Lusthaus oder Die Schule der Gemeinheit ist ein Roman des österreichischen Schriftstellers Franzobel.
Bereits 2002 erschien, veröffentlicht der Haymon Verlag nun den Roman neu als Taschenbuch.
Dieser Roman kommt monströs, dekadent und abstrus daher.
Die zweijährige Rosalia ist vor 80 Jahren verstorben. Ihr Leichnam liegt unversehrt, einbalsamiert in einem Glassarg in Palermo in der dortigen Kapuzinergruft.
Ihre Seele jedoch landet in Wien.
Dort im Körper der Elvira Klappbauch. Und damit ist der Leser sofort in der Geschichte, soweit man es eine Geschichte nennen kann.
Ein Ansammlung von abgedrehten Personen, Typen präsentiert Franzobel, ein Pseudonym des Schriftstellers Stefan Griebl, dem Leser. Und dieser wird fast erschlagen von dem Kaleidoskop verschiedener Charaktere. So recht entwickelt sich auch kein Erzählfluß, keine Erzählstruktur. Aber darauf kommt es auch nicht an. Franzobel jongliert mit Sprache, mit der Beschreibung von Alltäglichkeiten und skurrilen Begebenheiten. Die Personen sind verschieden, wie sie verschiedener nicht sein können. Und dies alles mit der Stadt Wien im Hintergrund. Dieser morbiden österreichischen Metropole, die andererseits auch den Eindruck eines Dorfes macht. In den Grüften auch mit Palermo eine Entsprechung hat. Hier wie dort gibt es die Kapuzinergruft. In dieser Atmosphäre schlagen sich die Personen durch ihre jeweiligen Leben, die wiederum durch den Tod bestimmt sind. Und so wird der Leser auch ständig mit morbiden Situationen und Betrachtungen konfrontiert.
Aber auch Schlitzohrigkeit kommt durch. So zB, wenn Manker, begeistert von und durch nationalsozialistischer Literatur, seine zweifelhaften Kenntnisse umsetzt, um den Wiener Messingtürspione anzudrehen. Also geht er in der Stadt von Tür zur Tür, verkauft diese Spione für läppische 100 Schilling. Bohrt noch ein Loch in die Tür, perfekt ausgestattet mit einer Black & Decker-Bohrmaschine, verabschiedet sich dann mit der Beute und dem Versprechen, der Kollege, der gerade im Nebenhaus sei, käme später und würde dann den Rest erledigen. Niemals erscheint dieser und eine Vielzahl von Türen in Wiener Häusern ist mit Löchern verziert. Nur leider läuft sich diese Idee schnell tot und der clevere Manker muß sich etwas Neues zur Sicherung seines Lebensunterhaltes überlegen. Dieses alles im 6. Kapitel. Ein wunderbares Kapitel, vielleicht das beeindruckendste in diesem Buch. Kurze, prägnante Sätze, verstärkt durch Wiederholungen sind bezeichnend für diesen Abschnitt. Und immer wieder dieser Hang zum Morbiden. ZB, Zsmiegel, der Journalist, der, erfolglos wie er ist, immer Nekrologe auf Vorrat schreiben muß.
Und so bleibt von diesem Roman viel nach dem Lesen übrig: seltsame Gestalten mit kuriosen Meinungen, die Stadt Wien als Kulisse für eben diese Gestalten. Auch Kritik an den ewiggestrigen Meinungen und Vorurteilen. Aber besonders die Lust des Autors am Fabulieren und Erzählen.