Luisa Miller, Verdis 14. Oper, teilt mit den meisten vor Rigoletto entstandenen Werken das Schicksal, dass man sie jahrzehntelang als uninspirierte "Fließbandproduktion" vorverurteilt und vergessen hatte - und dies völlig zu Unrecht:
Wie bei allen späteren Opern wählt Verdi für die ganze Oper eine durchgehende musikalische Grundfarbe, die am ehesten an La Traviata erinnert. Musikalische Höhepunkte sind vor allem die sehr persönlichen Duette zwischen Vater und Tochter Miller - insofern ein Vorgriff auf Rigoletto. Definitiv schon eine der "großen" Opern Verdis.
Dass die Oper heute wieder fest im Repertoire der großen Opernhäuser verankert ist, verdankt sie nicht zuletzt Montserrat Caballé, die die technisch sehr anspruchsvolle Titelrolle zu Beginn ihrer Weltkarriere für sich entdeckte. Insofern logisch, dass sie dann eine der ersten war, die sie auch aufnehmen konnte - technisch überragend, ausdrucksvoll, allerdings inzwischen auch schon mit einigen, nicht wirklich störenden Schärfen in der Höhe.
Der junge Luciano Pavarotti präsentiert sich in stimmlicher Toppform als sehr eleganter, feiner Rodolfo. In der dritten Hauptrolle schließlich brilliert Sherrill Milnes als ausdrucksvoller, allenfalls etwas zu vitaler Vater Miller. Die Nebenrollen sind mit Anna Reynolds, Bonaldo Giaiotti und Richard van Allan gleichwertig besetzt.
Was die Aufnahme im Vergleich zur Konkurrenz besonders auszeichnet, ist der brillante Klang, die großartige Orchesterleistung, die temperamentvolle und flexible Begleitung unter Leitung von Peter Maag. Man merkt der Aufnahme jederzeit an, dass sie im Gefolge einer Bühnenproduktion entstand - da herrscht überall blindes Verständnis.
Dass ich die
RCA-Aufnahme der Luisa unter Fausto Cleva mit Anna Moffo und Carlo Bergonzi noch ein bisschen schöner finde, hat dann nichts mehr mit Qualität zu tun, sondern nur noch mit persönlichem Geschmack.