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Lulu (With Metallica)
 
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Lulu (With Metallica)

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2.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (255 Kundenrezensionen)
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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
113 von 140 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Audio CD
Ich gebe es zu: Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass Metallica ein Album mit niemand Geringerem als Lou Reed aufgenommen haben, war ich positiv überrascht, ja geradezu beeindruckt. Ich hatte damit gerechnet, dass Metallica jetzt im Herbst ihrer Karriere angelangt sind und alle paar Jahre ein Album herausbringen, das sich an ihrem letzten Werk Death Magnetic orientiert, welches ja ' zu Recht ' überwiegend positiv aufgenommen wurde. Eine Zusammenarbeit mit dem alten Grantler Lou Reed, der sich wohl eher als 'echten' Künstler als als Unterhaltungsmusiker (im weiteren Sinne) sieht, ist eine mutige Entscheidung, gerade wenn man so eine kritische Fanbase wie Metallica hat. Ich freute mich also auf das Album und hatte von vornherein eine positive Erwartungshaltung.

Ich bin kein großer Lou-Reed-Experte ' ich kenne lediglich vier seiner Soloalben, die allesamt wahrscheinlich zu seinen zugänglicheren Alben zählen (Lou Reed, Transformer, Berlin und Magic and Loss, wobei die Zugänglichkeit der letzten beiden durchaus bestritten wird). Lou Reed zählt ja zur Gruppe von bekannten 'love him or hate him' Sängern bzw. Interpreten, genau wie auch beispielsweise Bob Dylan, Captain Beefheart, Tom Waits und William Shatner (hehe, kleiner Scherz). Die einen behaupten, dies seien so mit die größten Künstler im großen Feld der 'populären Musik' überhaupt, die anderen meinen, diese Typen können überhaupt nicht singen. Ich gehöre eher zur ersten Gruppe, bin aber kein Fundamentalist. Aber eins ist klar: wenn man schon bei zugänglichen und bekannten Lou Reed Songs wie 'Vicious', 'Satellite of Love' oder 'Walk on the Wild Side' der Meinung ist, der Typ sei ein furchtbarer Sänger, dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass man an Lulu seine Freude hat (wobei der Umkehrschluss hier nicht zulässig ist).
Was für ein Album ist 'Lulu'? Das ist schwer zu sagen. Die Texte stammen zu 100% aus der Feder Reeds und sind inspiriert von Frank Wedekinds 'Lulu' Theaterstücken 'Erdgeist' (1895) und 'Die Büchse der Pandora' (1904), die ich (noch) nicht kenne. Es ist nicht das erste Mal, dass diese Werke von anderen Künstlern aufgegriffen wurde ' es gibt diverse Filme, Comics und sogar eine Oper von Alban Berg. Auch davon kenne ich leider nichts. Wie werkgetreu Reeds Texte also sind ' ich habe keine Ahnung! Was ich aber sagen kann, ist dass die Texte recht extrem sind. Sie sind alle aus der 'Ich-Perspektive' erzählt und handeln ohne Beschönigung von Gewalt, Perversion, Hass und Selbsthass, Missbrauch und Selbstmissbrauch (ok, das hab ich irgendwo geklaut) und Sex in seiner hässlichsten Form. Nur mal als Beispiel: die Platte beginnt mit den Zeilen 'I would cut my legs and tits off when I think of Boris Karloff and Kinski in the dark of the moon'. Weitere Beispiele? Gerne: 'Blood in the foyer, the bathroom,the tea room, the kitchen and knives splayed. I swallow your sharpest cutter like a colored man's dick. Blood spurting from me, blood spurting from me'. Oder: 'I want so much to hurt you, I want so much to hurt you, I want so much to hurt you! Marry me, I want you as my wife!' Sehr hässliche Texte, aber das ist beabsichtigt. Die Texte sollen schockieren (und das schaffen sie). Man muss sich nicht mit ihnen identifizieren (Gott sei Dank und kann sie trotz der aufkommenden Abneigung und des möglicherweise einsetzenden Ekels faszinierend finden, und genau das tue ich. Ich gebe allerdings zu, dass ich nicht sicher bin, ob es eine echte Rahmenhandlung gibt (ich habe sie noch nicht wirklich gefunden) oder ob das Album lediglich eine Aneinanderreihung von Songs ist, die von den Theaterstücken inspiriert sind. Es ist mir auch gar nicht so wichtig, denn viel entscheidender ist für mich die Frage, ob ich das Album musikalisch interessant finde.

