Der Abschlussband hält sicherlich jeden Vergleich mit den vorangegangenen Bänden aus. (Meine persönliche Rangliste: Gottesstreiter gefiel mir einen Tick besser als Narrenturm, Lux perpetua sehe ich auf einer Höhe mit Gottesstreiter.)
Für deutsche Leser gibt es bei der Lektüre nicht zu verachtende Klippen - zunächst als Handlungsrahmen die Hussitenkriege des beginnenden 15. Jahrhunderts, eine Krisenzeit zwischen Mittelalter und früher Neuzeit, weitgehend unbekannt und im Geschichtsunterricht kaum behandelt, Böhmen und Schlesien als Hauptschauplatz der Handlung, die in zahllosen Ortschaften spielt, deren bloße Existenz in Deutschland kaum bekannt ist, die vielen handelnden Personen mit z.T. sehr gewöhnungsbedürftigen tschechischen und polnischen Namen und schließlich der ausgiebige Gebrauch lateinischer Zitate, die zwar im Anhang in übersetzter Form auftauchen, aber eben deshalb auch ständiges Nachschlagen erfordern.
Wer sich mit diesen Schwierigkeiten anfreunden kann, wird der überaus spannenden Handlung, der sehr geschickten Verschränkung der Romanhandlung mit dem tatsächlichen historischen Geschehen und auch der Einbeziehung "magischer" Elemente, die gerechtfertigt ist durch die spätmittelalterliche Vorstellungswelt, ein beträchtliches Lesevergnügen abgewinnen.
Ohne zuviel vom Inhalt zu verraten: die Hauptfigur Reynevan lebt in diesem dritten Band in einem permanenten Spannungsfeld zwischen seinen privaten Interessen (Suche seiner entführten Geliebten Jutta von Apolda) und seinen Verpflichtungen gegenüber seinen hussitischen Glaubensbrüdern. Von der katholischen Kirche gebannt, wird er von den Führern der Taboriten und Waisen dennoch mit Misstrauen betrachtet, weil sie ihn für einen Doppelagenten halten. Er wird zwar weiterhin auf diplomatischen Missionen und als Medicus eingesetzt, aber von hochwichtigen Informationen ferngehalten. Er nimmt phasenweise an den militärischen Operationen in den Jahren 1329/30 in der Lausitz, in Sachsen und in Bayern teil, immer verzweifelt bemüht, eine Spur seiner von der Inquisition versteckt gehaltenen Jutta zu finden. Er gerät wie schon in den vorherigen Bänden in etliche gefährliche und ausweglos erscheinende Situationen, aus denen ihn seine beiden Freunde Scharley und Samson sowie verschiedene Frauen erretten. Von besonderem Interesse ist dabei eine junge blitzgescheite jüdische Agentin namens Rixa Cartafila de Fonseca, deren Fürsprache er schließlich die Freilassung aus einer mehrjährigen Internierung in einem Burgverlies verdankt. Sein religionspolitisches Engagement scheitert in der Schlacht bei Lipan 1534, in der die Armee der Taboriten und Waisen von den vereinigten Streitkräften der Calixtiner und Katholiken aufgerieben wird. Auf der privaten Seite sieht es am Ende des Romans nicht so hoffnungslos aus - weiteres wird nicht verraten.