Staffel 2 besteht aus zwei Doppelfolgen mit je 2 x 1 Stunde. Sprache der UK-Ausgabe ist Englisch mit englischen UT. In beiden Doppelfolgen muss sich Luther - der noch schwer von den Folgen des dramatischen Finale von Staffel 1 gezeichnet ist - mit Serienmördern herumschlagen. Der eine mordet mit Bezug zu historischen Stätten, der andere zunächst vermeintlich wahllos. Wieder gibt es eine parallele, durchgehende Geschichte, in der Luther die Tochter eines Mannes, den er vor Jahren in den Knast gebracht hat, aus den Fängen einer mafiösen Sexindustrie befreien will. Ruth und der Freund seiner Frau haben Kurzauftritte, sind aber nicht mehr tragender Bestandteil.
Die Änderung, jedem Fall zwei Folgen zu gönnen, tut der Serie gut. Die Figuren bekommen so mehr Zeit, sich zu entfalten und Luther muss nicht mehr deartig rasend und unrealitisch schnell hochkomplizierte Schlussfolgerungen anstellen, sondern darf ein bisschen brauchen, bis er die Hintergründe eines Falls erkennt. Wie in Staffel 1 sind die Figuren wieder eher etwas holzschnittartig und in ihren psychologischen Hintergründen nicht ganz überzeugend, sondern eher auf Effekt ausgerichtet, aber durch das Mehr an Raum werden sie zumindest lebendiger und dadurch im Ausdruck stärker. Noch mehr als in Staffel 1 hat mich Luther an in Erscheinung und Präsenz (der Gang, die Coolheit) an Shaft erinnet. Zusammen mit dem George-Smiley-ähnlichen neuen Abteilungsleiter verstärkt sich die 70iger-Jahre-Anmutung und liegt somit voll im Retro-Trend. Die etwas simpleren psychotischen Figuren passen da ins Bild und bekommen mit diesem Retro-Charme eine zusagendere Anmutung.
Leider schleichen sich allerdings wieder zuviele, zu starke unlogische und irreale Dinge ein (z.B. in dem weitgehenden Fehlen von Gegenwehr der Opfer in der zweiten Doppelfolge trotz der nicht sonderlich bewaffneten und fähigen Täter). Das nimmt wieder etwas Kraft. Alles in allem hat der Kriminalteil aber vier Sterne verdient.
Sehr schwach ist allerdings diesmal die Nebenhandlung. Wie Luther von der Sexmafia in ethisch äußerst fragwürdige Taten hineingezogen wird, was er dabei alles ohne rechte Gegenwehr mit sich machen lässt und mit welchem 'Argument' er sie am Ende doch los wird - das grenzt schon ans Hanebüchene. Die Story liefert ein paar starke Bilder, wirkt durch die Unglaubwürdigkeit aber zu sehr als ein gewollter Lückenfüller.
Fazit: Mich konnte auch die zweite Staffel nicht vom Hocker reißen (und ich habe sie mir nur angesehen, weil ich sie ob eines günstigen Preises bereits zusammen mit Staffel 1 gekauft hatte), aber es ist ganzen doch ordentliche Krimikost der eher deftigen Art.