Knappe drei Jahre sinds nun, seit "Songs For The Deaf" die halbe Musikbranche auf den Kopf gestellt hat und weltweit als eines der besten Rockalben seit der Grunge Zeit betitelt wurde. Jetzt ist das neue Album da, leider ganz ohne Ex-Basser Nick Oliveri und nur wenig Mark Lanegan, der mit seinem, übrigens ebenfalls genialen, Album "Bubblegum" beschäftigt war. Tut aber alles nichts zur Sache. "Lullabies To Paralyze" rockt ebenso wie die drei anderen Queens Alben und doppelt so sehr wie alle anderen Rock Platten auf dem Planeten. Es fängt an mit "This Lullaby", welches sich ähnlich anhört wie typische Lanegan Solo Songs wie z.B. "Bombed". Wer also Lanegans Solo Alben kennt, wird den Sound wiedererkennen. Dann gehts weiter mit "Medication", ein guter alter QOTSA Kracher, der für den Pogo wie geschaffen ist. Wie schon oft erwähnt: In dem Lied ist alles drin, was an den Queens so gut ist. Nach diesem hammerharten Intro, wird dann wieder etwas runtergeschraubt und es folgt "Everybody Knows That You're Insane" und "Tangled Up In Plaid". Ersteres fängt ruhig und psychedelisch an, wird im Refrain wieder schnell und hält dann sein Tempo. Letzteres ist die Lullabies Version von "No One Knows", nur wiederum ein gutes Stück psychedelischer. "Burn The Witch" errinerte mich aufgrund des Gesangs sofort an die Kinks. Das Lied klingt nach einem Hexengesang mit Drogeneinfluss, wenn ihr wisst, was ich meine. "In My Head" dürften viele schon kennen, da es auf den "Desert Sessions 9&10" schon vertreten war. Ein wenig abgeändert und auf die Queens angepasst, ist und bleibt es ein geiles Lied, das man aber auch in seiner Ursprungsform hätte lassen können. "Little Sister" dürften inzwischen auch die meisten kennen, da es die erste Single des Albums ist. Das Lied ist einfach nur klasse, nicht mehr und nicht weniger. Das Solo, das so gut wie jeder Anfänger nachspielen könnte, passt perfekt in den Charme des Liedes. "I Never Came" ist eine grandiose Rock-Ballade mit wunderschönem Gitarrensolo, bestimmendem Schlagzeug und einem Text, der so melancholisch ist, dass es wehtut.
Dann, wuuuusch! Hier ist der berühmt berüchtigte Wechsel: Von einem "halbwegs" normalen QOTSA Album ändert sich der ganze Ton des Albums mit einem Schlag. Experimentierfreudig zeigt sich Josh Homme wie selten zuvor. "Someone's In The Wolf" ist eine 7 minütige Brachial-Orgie die so rasant gespielt ist und gleichzeitig so seltsam gesungen, das es kaum erklärbar ist. In dem Moment in dem die ersten Takte begannen wusste ich, dass der Song für immer in meinem Gedächtnis bleiben wird. Für mich einer der besten Songs überhaupt. "The Blood Is Love" setzt den Rythmus fort: Mit einem seltsamen Zirkus ähnlichen Anfang setzt sich der Song mit einem sich ständig wiederholenden Riff und scheinbar zusammenhanglosem Gesang fort. Am besten bei seeehr mieser Laune hören und niemals wenn einem schlecht ist. "Skin On Skin" ist der wohl ungewöhnlichste Track überhaupt. Hier wird wieder mal klar, dass Josh Homme so einiges von Sex hält. Das Lied klingt wirklich nur dreckig und einfach gut. "Broken Box" hat einen kleinen Funk Einschlag, inklusive Klatschen im Hintergrund und typischem Rock N' Roll Piano. Der vorletzte Track nennt sich "You've Got A Killer Scene There, Man" und ist die perfekte Untermalung für einen versoffenen Abend unter Freunden. Ich glaube beim Schreiben dieses Songs wurden viele viele Zigaretten geraucht. Der Abschluss ist "Long Slow Goodbye". Wiederum eine Ballade mit wunderschönem melancholischen Text, die aber niemals hoffnungslos klingt. Das Blasorchester gibt den Rest. Spätestens an dieser Stelle wird man effektiv in den Schlaf gewiegt. Der Bonustrack "Like A Drug" war ebenfalls schon auf den "Desert Sessions" vertreten (5&6) und wie hier schon gesagt: Er hört sich an, als käme er aus den Sechzigern.
Hach, ich schwelge in diesem Album. Allen Skeptikern kann ich nur raten: Achtet nicht auf den Einband und nicht auf das "Queens Of The Stone Age" auf dem Cover. Schaltet einfach das Licht aus und lasst euch in den Schlaf wiegen.