Florence & The Machine, was für eine Band, was für eine Sängerin, was für eine unglaublich starke Stimme - das alles hab ich vor genau einem Jahr gesehen und gehört. Florence & The Machine waren noch absolut unbekannt bei den Massen, kein Album, kein Webevertrag, nur eine Vinyl 7" von "Kiss With A Fist" und ein paar Demos.
Alles wahnsinnig energiegeladen und selbstbewusst. Gänsehaut.
Aber was ist jetzt?
Ein Jahr später: Florence und ihre Band gewinnen langsam an Bekanntheit, gewinnen den Critic's Choice Award und ihre erste Single "Kiss With A Fist", ein schneller, durch Schrammel Gitarren geprägter Song, aber durch die wundervolle, Power-Stimme und den sarkastischen, coolen Text, plötzlich in einem Werbeclip zu hören. In den Charts geht's bergauf.
Der Hype ist perfekt...
Ist doch cool, endlich mal handgemachte, gute Musik, "echte" Musik im Fernsehen und im Radio, naja, klar, aber irgendwie sind die schon länger vorhandenen Songs: "Girl With One Eye", "Between Two Lungs" und "My Boy Builds Coffins" anders.
"Girl With One Eye" ist unzerstörbar gut, kraftvoller, durch die Gitarren, die scheppernden Drums. Dagegen die anderen zwei, sie wirken irgenwie glatt poliert, nicht mehr ganz so kraftvoll. Dennoch starke Songs, da kann man nicht dran rütteln.
"Dog Days Are Over" - der perfekte Opener, der Fels, daran wird alles gemessen, denn es ist der vielleicht beste Song der Platte.
"Rabbit Heart" mit den Chören und der schon fast schwindeleregenden Dramatik ist ein weiteres Highlight.
Dann die erste Schwächephase: "I'm Not Calling You A Liar" ist guter Indie-Pop, nein, einfach nur guter Pop.
"Howl" ist der eventuelle "Tiefpunkt". Syntheziser á la La Roux und Co. stellen Florence & The Machine, bei Nicht-Wissenden wahrscheinlich in eine Reihe mit den 80s-Plastik-Pop Damen. Zu Unrecht.
Aber dann, "Kiss With A Fist" und "Girl With One Eye" rütteln wach, starten voll durch, reißen mit und rocken. Wirklich schon Garagenrock zum abtanzen, ganz groß!
Mit dem "Drumming Song" sackt "Lungs" leider wieder ein bisschen ab. Solider Beat, aber alles nicht so packend das Ganze.
Es folgen die zwei schon erwähnten Songs "Between Two Lungs" und "My Boy Builds Coffins" und da ist es wieder zu hören, das Traumhafte, die Melodien und der Gesang, die dich in eine andere Welt schweben lassen. Diese unendliche Weite. Sehr gut arrangiert, vielleicht ein bisschen zu gut, aber geschenkt.
Dazwischen hört man "Cosmic Love", passt gut in die Reihe, alles wieder drin, die Weite und der Dream-Pop, aber diesmal eine echte Hymne.
Als nächstes stellt sich dem Fan die Frage, warum kommt jetzt nicht der Koloss, das Monster, der "Bird Song"?
Stattdessen folgen zwei mittelprächtige Popsongs "Hurricane Drunk" und "Blinding", wobei sich letzterer in eine, in sich absolut runde und rhythmische Nummer entwickelt, es wirkt nicht so aufgesetzt wie bei "Hurricane Drunk". Minimalistisch und clever.
Die Rettung naht. "Lungs" schließt traumhaft, emotional, kraftvoll, packend mit einem Bonustrack ("You've Got the Love"), so wie es sein sollte, so wie es beginnt und so wie vor einem Jahr alles anfing.
Und ich sage:
"I've got the love and I'm still in love and I know every hype has an end" !!!