Eine Freudin hat mir vor drei Jahren dieses Buch ausgeliehen, weil sie sich dachte, dass es mir auf jeden Fall gefallen würde.
Und sie hat Recht behalten.
"Luna" ist wunderbar gefühlvoll und überzeugend geschrieben; man kann sich in jede der Personen hineinversetzen: Lunas/Liams Wunsch sich nicht mehr verstecken zu müssen, aber auch endlich "richtig" zu leben, Regans Sorge und Mitgefühl um ihre Schwester und gleichzeitig der Egoismus auch mal an sich selbst zu denken, das Unverständinis des Vaters, das Ignorieren-Wollen der Mutter - alles super und authentisch erzählt.
Gleichzeitig schafft es die Autorin sich nicht voll und ganz nur auf die Tragik von Lunas Leidensweg zu fixieren, sondern dank Regans chaotischem Liebesleben die Ernsthaftigkeit der Thematik aufzulockern, ohne es lächerlich zu machen.
Der Unterhaltungsfaktor kommt also nie zu kurz, man möchte immer weiter lesen, egal, ob es lustig oder traurig ist.
Wie gesagt, das Buch gelesen habe ich vor circa drei Jahren.
Vor anderthalb Jahren erfuhr ich von der Transsexualität meiner Cousine.
Ich bin generell sehr tolerant eingestellt, aber dank "Luna" kann ich mich sehr viel besser in die Lage von betroffenen Personen versetzen.
Denn viele Menschen lassen außer acht, dass Transsexualität nicht einfach nur was mit Transvesti-Künstlern zu tun hat.
Depressionen, Einsamkeit, der Aufwand sich eine neue Identität zu schaffen (Hormonbehandlungen, Operationen, Papierkram für die Behörden, immer noch mit dem alten, falschen Namen angesprochen zu werden), und natürlich immer wieder die irritierten Blicke versändnisloser Leute.
Und natürlich all die engstirnigen Menschen, die nach wie vor behaupten Transsexualität sei einfach nur "krank" oder gar eine "vorübergehende Phase".
Jeder, der einmal vor dem Spiegel stand und nicht mit seinem Aussehen zufrieden war, sollte sich mal in die Rolle der Menschen versetzen, die im vollkommen falschen Körper geboren wurden und so leben müssen, bis sie es endlich wagen, sich jemanden anzuvertrauen.
Meine Cousine darf sich jetzt endlich als Frau bezeichnen und ist glücklich.
Das klingt fast wie ein Happy End.
Wenn man aber wirklich wissen will, wie lange es dauert, bis man als Transsexuelle/r halbwegs bei diesem Happy End angekommen, dann sollte man auf jeden Fall "Luna" lesen, ein Buch, das eigentlich in keinem Bücherregal fehlen dürfte.