Die Formenvielfalt der französischen Barockoper zu durchschauen, ist nicht ganz einfach. Neben dem "neuen Stil" von Rameau, der gewissermassen einem Gluck den Weg ebnete, steht die Staatsoper von Jean-Baptiste Lully, mit ihrem gänzlich anderen Stil. Sie diente nicht nur dazu, den Sonnenkönig ins rechte Licht zu rücken - sie war vielmehr Teil seiner Politk und seines Staatsverständnisses. Dementsprechend war Lully der absolutistische Alleinherrscher im Musikgeschäft seiner Zeit.
Die Oper Phaeton zeigt eindrucksvoll, wie dieser Staat funktionierte. Als "Tragédie en musique" vereint sie Pomp und Sinnlichkeit und gilt als eines der Meisterwerke des Komponisten.
Nun ist die vorliegende Aufnahme beinahe 10 Jahre alt und man fragt sich, ob sie der modernen Entwicklung auf dem "Alte-Musik-Markt" stand halten kann. Sie kann! Ein Vergleich mit den neueren Aufnahmen Minkowskis zeigt eindrucksvoll, wie frisch, dynamisch, spritzig und elanvoll dieser noch vor geraumer Zeit war. Wie alle bei Erato erschienen Opern unter Minkowski zeichnet sich auch diese Aufnahme durch unverbrauchte Stimmen und ein hervorragendes Zusammenspiel aus. Sängerische Höchstleistungen werden mit einem feurig mitreißendem Orchesterspiel zu einer homogenen und perfekten Gesamtleistung zusammengeführt.
Die rund 350 Jahre alte Musik wird zu neuem Leben erweckt, als hätte sie nie geschlafen. Dieses Wunder sollte keiner verpassen.