Und um es vorweg zu nehmen: Ja, das tue ich! Obwohl der erste Eindruck auch vom musikalischen Standpunkt aus eher erschreckend war, denn es ist keine leichte Kost und bestimmt nicht leicht zugänglich. Lou Reed singt wenig; größtenteils rezitiert er die Texte im Sinne einer Spoken Word Performance; dies tut er allerdings mit Hingabe. Wenn er doch mal singt (wie gesagt selten), dann gerne auch mal in einem anderen Takt, Tempo und sogar einer anderen Tonart als die Begleitmusik. Man könnte jetzt behaupten, Lou könne einfach nicht singen und einen Ton selbst dann nicht treffen, wenn sein Leben davon abhinge, doch ich glaube, damit macht man es sich zu leicht. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass der äußerst schräge Gesang volle Absicht ist und das Ziel verfolgt, die Krankheit der Texte noch besonders zu betonen und hervorzuheben. Und dieses Ziel wird auch erreicht.

Und Metallica? Nun, es ist wichtig zu verstehen, dass dies KEIN echtes Metallica Album ist. Metallica lassen sich in der Regel viel Zeit mit der Kompostion ihrer oft recht komplexen Songs und veröffentlichen sie erst, wenn sie absolut ausgereift sind. Dieses Album ist viel spontaner, viel jam-lastiger und die Songs wurden wohl in nur wenigen Takes eingespielt. Meist basiert die Musik auf einem Riffs von Hetfield, die meist recht simpel aber sehr effektiv sind. Der Sound ist heavy, spärlich produziert und dreckig, aber im Gegensatz zum Sound auf der St. Anger wirkt er absolut authentisch und überhaupt nicht aufgesetzt. Insgesamt wirkt er sehr 'garagig', aber das passt sehr gut zum Gesang und den Texten. Der Bass ist zwischen den Gitarren kaum auszumachen, und auch Hammett ist eher unterfordert, da es echte Gitarrensoli kaum gibt ' seine Aufgabe sind eher einige feedbackartig Gitarreneffekte während der ruhigeren Songs, denn auch davon gibt es ein paar, und sie sind meist noch weniger zugänglich als die härteren Stücke. Hetfield hat nicht viel zu singen ' meist nur Backing Vocals, die aber durchaus zu den Highlights der Platte gehören. Während des Openers muss er nur alle paar Zeilen 'Smalltown Girl' im Hintergrund schreien, aber das bleibt im Gedächtnis und verbessert das Stück spürbar. Insgesamt sind es 10 Stücke, zwischen 4 und 20 min lang. Das Album ist durchaus vielseitig, kein Stück klingt komplett wie das andere, und doch passen sie gut zusammen. Der 20 minütige Rausschmeißer 'Junior Dad' ist sehr ruhig und erinnert mit seiner eher klassischen Instrumentierung (Cello etc.) mitunter fast an Sigur Ros.

Wie gesagt: am Anfang mag man sowohl musikalisch als auch textlich geschockt sein. Vom musikalischen Standpunkt her habe ich mich aber sehr schnell an den besonderen Stil des Albums gewöhnt und es gefällt mir mit jedem Hören besser. Wobei 'gefallen' nicht bedeutet, dass ich mich mit den Texten identifizieren oder die Musik als schön oder harmonisch empfinde. Nein, das Album will verstören, und das schafft es. Dennoch wächst die Faszination mit jedem Hören. Beim ersten Hören dachte ich, man kann das Album auf keinen Fall am Stück durchhören ' jetzt kann ich mich kaum davon losreißen.

Lars Ulrich sagte vor ein paar Monaten in einem Interview, dass die Metallica Fans zwar nicht zwangsläufig alles mögen, was die Band macht, es aber respektieren, dass sie auch einmal über den Tellerrand schaut (eine meiner Meinung nach gewagte Aussage, wenn man bedenkt welche negativen Reaktionen Abweichungen vom Gewohnten (Black Album, Load/Reload/ S&M) bei Teilen der Anhängerschaft hervorgerufen haben). Wir werden sehen, ob er mit dieser Einschätzung Recht hat. Man muss dieses Album nicht mögen, aber respektieren sollte man es auf jeden Fall.

