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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Hier stehe ich, ich kann nicht anders.", 7. Juni 2004
Rezension bezieht sich auf: Luther (DVD)
Luther ist großes Historienkino, das zum einem durch ausgezeichnete Bilder und Kulissen besticht, vor allem aber mit brillanten Darstellern besetzt ist. Joseph Fiennes als Martin Luther scheint nur auf diese Rolle gewartet zu haben, denn er spielt den Reformator so hervorragend, dass man gar nicht satt wird, ihn zuzusehen. Sowohl seine Reden, ob in der Kirche vor der Gemeinde oder auf dem Hof vor dem Kaiser, sind voller Herz und Leidenschaft. Genial! Auch ist es von Regisseur Eric Till sehr mutig, und dank Fiennes sehr gelungen, Luthers Dialoge mit dem Teufel als eine Art Schizophrenie darzustellen. Wenn dieser sich auf das heftigste mit dem Teufel anschreit und dann erschöpft auf den Boden sinkt, bekommt man als Zuschauer Gänsehaut. Die Rolle von Papst Leo X. wurde mit Uwe Ochsenknecht sehr gut besetzt, genau wie Sir Peter Ustinov als Friedrich der Weise mit seiner Rolle als Förderer wie angegossen sitzt. Aber auch die kleineren Parts wurden sehr passend besetzt, wie zum Beispiel Maria Simon als Hanna oder Marco Hofschneider als Ulrich, der lieber sich denn Luther entführen lassen will. Nun ist es sicherlich schwierig, einen dem Zuschauer größtenteils schon bekannten Stoff noch einmal zu verfilmen. Doch Till schafft es immer wieder, durch gut platzierte Pausen und passende Musik eine Spannung aufzubauen, die dem Zuschauer nicht danach fragen lässt, WAS als nächstes passiert, sondern WIE es passiert. Dass der Film an einigen Originalorten, wie zum Beispiel auf der Wartburg, gedreht wurde, macht ihn noch realistischer, und bringt den Zuschauer noch stärker in die Zeit des Endes vom Mittelalter hinein. Und hier liegt auch der einzige Kritikpunkt. Zum einem möchte Eric Till einen gewissen Realitätsanspruch auf diesen Film erheben, was er auch eben durch die Original-Schauplätze und den chronologischen Ablauf erreicht, aber dann durch historische Unebenheiten abschwächt. So hat es, wie im Film dargestellt, keinen direkten Thesenanschlag Luthers an das Wittenberger Kirchtor gegeben, wie auch das ihm immer wieder zugeschriebene Zitat vor dem Kaiser "Hier stehe ich, ich kann nicht anders". Doch ich denke, dass diese Sachen Till bekannt waren. Durch diese Momente werden Luthers Handlungen und Zitate vielmehr symbolisiert. Auch wenn sie so nicht stattgefunden haben, haben sie dennoch einen Anspruch auf Wahrheit. Der Thesenanschlag ist in dem heutigen kulturellen Gedächtnis nun einmal verankert wie auch einige Zitate, die erst in Laufe der Jahrhunderte Luther zugeschrieben wurden. Till kürzt durch diese kurze "Verfälschung" also die Geschichte legitim ab. Zudem hätte ich mir Luthers Weg in das Klosterleben noch ausführlicher gewünscht, wie auch die seine Zeit auf der Wartburg. Doch letztendlich würde man den Film (123 Minuten) dann ins Unendliche ausdehnen können. Und vielleicht habe ich diesen Wunsch nur, weil ich schon lange nicht mehr einen so kurzweiligen, unterhaltsamen und intelligenten Film gesehen habe!
