Zur Zeit bin ich Referendar für Englisch und Spanisch. Als solcher habe ich schon zahlreiche fachdidaktische Artikel und Bücher gelesen. Vieles fand ich ermüdend, frustrierend, utopisch, unverständlich geschrieben, realitätsfern oder wichtigtuerisch. Dieses Buch von Wolfgang Butzkamm ist aber eine Offenbarung! Es ist menschenfreundlich, ganz nah beim Leser und beim Lerner. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen, denn dieses Mal dachte ich: "Das kann funktionieren!" Der Autor hat den Mut, gegen den Strom zu schwimmen, indem er Methoden vorstellt und empfiehlt, die völlig zu Unrecht verpönt sind. Wohltuend ist dabei die Offenheit und der Respekt gegenüber Denkweisen vergangener Jahrhunderte. Die Methode der muttersprachlichen Spiegelung habe ich sogleich in einer fünften Klasse ausprobiert und habe verblüfft festgestellt, dass vielen Schüler gar nicht bewusst gewesen war, dass ihre typischen Fehler [etwa "Go you sometimes on Saturdays to the cinema?"] auf ihre Muttersprache zurückzuführen waren. Sogleich begannen die Schüler, auf eigene Initiative die beiden Sprachen zu vergleichen: "Also sagen die Engländer: Tust du manchmal gehen ins Kino samstags?" Für Schüler und Lehrer war das ein Aha-Erlebnis. In meiner Ausbildung bekomme ich aber mit, wie umstritten das Thema ist: "Deutsch hat im Fremdsprachenunterricht nichts zu suchen! Das mit der aufgeklärten Einsprachigkeit ist Quatsch." Doch man soll ja die Schüler dort abholen, wo sie sind. Und am Anfang sind sie vor allen Dingen im Gedankenland ihrer Muttersprache. Butzkamm zieht zum Glück die didaktischen Konsequenzen. Meine Staatsarbeit werde ich aber nicht zum Thema "Muttersprache im FU" schreiben. Mir wurde davon abgeraten: "Zu riskant!"