Ich mag es auch, oder besser: es fasziniert mich.

8/10
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337 von 419 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Gramptallica 28. Oktober 2011
Format:Audio CD
Man sollte es zu schätzen wissen, wenn Künstler »outside the box« denken. Vor allem ein nach innen oft konservatives Genre wie Heavy Metal braucht das um sich nicht ständig nur zu wiederholen. In diesem Sinne ist Metallicas Zusammenarbeit mit dem Indie-Godfather Lou Reed zu begrüßen.
Das ist schon fast das einzig Positive, das mir zu »Lulu« eingefallen ist. Inhaltlich ein Konzeptalbum, das sich an Frank Wedekinds Anfang des 20. Jahrhunderts geschriebener Geschichte einer Femme Fatale orientiert, ist es musikalisch vielleicht das Unhörbarste was mir je untergekommen ist.
Auch isoliert betrachtet, also ohne es mit den Großtaten der ersten 6 Metallica-Alben, Alben die sich in die DNA ganzer Generationen eingebrannt haben, zu vergleichen, wirkt vieles der Instrumental-Musik wie langweiliger, endlos repetierender Ausschuß. Und wenn, selten genug, einigermaßen gelungene Riffs ertönen, so währt die Freude nicht lange: jeder Funke Musikalität wird von Lou Reeds unfassbar nervenraubender, leiernd-schiefer Spoken Words Performance im Keim erstickt. Ohne Rücksicht auf Tonlagen und Rhythmik brabbelt der 70-Jährige wie ein demenz-geplagter Altenheim-Resident über die erschreckend schwache Hintergrundmusik. Hier stimmt aber auch gar nichts. Die oft 8, 11, 19 (!!!!) Minuten langen Stücke (ich würde sie nicht Songs nennen wollen) der Doppel-CD (!!!!) sind so schwer zu hören, dass man sich das seichteste Radio-Programm zurückwünscht. Die gelegentlichen Gesangs-Einwürfe von Hetfield lassen einen Moment aufatmen, wirken aber, wenn man ehrlich ist, so leidlich inspiriert, dass das vielgescholtene »St.Anger«-Album dagegen wie ein melodiös-ausgefeiltes Meisterwerk erscheint.
Ich ziehe in Betracht, dass »Lulu« so sehr Kunst ist wie es sein will, und es mir und dem durchschnittlichen Metal-Fan zum Verständnis einfach an Intellekt fehlt (HURZ!!!).
Es erscheint mir aber viel mehr so, dass es sich einfach nur um aufgeblasenen, prätentiösen Müll handelt, der für die ehemaligen Götter den absoluten Tiefpunkt darstellt. Man stellt sich beim Hören unweigerlich die Frage, ob man gerade einem groß angelegten Witz auf den Leim geht... um das zu verdeutlichen hier die beiden eröffnenden Zeilen des Poeten Lou Reed:
»I would cut my legs and tits off / when I think of Boris Karloff...«
Ich bewundere die Furchtlosigkeit (Abgehobenheit?), die es zu einer solchen Veröffentlichung braucht und freue mich dass die Produktion besser klingt als die von »Death Magnetic«.
Ein Stern ist dennoch zu viel. Vielleicht das schlechteste Album, das ich je gehört habe.
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57 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das mutigste Album 9. November 2011
Von Chili Szabo TOP 1000 REZENSENT
Format:Audio CD
dass jemals eine Metal-Band dieser Größenordung aufgenommen hat. Chapeau! Aber ok, wer schon vor 15 Jahren den Metal für ein paar Millionen verkauft hat, muss sich über Nebensächlichkeiten wie Verkaufszahlen keine Sorgen mehr machen, oder? Und genau diese Freiheit nutzen Metallica nach allen Regeln der Kunst. In 30 Jahren vom Thrash zum traditionellen Metal zum Hardrock zum Garagentrash, zurück zu den Wurzeln und jetzt das. Kein Wunder, dass die eher konservative Metal-Szene Gift und Galle spuckt (ähnliche Reaktionen könnte man wohl nur bei einer Zusammenarbeit von Slayer mit Justin Bieber erwarten...).
Die "Lulu" ist wirklich kein Album für Metal-Feten, es gibt keine Hymnen oder Mitsingparts, nicht mal die üblichen Songstrukturen oder gar richtigen bzw. erträglichen Gesang. Nichts, was der Metalfan sonst so liebt, dafür aber schwerverdauliche Kost im Überfluss. Diesem Album kann man nicht neutral gegenüber stehen. Entweder man hasst oder liebt es.

