Durch einen Artikel im KulturSPIEGEL bin ich auf den jungen Debütautor Robert Williams und seinen ersten Roman "Luke and Jon" gekommen. Nach einer nur zweitägigen Phase habe ich mich nun durch sein unaufdringliches Debüt gelesen und habe im Großen und Ganzen einen durchaus positiven Eindruck vom Stil des Autors und seiner Herangehensweise an die beschriebene Problematik gewonnen.
Der Ich-Erzähler Luke verliert seine Mutter bei einem Autounfall, was wiederum seinen Vater, einen Holzspielzeug-Fabrikanten, in eine tiefe Krise stürzt. Er beginnt zu trinken, kann sich nicht mehr um fällige Rechnungen und anderes kümmern und muss schließlich aus dem alten Haus ausziehen. Also ist der Protagonist gezwungen, in ein baufälliges Haus nahe der Kleinstadt Duerdale umzuziehen.
Dort trifft er auf Jon, einen ihm seltsam vorkommenden Jungen, der Faktenwissen regelrecht einspeichert, wieder ausspuckt und ansonsten eher still ist. Mit seinen Großeltern lebt Jon in einem vollkommen verwahrlosten Messiehaus in Duerdale und bekommt deswegen oft "Besuch" von Sozialarbeitern.
Lukes Fragen zur Schule beantwortet Jon nicht - und das mit Recht, wie man später merkt. Offenbar wird er in der Jahrgangsstufe gemobbt. Gleichzeitig beginnt Lukes Vater, an einem riesigen Holzpferd herumzubasteln und eine Gerichtskommission rollt nochmals den Unfall seiner Mutter auf... die Ereignisse verdichten sich zunehmend und die Protagonisten müssen improvisieren, um jede Situation möglichst gut zu lösen.
Der Stil des Autors ist unaufdringlich und wirkt authentisch. Durch das Schreiben in der ersten Person wird es dem Leser auch ermöglicht, an Gedanken und Gefühlen von Luke teilzuhaben. Das einzige Manko, das etwas schade ist: hierdurch wird eine Situation, die der Protagonist nicht selbst erlebt, sondern erzählt bekommen hat, oft ziemlich banal geschildert und vermittelt nicht das eigentliche Gefühl. Ich weiß, dass das ein generelles Problem bei Ich-Erzählern ist, doch finde ich, dass es hier etwas zu ungeschmeidig wirkt.
Insgesamt hat das Buch bei mir einen guten Eindruck hinterlassen, wenn ich auch finde, dass 188 Seiten fast ein bisschen zu wenig sind für die Außenseiter-Problematik, die darin angesprochen werden.
Gut gemacht, Mr. Williams, weiter so! Vier von fünf Sternen.
MfG
Infocat