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34 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Knapp, aber eindrücklich, 30. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Luther (DVD)
Eric Till versucht in zwei Stunden Film eine Annäherung an die Gestalt Luthers. Für alle, die ihr Schulwissen über die Person des Reformators auffrischen möchten, ist der Film eine bewegende Erinnerung. Wer die historischen Ereignisse besser kennt, wird freilich über manche geschönte oder erfundene Szene klagen. Nicht nur das theologische, auch das historische Geflecht bleibt unscharf. So werden die Wittenberger Unruhen mit dem Bauernkrieg vermengt, bilderstürmender Radikalismus und Bauernbewegung zusammengezogen, bleiben vor allem politische Vorgänge und Überlegungen weitgehend im Dunkeln. Dadurch ergeben sich für Uneingeweihte Unklarheiten. Grausam zugerichtete Bauernleichen und die tote Grete kommen zu unvermittelt ins Bild! Als Film, der seinen eigenen Gesetzen folgt, überzeugt "Luther" weitgehend dennoch: durch rasante Schnitte, die Fokussierung auf prägnante Punkte, die Heraushebung der menschlichen Seite - anschaulich gemacht in Gesichtern und Gefühlen. Nachhaltigen Eindruck hinterlassen die Bilder der schockierenden Romreise Luthers von 1510, seine unbefangene Diskussion mit hohen Klerikern, seine Weigerung zu widerrufen, obwohl er um die möglichen Konsequenzen weiß, seine Mühen mit der Bibelübersetzung. Hinzu kommen bemerkenswerte Randfiguren wie die Holzhändlerin mit ihrer behinderten Tochter oder der für seinen Glauben in den Feuertod gehende Lutherschüler Ulrich. Etwas unklar bleiben die Ursachen von Luthers Gewissensqualen, sein Ringen mit dem Teufel. Eingeweihte erkennen unschwer, dass die Drehbuchautoren Camille Thomasson und Bart Gavigan dem Lutherbild folgen, das Erik H. Erikson in seiner Studie "Young Man Luther" 1958 gezeichnet hat. Luther ist ein hochsensibler Jüngling, der unter einem autoritär fordernden Vater leidet! Insofern wirkt auch der relativ jugendlich wirkende Darsteller (Joseph Fiennes) nicht als Fehlbesetzung. Von den übrigen Schauspielern bleiben vor allem die der Gegenseite im Gedächtnis. Tetzels Auftreten und das mancher Luthergegner wirken sehr beachtlich; nur dass leider verschwiegen wird, dass sich die römische Kirche veranlasst durch die "causa Lutheri" schließlich selbst zu Reformen durchrang! Ohne sein Talent zu schmälern: Peter Ustinov als Friedrich der Weise befremdet trotz feinster Gestik eher. Äußerlich und vom Akzent her hat er keine Ähnlichkeit mit dem Sachsenfürsten. Indem der Film dem greisen Star zentrale Szenen zubilligt, würdigt er immerhin die historische Bedeutung des wirklichen "Churfürsten". Für Karl V. wurde ein sehr passendes "Habsburger"-Gesicht gefunden. Luthers geistlicher Vater Johann von Staupitz wird eindrucksvoll von Bruno Ganz gespielt.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Er veränderte die Welt für immer..., 22. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Luther (DVD)
Sicherlich, hat jeder schon einmal etwas von Martin Luther gehört und weiß zumindest die wichtigsten Infos über ihn. Dennoch möchte ich zuerst eine kurze Zusammenfassung schreiben, bevor ich den Film bewerte. Martin Luther, studierte erst einmal Jura, doch dann wird er beinahe von einem Blitz erschlagen und sieht dies als Zeichen Gottes ein Theologiestudium anzufangen, was er dann auch tut, gegen den Willen seines Vaters. Nach einer Reise nach Rom, wo er das Geschäft des Ablasshandels hautnah miterlebt, macht er sich Gedanken über die katholische Kirche, als dann auch noch ein Ablasshändler nach Wittenberg kommt, reicht es Martin und er schlägt die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche und somit löst er den Konflikt aus. Der am Ende zur Geburt der protestantischen Kirche führen wird und zur Trennung Roms. Nun der Film ist sicherlich topbesetzt, aber man merkt auch das die Schauspieler sich mit ihren Rollen bzw. die Menschen die sie spielen, wirklich auseinander gesetzt haben und somit in die Haut von ihnen schlüpfen. Der Film ist sehr logisch aufgebaut und man kann jede Reaktion, einfach alles was Martin Luther tut oder sagt, verstehen. Denn Joseph Fiennes schafft es diese bekannte historische Person wieder zum Leben zu erwecken. Aber nicht nur Martin Luther wird zum Leben erweckt, sondern die ganze Zeit, es ist beinahe so als ob man selber in den Film hineingezogen werden würde und alles wirklich miterleben könnte. Man sollte diesen Film in Religion und im Geschichtsunterricht anschauen, wenn man dieses Thema behandelt, denn man kann es sich noch so gut vorstellen, aber der Film hilft einem sehr dabei sich in diese Zeit reinzuversetzen. Fazit: Wenn man mehr über Luther oder die Zeit der Reformation wissen möchte, dann sollte man sich diesen Film unbedingt ansehen!
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