Jede Familie hat ihre schwarzen Schafe, und wenn sie in einer der bekanntesten Herrscherdynastien wie den Habsburgern auftauchen, ziehen sie besondere Aufmerksamkeit auf sich. Zu diesen gehörte die impulsive Luise von Toscana, die schon als Jugendliche gegen die konservative und unzeitgemäße Erziehung zur Kaiserlichen Hoheit rebellierte und dann das Pech hatte, als Kronprinzessin in die nicht minder rückwärtsgewandte Wettiner Königsfamilie nach Dresden verheiratet zu werden. Wenngleich aus der anfangs harmonischen Ehe mit Friedrich August (offiziell) sechs Kinder hervorgingen, konnte sich Luise den Rest ihrer Familie - und besonders ihren Schwiegervater Prinz Georg - nicht aussuchen. Sie bricht aus der frömmelnden Atmosphäre des Taschenbergpalais aus und gibt sich skandalös volksnah. Eine Prinzessin zum Anfassen - die Untertanen lieben sie, der Hof ist entsetzt. Die große Katastrophe bahnt sich an, als Prinz Georg die Königswürde annimmt und André Giron als Privatlehrer von Luises Söhnen an den Hof kommt. Die Kronprinzessin und der neun Jahre jüngere Pädagoge nähern sich schnell an. Und als Giron im Dezember 1902 plötzlich entlassen wird, überschlagen sich die Ereignisse, denn die von wem auch immer wieder schwangere Luise bricht aus dem Palast aus und folgt ihrem Liebhaber nach Genf. Es folgt beinahe umgehend die Scheidung von Friedrich August, Luises Verzicht auf ihre Würden und sogar der Ausschluss aus dem Erzhaus. Luise befindet sich in einer schwierigen Situation: Die Beziehung zu Giron zerbricht, und jegliche Kontaktaufnahme mit ihren Kindern wird verhindert. 1906 scheint sich das Blatt zu wenden, als der viel jüngere Enrico Toselli, der Komponist der Toselli-Serenade, in Luises Leben auftaucht. Die Heirat mit ihm macht die ehemalige Kronprinzessin zu einer Bürgerlichen. Doch auch diese Beziehung scheitert nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Lag es dieses Mal an der italienischen Schwiegermutter oder an den unterschiedlichen Lebensauffassungen der Eheleute? Luise schreibt ihre Memoiren und zieht sich in ihre Wohnung nach Brüssel zurück, wo sie 1947 verarmt stirbt. 1965 macht sie zum letzten Mal Schlagzeilen, da ihr Leichnam nicht korrekt einbalsamiert wurde und die stinkenden Reste ihres Körpers verbrannt werden müssen.
Erika Bestenreiner hat auf der Basis der überlieferten Quellen eine kenntnisreiche und kritische Biographie über Luise von Toscana geschrieben, die einerseits sehr wohl Motive und Bedürfnisse der Kronprinzessin herausstellt, andererseits jedoch auch das Verhalten und mangelnde Verantwortungsbewusstsein der Mutter Luise im Kontext der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg thematisiert. Querverweise auf 'problematische' Familienmitglieder runden die Biographie ab. Die sehr gut lesbare Darstellung ist zudem so unterhaltsam und spannend gestaltet, dass es nicht leicht fällt, das Buch aus der Hand zu legen. Wirklich empfehlenswert!