Die extrem kontroverse Betrachtung dieser Box weckte mein Interesse an "Luther", den ich zugegebenermaßen, trotz steter Suche nach BBC-Produktionen, noch nicht aus TV/ZDF kannte.
Natürlich fiel auf, dass faktisch jede der drei 100 minütigen Folgen dieser Staffel ZWEI Fälle beinhaltet und die Übergänge abrupt schienen. Doch diese Minuten hatten es in sich: Spannend, temporeich und menschlich vielschichtig erzählt, ohne umständlichen Schnickschnack packender Thrill vor der urbanen Kulisse Londons.
Die Psychopathen sind bizarr und genauso böse, wie ihre US-Serien-Kontrahenten, aber glaubwürdiger, weniger überladen in ihrer Abartigkeit (bei manchen US-Produktionen steht die Jagd nach dem höchsten Ekelfaktor im Vordergrund), aber genau deswegen sind sie furchterregender. Und weil die Handlung wirklichkeitsnäher scheint, ist sie weniger vorhersehbar und es ist jederzeit ein Patt oder "Un-Happy-End" möglich.
Ich hatte einst eine Staffel "Fitz" negativ bewertet, bei der ich ohne Verrenkung mir überflüssig erscheinende Szenen epischer Länge hätte streichen mögen, um wenigstens eine Prise Nervenkitzel zu erleben - das Gefühl kam bei "Luther" nicht auf. AAAAAAAAAber: Nun las ich in anderen Rezensionen, dass für diese Box sechs, im ZDF auch so ausgestrahlte, Einzelfolgen zu den drei vorliegenden Folgen rigide zusammengeschnitten wurden. DAS GEHT NATÜRLICH NICHT! Wer, zum Kuckuck, maßt sich an zu entscheiden, was verzichtbar ist? In dieser Fehlentscheidung liegt die Erklärung für die "unsauberen" Ablaufübergänge.
Trotzdem finde ich, man würde dieser genial besetzten Produktion mit nur einem Bewertungsstern Unrecht tun (vielleicht wäre für die Zukunft mal andenkenswert, getrennte Sterne für Technik und Filminhalt zu vergeben). Aber einen Stern muss ich einfach für diese Unmöglichkeit abziehen, da sie die Story durch die vorgenommene massive Kürzung beeinträchtigt .