Der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Hans-Jürgen Panitz schuf 1986 mit dem Film "Fast ein Jahrhundert Luis Trenker" bereits ein cinematographisches Denkmal des außergewöhnlichen Multitalents aus den Bergen. Und Panitz war es auch, dem die Ehre zukam, im Oktober 1989 das letzte Interview mit Luis Trenker zu führen. Dieses Dokument von einer halben Stunde liegt dem Buch denn auch in einer DVD bei und ist ein gutes Argument, über den Preis von knapp vierzig Euro hinwegzusehen. Zumal das Buch durch eine hervorragende Druckqualität besticht, was dem reichhaltigen Bildmaterial zugute kommt.
Als Erzähler kann Hans-Jürgen Panitz allerdings nicht mit Luis Trenker mithalten, was sich auch beim Interview zeigt. Aber wenn Trenker bei Wörtern wie "Plagiat" oder "Charisma" die Augenbrauen hochzieht, zeigt dies ungewollt, warum er bei so vielen Menschen ankam. Denn zur Kultfigur wurde dieser Schauspieler, Regisseur und Erzähler auch deshalb, weil er einfach denkt und sich einfach mitteilen kann. Daher haben mir die Passagen am besten gefallen, in denen Luis Trenker spricht. Leidenschaft, Begeisterung und Vitalität bedingen eben eine Einfachheit, die in einer akademisierten Welt oft verloren geht. Nur wer es in Kauf nimmt, dass ihm Kritiker inhaltliche Verkürzungen vorwerfen, kann so erzählen, wie Luis Trenker. Davon gibt dieses Buch ein eindrucksvolles Zeugnis ab.
Im Kapitel "Erinnerungen an einen Star" kommen auch Personen zu Wort, die verschiedene Seiten von Luis Trenker und seinem Wirken beleuchten. So erfährt der Leser, wie eine Persönlichkeit zum Tourismusdenkmal wird, was eine innige Verbundenheit mit den Bergen bedeutet, wie sich die Medien dem Phänomen Trenker näherten, welche Anekdoten ein Kameramann zu erzählen hat, weshalb das Glück ein wichtiger Begleiter ist, wie man das Leben genießen kann und was es im Museo Nazionale della Montagna in Turin zu sehen gibt. Und jeder dieser Berichte ist mit Bildern angereichert, die Trenker-Fans begeistern werden.
Weitere Kapitelüberschriften lauten: Der Bergfilmpionier Arnold Fanck entdeckt Luis Trenker - Trenker und die Frauen - Trenkers Lebensstationen und das Filmteam - Die 1939er Jahre, Trenkers große Zeit - Freunde fürs Leben: Paul Kohnen und Luis Trenker - Luis Trenker erzählt, Geschichten, die das Leben schrieb - Anekdoten aus den letzten Jahren - Filmografie - Schlusswort von Stefan und Michl - Zeittafel - Dank, Bildnachweis, Literatur, Ausblick.
Mein Fazit: Für die Freunde und Fans von Luis Trenker ist dieses Buch wohl Pflichtkauf. Vor allem, weil es bekanntes und neues Bildmaterial in hervorragender Druckqualität liefert und eine DVD mit Trenkers letztem Interview enthält. Und wer wenig oder nichts über das Leben und Werk von Luis Trenker weiß, wird nach der Lektüre vielleicht erahnen, was Heimat, Einfachheit, Glaube und Vertrauen ebenfalls bedeuten können.