Ich bin bestimmt kein Schnell-Leser, "Luisito" (die ital. Form von "Alois") jedoch habe ich an einem Vormittag verschlungen. Sicher auch deshalb, weil die Kürze des Buches dazu animiert. Dabei ist die gar nicht so stille Liebesgeschichte um eine Blaustirn-Amazone und eine pensionierte, verwitwtete und vereinsamte Lehrerin keineswegs literarische Schnellkost. Im Gegenteil - das Büchlein lebt förmlich durch seine bildhafte Sprache, seine gelungenen Metaphern und die dennoch schlichte, eingehende Erzählweise. Dabei trifft die Autorin in jedem Fall genau den richtigen Ton - den derer, die den Lauf der Zeit und die Änderung der Lebensweise der jüngeren Generation, die damit verbunden ist, nicht mehr begreifen können und wollen. Und die deshalb von Lethargie übermannt werden und sich zurückziehen, auch wenn sie sich noch lange nicht geschlagen geben. Anselma, die Lehrerin, ist eine von jenen Menschen. Bis ein brutal entsorgter Papagei in ihr Leben flattert und menschliche Züge annimmt. Das führt dazu, dass Anselma eine neue Fröhlichkeit an sich entdeckt, aber auch an die schmerzhaften Momente ihres Lebens erinnert wird und darüber eine Leichtigkeit des Seins entwickelt, die ihr letztendlich zum erneuten Verhängnis wird...
Vier Punkte gibt es, weil Wunder zwar wunderschön sind, sie in diesem Büchlein aber auf etwas allzu wundersame Weise geschehen.
Dennoch schön zum Träumen, Nachdenken und Genießen.
Lassen Sie sich den tollen Lesenachmittag deshalb nicht entgehen.