"Lunatic Soul" ist ein Projekt von Maruisz Duda, Sänger und Bassist der polnischen Progressive Rock-Band "Riverside". Für das Debut-Album hat er sich Gedanken zum Thema Tod gemacht und bringt diese in 10 Songs zum Ausdruck, unterstützt durch einige Musikerfreunde (darunter auch "Indukti"-Drummer Dramowicz und "Riverside"-Keyboarder Labaj). Musikalisch erwarten den Hörer melancholische, hypnotische und teils sehr triste Kompositionen mit Anleihen aus Art Rock, Ambient und Ethno. Die Texte handeln vom Sterben, von der Reise ins Jenseits oder auch von der eigenen Beerdigung. In einem Interview gab Duda an, man müsse wahrscheinlich ein bisschen wahnsinnig sein (engl. lunatic), um Zugang zu diesem Album zu finden.
Als begeisterter Riverside-Fan war für mich klar, dass ich dieses Album haben muss - ich wusste aber auch, dass ich keine CD von Riverside erwarten darf. Natürlich hört man die Verwandtschaft (vor allem durch Dudas Gesang), aber alleine schon der Verzicht auf E-Gitarren sorgt für eine grundlegend andere Stimmung. Zudem gibt es keine Progressive Rock-typischen Taktwechsel und die Veränderungen innerhalb einer Komposition sind meist sehr sanft und selten überraschend. So entwickelt sich vor allem in der ersten Hälfte eine triste Monotonie zum roten Faden durch das Werk, der aber durchaus zur Thematik passt und nicht unbedingt als Kritik zu verstehen ist. Ebenfalls durchgängig ist die Verwendung von orientalisch anmutenden Elementen, die stets in Form von hangespielten Fell-Trommel-Rhythmen und kurzen Flöten- oder Sitar-ähnlichen Einlagen auftauchen. Auch die Akkordwahl weckt teilweise leichte arabische Assoziationen, ohne dabei jemals wirklich in den Bereich der Ethno- oder Weltmusik abzugleiten.
Nach dem Intro, das neben ein paar Klangeffekten vor allem aus tiefen, langgezogenen Klängen besteht, folgt das extrem eintönige und hypnotische "The new Beginning", in dem der Hörer im Jenseits begrüsst wird ("Ich dachte, du würdest nicht kommen Ich habe auf Dich gewartet. Auf der Rückseite des Jenseits.") Erst im nächsten Song ("Out on a Limb") gibt es eine wirklich greifbare Melodie (auf einer akustischen Gitarre gezupft) und eine deutliche Steigerung nach etwa zweieinhalb Minuten durch den Einsatz von Perkussion und einem dominanten, verzerrten Basslauf. Es folgt ein Song über das eigene Begräbnis ("Summerland"), bei dem neben der akustischen Gitarre auch Klavier zum Einsatz kommt. Mit dem Titeltrack "Lunatic Soul" erreicht das Album den ersten Höhepunkt - eine knapp 7-minütige Komposition über die Reise ins Jenseits mit einer ganz sachten, langsamen Steigerung und einem Ausbruch nach knapp 3 Minuten.
Danach folgt eine sehr düstere, instrumentale Ambient-Komposition mit dumpfen, tiefen Synthesizer-Klängen und Klangeffekten. Der siebte Song - "Near Life Experience" ist ein weiterer Höhepunkt und derjenige Song mit den stärksten Anleihen aus dem Progressive Rock-Bereich. Gefolgt wird er von "Adrift", der eng verwandt ist mit den akustischen Riverside-Balladen wie "I believe", "Us" oder "Embryonic". Durch das siebeneinhalb-minütige "The final Truth" zieht sich ein variationsarmer, sehr eintöniger elektronischer Rhythmus, der erst zweieinhalb Minuten vor Schluss durch Marschtrommeln aufgelockert wird und am Ende der CD steht ein Lied mit sehr warmen Synthesizer-Flächen, dass fast schon ein bisschen an Enigma erinnert.
Alles in allem ein gelungenes Erstlingswerk, das aber vor allem durch das häufige Ausbleiben von Akkordwechseln und nur ganz zaghaften Veränderungen sehr monoton und trist wirkt. Zwar ist das sehr stimmig zur Thematik, doch denke ich, dass man aufgrund von Dudas Riverside-Hintergrund, neben den minimalen Songs durchaus ein paar komplexere Kompositionen hätte erwarten dürfen. Zwar sind die Songs "Lunatic Soul" und "Adrift" Höhepunkte, doch gelingt es ihnen nicht ganz dafür zu sorgen, dass das Album als Ganzes eine interessante Dramaturgie erhält. Ich stelle jedenfalls fest, dass ich lieber einzelne Songs direkt anwähle, anstatt mir das ganze Album erneut am Stück anzuhören.