"Wo fang ich an, wo hör ich auf?"
Diese Frage stellt sich für jeden Sachbuchautor. Ernst Götsch allerdings ist hat keine rechte Antwort darauf gewusst.
Selbstverständlich kann ein populärwissenschaftliches Buch über Luftfahrzeugtechnik kein Unterrichtswerk ersetzen. Auf der anderen Seite sollte es keine Sammlung von Selbstverständlichkeiten sein, die jedem uninteressierten Laien klar sind.
Ernst Götsch kombiniert beides, so dass am Ende der allerungünstigste Komprimiss zwischen "populär" und "elitär" entstanden ist.
Inhaltich und fachlich ist das Buch indiskutabel. Was mit mieser Pennäler-Rechtschreibung ("Radnarbe") und Zeichensetzung (per Zufall gestreut) beginnt, setzt sich mit falschen Bildunterschriften und groben Schlampereien fort. Dass zum Beispiel die Gesetze des Herrn Bernoulli für das Flugvermögen eines Fluggeräts ebenso wenig bedeutsam sind wie die Rocksaumfarbe der Stewardess, das hat man mittlerweile sogar in der Redaktion von Sachbüchern für Kinder kapiert. Auch Herrn Götsch war wohl was von moderner Strömungslehre im Hinterkopf. So verweist er sicherheitshalber nach der üblichen Sendung-mit-der-Maus-Bernoulli-Erklärung etwas wortkarg auf einen gewissen Herrn Prandl. Gemeint ist wahrscheinlich Physiker Ludwig Prand*t*l, der Urvater der modernen Strömungslehre.
Das Kapitel über Instrumententechnik ist ein Fest für die jüngere Archäologie. Die abgebildeten Geräte und ihre Technik stammen aus den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Natürlich ist eine historische Rückschau nötig, um den Standort der Moderne darstelen zu können, doch das Moderne hat Götsch sicherheitshalber ausgeblendet. Was sind schon Sensortechnik, Prozessor und GPS? Kurzlebige Trends! Nichts weiter!
Die Herstellung des Buches basiert noch auf bildhauerisch ausgeübter Lichtsatztechnik. Scheinbar wurde das Gradzeichen (°) dringend in einer anderen Abteilung gebraucht, denn es ist sehr oft durch eine schließende Klammer ) ersetzt. Die Beschriftung der Grafiken erfolgte wohl mit Restbeständen von Letraset-Abreibebuchstaben der Kategorie "extra-klobig und schon etwas ausgefranst". Dementsprechend geraten unwichtige Details wie Vorzeichen, Vektorrichtungen und Winkel schon mal unter die Räder.
Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ein im HORIZONTALflug befindliches Flugzeug nach hinten oben wegsteigt wie ein Leinendrachen? Wurde in der Realität noch nicht beobachtet, Götschens Grafik jedoch lässt keine Zweifel daran.
Warnung an Piloten der manntragenden oder Modellfliegerzunft: Wenn es gilt, ein schwanzlastiges oder kopflastiges Flugzeug zu trimmen, sollten Sie der in Bild 158 und 159 dargestellten Methode "Götsch" nicht blindlings folgen, sondern invers. Ihre Versicherungsgesellschaft wird es Ihnen danken.