Luther von einer anderen Seite darzustellen versuchen die gut 200 Seiten des Göttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann, der sich bereits in etlichen anderen Schriften zu Martin Luther und seiner Zeit geäußert hat.
Dieses Buch geht insbesondere dem Verhältnis Martin Luthers zum Judentum nach und analysiert dabei zum einen Luthers Schriften und zum anderen deren Nachwirkungen bzw. Rezeption bis in die jüngere Vergangenheit hinein.
Insgesamt ist die Studie sehr sorgfältig im Aufgreifen von Primär- und Sekundärliteratur, kann aber von Anfang an nicht den Eindruck verwehren, dass ein gewisses Urteil schon im Vorhinein feststand. Es geht Thomas Kaufmann insbesondere darum, Martin Luther in jüngeren und älteren Jahren inklusive seiner Einschätzungen zum Judentum "zusammenzukriegen". Dabei wird nicht immer vermieden, "heutige Ansichten" axiomatisch zur Basis der Beurteilung zu machen. So hätte ich mir eine stärkere Reflexion des reformatorischen Schriftprinzips und der christologischen Auslegung des Alten Testaments gewünscht, das eben christlich gesehen nicht lediglich als "Hebräische Bibel" anzusehen ist.
Dennoch gelingt es Thomas Kaufmann die Ambivalenz Martin Luthers vor Augen zu führen und vermeidet damit sowohl eine Heroisierung als auch eine Abschätzung des Reformators.
Als Grundlage für eine Auseinandersetzung sehr geeignet.
Empfehlenswert!