Selten fiel es mir schwerer, ein Buch zu bewerten, bzw. zu rezensieren. Doch fangen wir mal mit dem sachlichen Teil an:
Das Buch enthält ein ABC über Heavy Metal im Allgemeinen und Metal Festivals im Speziellen. Dabei widmet sich jedes Kapitel einem anderen Buchstaben des Alphabets mit einem zugehörigen Stichwort. Der Text ist so geschrieben, als wolle der Autor einem Außenstehenden erklären, wie Metal Festivals und, oder Metal funktionieren und denjenigen die Faszination dieser Szene mit ihren typischen Veranstaltungen nahebringen. Das Ganze mit etwas Humor und Selbstironie gewürzt.
Positiv hervorzuheben ist, dass der Humor an vielen Stellen zündet. Ich kann mich an mehrere Momente beim Lesen des Buches daran erinnern, als ich herzlich lachen musste. Auch ist es so, dass sich das Buch insgesamt flüssig liest und man gerne das Buch am Stück verschlingt - es hat definitiv Unterhaltungswert. Zum Schreibstil habe ich allerdings auch Kritikpunkte, die ich jedoch noch aufführen werde. Man kann dem Autor auch zugute halten, dass er weiß, wovon er schreibt. Der Mann hat Ahnung von der Metal-Szene und das merkt man auch. Dass dies natürlich immer etwas subjektiv ist, da Metal keine exakte Wissenschaft ist, dürfte klar sein, deswegen seien ihm auch teilweise Ansichten, die sich von meinen unterscheiden, verziehen.
Leider gibt es auch viele Kritikpunkte am Buch, wodurch ich mich für 3 Sterne entschieden habe (2,5 kann ich nicht vergeben und deswegen habe ich aufgerundet). Wie ja schon in der allgemeinen Beschreibung erwähnt enthält das Buch eine Portion Humor und Selbstironie. Und genau da liegt auch das Problem: Man weiß manchmal nicht so recht, was ist jetzt ernst gemeint und was ist Ironie. Gerade die Ironie scheint sich durch einen Großteil des Buches zu ziehen und als Metal-Fan, der selbst Teil der Szene ist, kann man auch viele ironische Äußerungen als solche erkennen, doch ich bezweifle, dass das ein Außenstehender so leicht erkennen kann. Daher ist das Buch in meinen Augen nicht für "Nicht-Metaller" geeignet. Auch weil oftmals im Buch Klischees bedient werden und wem die Ironie dahinter nicht klar ist, dem wird ein Bild vom Metalfan vermittelt, das dem allgemeinen Klischee entspricht: Eine Bande von saufenden, stinkenden, dem Satan huldigenden, aggressiven Schlägern. Auch wenn im Buch darauf hingewiesen wird, dass Metal-Festivals im allgemeinen sehr friedlich ablaufen, könnte man das als Teil der Ironie auffassen, die die irgendwie nicht immer klar zu durchschauen ist.
Somit scheint die Zielgruppe des Buches wohl eher der allgemeine Metaller und Festivalgänger zu sein, der sich über dieses Buch amüsieren soll. Nuja, das gelingt nur in Maßen. Der Schreibstil ist zwar flüssig, aber auch sehr wissenschaftlich und hochgestochen gehalten, der Autor ist laut beschreibungstext Arzt und so ist das Buch auch irgendwie geschrieben. Teilweise werden Fachbegriffe eingeflochten, die zwar einmal erklärt werden, aber dann nur noch ausschließlich verwendet werden - mal ehrlich, wer kann schon den lateinischen Fachbegriff für wasweißichwas richtig zuordnen, wenn dieser im letzten Kapitel wieder vorkommt und im ersten, oder zweiten Kapitel erklärt wurde? Da heißt es also blättern und suchen, oder dumm sterben.
Außerdem verwendet der Autor Running-Gags, die immer wieder vorkommen. Das mag zwar ganz nett sein, aber wenn es wirklich in jedem Kapitel gebetsmühlenartig wiederholt wird, nervt es irgendwann. Besonders grausam ist der Running-Gag zu Bier, der im zweiten Kapitel aufkommt. Dort wird erklärt, dass für einen Metaller Alkohol erst ab 30% beginnt und somit "Bier als alkoholfreies und isotonisches Getränk, die ideale Ernährungsgrundlage für den gesunden Lebensstil des Heavy-Metal Fans auf Festivals darstellt" (ich habe mal aus dem Gedächtnis zitiert). Und genau das wird dann in fast jedem der nachfolgenden Kapitel in abgewandelter Form wiederholt, so zum Beispiel "Wie wir ja gelernt haben, strebt der Metaller nach einer gesunden Ernährung indem er viel Bier trinkt", dass dann ab Kapitel R (Ravioli) noch die Dosenravioli als gesunde Ernährung in den Gag mit reingenommen werden, macht die Sache nicht gerade besser.
Also alles in allem, ganz unterhaltsam, aber nichts Halbes und nicht Ganzes.
Wer mir jetzt übrigens vorwirft, dass ich den hochgestochenen Schreibstil kritisiere, aber eigentlich selbst so schreibe, dem möchte ich entgegenhalten: Ich schreibe ja auch nur eine Kritik und kein ganzes Buch! ;)