Vladimir Nabokov war nicht nur einer der sprachgewaltigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts sondern verfasste in "Lushins Verteidigung" auch den trotz Stefan Zweigs "Schachnovelle" bedeutendsten weil die Materie wirklich durchdringenden Schachroman.
Lushin ist ein lustloser, unleidlicher und zutiefst phlegmatischer Junge, der an nichts im Leben Freude findet als an vertrackten Puzzlespielen und Zaubertricks, als er zufällig ein Schachspiel entdeckt. Dieses für ihn mit einer mystischen Aura umgebene Spiel läßt eine ungeahnte und in seinem Leben einzig bleibende Leidenschaft auflodern. Bald erweist sich seine große Begabung, und getrieben vom eigenen Fanatismus und seinem skrupellosen Impressario Valentino mißt er seine Kräfte mit den größten Schachmeistern der Zeit, hetzt von Turnier zu Turnier, verschleißt sich in Simultan- und Blindschaukämpfen gegen Amateure. Lushin zählt zu der Handvoll Anwärter auf den Weltmeisterthron, doch seine schachliche Entwicklung stagniert. Mehr und mehr klafft über die Jahre die kreative Phantasie seiner häuslichen Vorbereitung und sein zaghaftes, ja ängstliches Spiel auf Turnieren auseinander. In einem letzten großen Turnier will er noch einmal an seine zurückliegenden Erfolge anknüpfen. Er muß all seine Kräfte aufbieten, dem Favoriten Turatti Paroli zu bieten. Das Turnier kumuliert in der mit Spannung erwarteten aufreibenden Partie der zwei Widersacher...
Nabokovs Roman ist das Porträt eines Genies in einem ganz beschränkten Gebiet, der doch gleichzeitig unfähig ist zu leben. Alles, wonach er strebt ist "Einfachheit, harmonische Einfachheit, die mehr als die komplizierteste Magie in Erstaunen setzt". Doch das reale Leben ist nicht einfach. Und unter Menschen bleibt er, dessen Welt nicht mehr als 64 Felder braucht, unendlich einsam.