Aus der Amazon.at-Redaktion
Von den Gedichten eines Schriftstellers, dessen viel gerühmte Prosa sich neben ihrem geschärften Sinn für menschliche Skurrilitäten durch virtuose sprachliche Verspieltheit auszeichnet, darf man sich viel erwarten. Die Früchte von Franzobels lyrischem Schaffen, das ihn "ein, zwei Mal im Jahr wie Fieberschübe überfällt", versammelt
Luna Park nun in einer Auswahl von thematisch mehr oder weniger zusammenhängenden Gedichtzyklen der letzten Jahre.
Antike Epen, etwa in "Spiegelkabinett: Odysseus (2000)", bilden ebenso ergiebige Motive wie polizeilich dokumentierte Leichenfunde und Mordfälle wie in "Watschenmann: Kaltleutgebern (2002)". Neben dem humoristischen Spiel mit dem Sprachmaterial, der Tradition der Wiener Gruppe und Ernst Jandls verpflichtet, werden häufig auch ernste, gar sentimentale Töne angeschlagen, die dann manchmal überraschend durch derbe Pointen gebrochen werden.
Es ist dieses Changieren zwischen emotionalen, sprachreflexiven und trivialen Bezügen, oftmals als frivoler Verweis auf leiblich Elementares wie Sexualität und Stoffwechsel, das immer wieder erheiternde und erkenntnisreiche Momente bereitet. Besonders deutlich wird dies im Gedicht "Die Verzückung (2003)", in dem das lyrische Ich angesichts des Bildnisses der heiligen Teresa in der Kirche Santa Maria della Vittoria über die Nähe von religiöser und sexueller Ekstase reflektiert.
Als Ergebnis seiner experimentellen Frühphase, aus der nur ein Gedicht exemplarisch aufgenommen wurde, bedient sich Franzobel einer freien, der Musikalität und dem poetischen Assoziieren untergeordneten Syntax, die sich der flüssigen Lektüre bisweilen sperrt. Wie der Autor in seiner Präambel schreibt, bleiben die Gedichte oft "in jener seltsam ausbalancierten Unverständlichkeit, in der sie vielleicht etwas vom Wunder der Schöpfung in die Sprache retten können". Diese Sprachmagie zu empfinden oder nicht, bleibt freilich den Lesenden überlassen. --Mathis Zojer
Pressestimmen
"Der Sprachfluß der Zeit quillt triumphal aus dem Orkus herauf. Wir haben uns köstlich amüsiert." Thomas Poiss, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.03 "Als "Luna Park" verheißt sein Buch "Vergnügungsgedichte". Es ist mehr als nur das." Wolfgang Hirsch, Thüringische Landeszeitung, 20.12.03