Da meine Tochter total auf die Geschichten von Michael Ende und die filmische Umsetzung der Augsburger Puppenkiste abfährt, habe ich mir vor kurzem sowohl Jim Knopf als auch Lukas, den Lokomotivführer als Marionette zugelegt. Was in dieser Rezension also bezüglich der Verarbeitung, Spielbarkeit usw. geschrieben wird, gilt somit für beide Puppen.
Zunächst das Positive: Lukas ist dem Original der Augsburger Puppenkiste recht gut nachempfunden (und nicht "original", wie einem die Produktinfo weismachen will), womit der Wiedererkennungswert besonders für Kinder, welche die Filme kennen, sehr hoch ist. Bei den lieben Kleinen reicht das auch schon aus, um sie in den Bann dieser Marionette zu ziehen. Mehr aber auch nicht. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich dem Erwachsenen dann jedoch die negativen Aspekte, die deutlich überwiegen. So ist die Verarbeitung, die ausschließlich auf die optische Ähnlichkeit mit dem oben genannten Original ausgelegt ist, recht lieblos, was sich besonders in der eingeschränkten Beweglichkeit niederschlägt. Der Kopf zum Beispiel lässt sich kaum drehen, während Beine und Oberkörper sich nur bedingt beugen lassen. Das Ganze wird durch das vollkommen unterdimensionierte Spielkreuz, welches so klein ist, dass es gerade mal in meinen Handteller passt, dann noch zusätzlich erschwert. Die Fäden liegen dabei so eng zusammen, dass sie sich ständig verheddern! Für jemanden, der einen pädagogischen Beruf ausübt und neben dem Spiel mit der Puppe noch eine Meute Kinder in Zaum halten muss, wäre dies somit ein recht frustrierendes Erlebnis
Bleibt also die Frage für wen die Puppe letztendlich konzipiert wurde. Bei einer Spielhöhe von gerade mal 60 cm holt man sich als Erwachsener mit der Zeit ein steifes Kreuz, während die Bespielbarkeit für Kinder aufgrund der oben genannten baulichen Mängel aus meiner Sicht zu kompliziert und somit demotivierend ist. Für eine bessere Handhabung habe ich deshalb erstmal sämtliche Fäden gekappt, durch dünnes Nylon ersetzt und ein größeres Spielkreuz gebaut. Wer Probleme hat, handwerklich diese Modifikation vorzunehmen, schaut meines Erachtens in die Röhre, da der Spaßfaktor gegen Null geht. Bleibt also nur noch die Möglichkeit, die Marionette als Dekorationsstück in unerreichbarer Höhe für Kinder im Zimmer aufzuhängen. Aber dafür find ich sie einfach zu teuer . . .