Ich kannte The Agonist bis vor kurzem nicht, die Band wurde mir mehr oder minder zufällig durch Youtubes "Ähnliche Videos"-Spalte vorgestellt. Da mir die Single "Thank you Pain" sehr gut gefiel entschloss ich mich mir das Album zu kaufen.
Erster Eindruck:
Ich persönlich bin bei Metal-Alben (oder im Fall von The Agonist wohl eher Metalcore) im ersten Moment meistens skeptisch. Für mein relativ ungeschultes Ohr klingen die meisten Songs auf den ersten Eindruck hin alle gleich. Dafür gibt es aber keinen Punktabzug, nur sehr wenige Metal-Alben haben mich von Anfang an mit Abwechslungsreichtum um den Finger gewickelt ("Amon Amarth - With Oden on our Side" zum Beispiel, ein Meisterwerk) und ich hatte ohnehin nicht erwartet, dass es bei dem zweiten Album einer derart jungen Band (Gründung 2004) von Anfang an bei mir zünden würde. Mein erster Eindruck war dennoch recht positiv, es gab einige Lieder, die mir gleich im Ohr blieben.
Nach mehrmaligem Hören:
Nachdem ich mir das Album dann Stück für Stück zerfasert hatte und jeden Song als Ganzes betrachtet hatte, kristallisierten sich dann auch erste Favoriten heraus.
"Thank you Pain", eine Singleauskopplung (zu der es im Übrigen ein sehr sehenswertes Musikvideo gibt) hat mich von Anfang gefesselt. Der Kontrast zwischen den harten Growls und dem gleichzeitig sanften Gesang der Sängerin (Alissa White-Gluz, eine wirklich begabte Dame, ich habe seit Angela Gossow (Arch Enemy) keine Frau derart ausdrucksstark und vor allem: sehr gut growlen gehört) hat mir sehr gut gefallen. Bei diesem Song ist der Funke sofort übergesprungen.
"Martyr Art",hat mir auch sehr gut gefallen, ich kann nicht genau benennen, was mir daran so gut gefallen hat. Am Anfang gibt es einen leicht choralen Einschub im Hintergrund, was möglicherweise nicht jedermanns Geschmack ist, aber wie bereits erwähnt liebe ich diesen Kontrast zwischen hart und weich. Auch hier trumpft Alissa wieder mit starkem Gesang und harten Growls.
"Waiting out the Winter", in diesem Song zeigt Alissa ihre beste gesangliche Seite, stellenweise hat das Lied einen fast balladigen Touch, gefällt mir sehr gut.
"Globus Hystericus", der Song ging mir zwar nicht so einfach ins Ohr, aber er enthält einige geniale Gitarrensoli, nice!
"Swan Lake", ein "orchestraler" Einschub, ich muss sagen dass ich diesen klassischen Teil merkwürdig deplatziert fand, aber als Überleitung klingt das ganz interessant. Ich kann nur immer wieder Alissas gesangliche Qualitäten loben!
Aber:
Das Album hat auch seine kleinen Schwächen. Stellenweise waren mir die Songs wirklich zu eintönig und nach gewisser Zeit auch zu anstrengend (bis auf die o.g. Titel, die ich wirklich rauf und runter hören kann).
"Birds Elope with the Sun", ich finde den Song nicht überzeugend, ich erkenne in dem Song keine eigene Melodie, bis auf die ruhigen Passagen, die aber sofort durch Alissas Screams durchbrochen werden. Der Song hatte für mich eher eine lückenfüllende Funktion, was ich sehr schade fand.
Fazit:
Die manchmal schleppenden Passagen können aber nicht das Gesamtbild trüben. Für eine durchaus junge Band ist das Album "Lullabies for the dormant Mind" wirklich überzeugend. Nach mehrmaligem Anhören offenbaren sich gute Ansätze die wirklich auf mehr hoffen lassen. Ich kenne das erste Album von The Agonist leider nicht, das sollte ich, denke ich, jedoch nachholen.
Wem der kontrastreiche Wechsel zwischen hartem Metal und schönem weiblichen Gesang gefällt sollte sich das Album besorgen.
Thank you Pain, Martyr Art und Waiting out the Winter, in diese Songs könnte man sich, wenn man noch unschlüssig ist ob man das Album kaufen soll, oder nicht, durchaus mal reinhören.