Es gibt aber gar keinen Grund, den Geschmack oder die intellektuellen Fähigkeiten der Liebhaber bzw. Hasser infrage zu stellen. Spart euch das doch einach.

Ich kann jeden verstehen, der von einem großen Album spricht, aber auch nachvollziehen, warum man mit "Lulu" gar nichts anfangen kann. Kunst abseits des Mainstream soll nicht zwangsläufig gefallen. Viel wichtiger ist das Statement, die Attitüde. Gerade bei diesem Werk geht es schlicht nicht um songschreiberische Höchleistungen oder technische Perfektion, sondern um den passenden Soundtrack für Reeds böse Texte. Kopfkino galore, wenn man sich denn wirklich damit auseinandersetzen will. Was man natürlich nicht muss. Wenn man sich allerdings nicht darauf einlassen will oder gar ein typisches Metal-Album erwartet hatte, MUSS man zwangsläufig gnadenlos enttäuscht sein.

Für alle, die das Album noch nicht kennen: Akzeptiert bitte, dass "Lulu" ein Lou Reed-Album (!!!) ist, für das er sich ne halbweg bekannten Combo ins Studio geholt hat. Es ist KEIN Metallica- bzw. Metal-Abum und es wurde auch offiziell nicht als solches verkauft. Dieser Hinweis ist für die Erwartungshaltung wohl nicht ganz unwichtig, wenn man die Rezessionen durchliest.

Nur, wie konnte man dann in Zeiten des Internets eine solche Erwartungshaltung haben? Nicht wirklich nachvollziehbar. Deshalb sind auch alle Rezenssionen der Marke "Boahhh, das ist ja gar kein richtiges Metallica-Album" ziemlich lächerlich...

Meine Wertung:

Ich hab das Album jetzt an die 20x durch und es wird sicher noch weiterhin meinen Player blockieren. Auf mich hat dieser fiese Batzen eine fast schon hypnotische Wirkung und wesentlich mehr Charme als sonst ein Album der letzten Jahre.
Zugegeben, beim ersten Hören dachte ich auch "nicht ganz meine Welt und was soll dieses asynchrone Gekrächze", aber schon da hat mir der (ACHTUNG!!!) instrumentale Part durchaus zugesagt. Auch wenn es keine typischen metallicanischen Songstrukturen sind, gibt es typische Metallica-Riffs im Dutzend und die sind längst nicht so schlecht, wie sie hier teilweise gemacht werden. Versucht euch doch einfach mal "Brandenburg Gate", "Iced Honey" oder "Pumping Blood" mit Hetfield am Mikro, 2-5 Breaks und nem fetten Refrain vorzustellen... Vielleicht keine ganz einfache Aufgabe. Beim, zumindest für meine Ohren, besten Track der Scheibe "Mistress Dread", der durch sein maschinelles und abenteuerlich schnelles Ministry-Riffing einen unglaublichen Punch entwickelt, sollte das einfacher sein. Singt einfach den "Damage Inc."-Text dazu und schon sprechen wir hier vom legitimen "Dyers Eve"-Nachfolger... :o))

Egal, mich flasht das komplette Album, gerade weil es so anders und damit frisch klingt und keinen Konventionen entspricht. Gerade durch den so "unpassenden" Lou Reed ist es lärmig, verstörend, provokant, rebellisch, nihilistisch und böse und damit mehr Metal als jedes Maiden-Album...

Punkte:
Nach meinen üblichen Bewertungskriterien - Songwriting, Sound etc. - sind 5 Sterne natürlich der blanke Hohn. Große Melodien oder Refrains, Gitarrensolos oder Riffs für die Ewigkeit gibt's hier nicht (dafür aber auch keine gepuzzelten Songs aus dem Pro-Tool-Baukasten wie auf der Death Magnetic...). Wer darauf wert legt, kann über meine Bewertung verständlicherweise nur lachen.
Wer aber, aus welchen Gründen auch immer, einen Zugang zu diesem in sich stimmigen Meisterwerk findet, kann mich hoffentlich verstehen.

Absolute Höchstwertung und sogar

10 von 10
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