtshebamme das erste Mal erst Monate später auf dem Podium, als sie als Vertreterin der Hebammenzunft bei einer Diskussion über den Kaiserschnitt neben mir Platz nahm. Mein Bäuchlein war zu dieser Zeit schon recht proper – und ich habe es wohl dem Neid auf Martina zu verdanken, dass ich mich kurz nach Martinas Traumgeburt auf die Suche nach einer Hebamme machte, die mich auch in meinem misslichen Zustand nach Kaiserschnitt zuhause begleiten würde. Als in Österreich lebende Schwangere stellte sich die Suche nach einer kompetenten Hausgeburtshebamme nicht gerade einfach dar, und da ich in Salzburg und Umgebung nicht fündig wurde, engagierte ich nach genauen Recherchen zwei Hebammen aus Deutschland, die für mich da sein würden. Eine aus dem grenznahen Raum – und meine „Hebammenschwester“ Anna aus der Nähe von Dortmund. Anna, die übrigens die Mehrzahl der Zwillingsmütter aus „Luxus Privatgeburt“ zuhause begleitet hat, durfte ich im Rahmen der Korrekturarbeiten am Kaiserschnitt-Fotobuch kennenlernen. Bereits recht früh in der Schwangerschaft...