In den letzten Jahren sind die Preise für viele Rohstoffe geradezu explosionsartig angestiegen. Die meisten Kommentatoren machen dafür das chinesische Wirtschaftswachstum verantwortlich. Doch das ist nur ein Aspekt dieser Entwicklung. Die fast gleichzeitig in noch höherer Geschwindigkeit angestiegene US-Geldmenge ist ein anderer wesentlicher Grund, der gerne verschwiegen wird. Geldmengenwachstum bedeutet Inflation, und Inflation erzwingt Preisanstiege. Dass der Autor darauf nicht eingeht, zeigt bereits, dass es mit einem tatsächlichen Blick hinter die Kulissen nicht weit her sein kann.
Kein Wort auch darüber, dass Rohstoffmärkte anders funktionieren als Aktienmärkte und dass die Struktur der Marktteilnehmer sich dort völlig anders darstellt. Nun darf man nicht denken, dass der Autor das nicht wüsste. Torsten Dennin ist ein hochgebildeter Spezialist für Rohstoffmärkte, der auf ihnen zudem auch noch als Portfoliomanager aktiv handelt. Sein Buch ist einfach nicht für Trader konzipiert, sondern für Fondanleger, die sich für die Rohstoffmärkte interessieren oder es in Zukunft tun sollen. Ihnen erzählt er in 30 chronologisch angeordneten Episoden über bedeutende Ereignisse in diesen Märkten. Die einzelnen Kapitel erreichen die Länge von Zeitungsartikeln in Sonntagsausgaben und sind durchaus informativ und sehr interessant geschrieben. Dass man sich nach dem Lesen dieses Buches an den Rohstoffmärkten auskennt, ist natürlich eine Illusion.
Der Text beginnt mit dem berühmten holländischen Tulpencrash von 1637 und endet mit der Erklärung für den rasanten Anstieg des Zuckerpreises in diesem Jahr. Dazwischen erfährt der Leser etwas über die immer wiederkehrenden Versuche, bestimmte Rohstoffmärkte zu dominieren. Der Bekannteste von ihnen war sicher das Bestreben der Gebrüder Hunt, den Silbermarkt im Jahre 1980 völlig zu beherrschen. Solche Vorhaben enden gewöhnlich im Ruin, wenn nicht beim ersten Mal, dann garantiert beim zweiten. Das war schon 1866 so, als Old Hutch es beim Weizen probierte. Der Weizen spielt in diesem Buch mehrfach eine bedeutende Rolle. Er verhalf Richard Dennis, dem Erfinder der Turtles, zu einem gigantischen Anfangsgewinn, der seine unglaublichen Trading-Erfolge einleitete, die sein Ausgangskapital von 2000 Dollar in wenigen Jahren um den Faktor 100.000 vergrößerten. Dennis behielt sein Kapital, während andere die Milliarden ihrer Geldgeber oder Aktionäre in den Sand setzten. Auch darüber berichtet das Buch. Insbesondere wird dabei auf den Fall der Metallgesellschaft und den Untergang des Amaranth-Fonds eingegangen.
Daneben erfährt der Leser wie Onassis und Rockefeller ihr Geld vermehrten und wie gutgläubige Mitmenschen ihre Ersparnisse beim Bre-X-Skandal (1997) verloren. Kurz, man kann sich beim Lesen dieses Buches jede Menge historisches Wissen über spektakuläre Ereignisse an den Rohstoffmärkten aneignen.
Fazit.
Ein schönes Buch aus der Reihe gut geschriebener Börsen-Unterhaltungsliteratur, das einem zudem noch viel Wissenswertes vermittelt. Einen wirklichen Blick hinter die Kulissen werfen wir natürlich nicht. Dazu müssten wir tatsächlich an diesen Märkten aktiv sein oder wenigstens dem Autor dabei zusehen können.