Der Roman wurde von der Jury des Leipziger Buchpreises auf die Shortlist gesetzt. Die Geschichte spielt in Frankreich und man hat eigentlich beim Lesen immer das Gefühl dort zu sein. Das mag möglicherweise daran liegen, dass die Autorin Anne Weber weiß worüber sie schreibt, denn sie lebt bekanntlich in der Bretagne und in Paris, schreibt Bücher in Französisch und Deutsch und arbeitet in Lektoraten verschiedener französischer Verlage. Wenn bei diesem Buch um die Schlachtfelder der Liebe etwas passt, dann ist es der Titel, denn als der Traum von Liebe endlich Wirklichkeit werden soll, löst er sich in Luft auf. Dass es zu einer Katastrophe kommen wird erfahren wir schon auf der ersten Seite des knapp zweihundertseitigen Romans, ebenso, dass sich die Heldin davon auch nicht bis zur letzten Seite erholt.
Das Buch kommt lapidar, federleicht und unbekümmert wie eine Komödie daher und wäre es ein Film dann würde die ganze Geschichte vergnüglich amüsant abgespult. Es liest sich auch unangestrengt, wenn hier auch jemand den großen Fehler gemacht hat an die romantische Liebe zu glauben. Gibt es die Liebe, die sich wie die ganz große anfühlt, auch für jemanden der sich bereits an das ganz große Glück und Unglück gewohnt hat? Diese Liebe gibt es in Anne Webers sechstem Buch "Luft und Liebe" auch wenn alles scheinbar zu wunderschön abläuft wie in einem Märchen.
Es ist eine banale Geschichte wie aus einem schlechten Groschenroman. Die Geschichte ist eigentlich wie geschaffen für einen schlechten Roman. Ein wahres Spiegelkabinett und eine fiktionale Parallelwelt entstehen, weil die Schriftstellerin beschließt ihren ganzen Frust in einen Roman zu verpacken. Über die gescheiterte Beziehung hat sie einen Roman geschrieben, und lässt die ganze Peinlichkeit eine Frau namens Lea erleben. Das Manuskript "Armer Ritter" landet im Papierkorb. Die ganze Misere ist passiert und die Autorin wollte sie nun einer anderen Person anhängen, erzählt sie Eins zu Eins noch einmal. Sie sollte eigentlich diese Geschichte als "Ich" schreiben, stattdessen erfindet sie die Romanfigur, Lea, die eine Totgeburt ist. Die Autorin befindet sich stets in einem artifiziellen, sehr verkrampften Verhältnis zu dieser Lea. Es ist ein Märchen, das in keiner Form anrührt oder zu Herzen geht. Das Herz ist so etwas von verwüstet und versteckt, das alles einfach nur noch Fassade ist, posieren, auftrumpfen. Von Anfang an eigentlich in einem desillusionierten Ton geschrieben, ohne Herzblut, manieriert wie eine Zirkusnummer.
Zum Plot: Diese Lea, eine kluge, schöne und erfahrene Frau Anfang Vierzig, in der Folge "Prinzessin" genannt begegnet auf der Straße einem nicht mehr ganz jungen Mann mit Bauchansatz nach dem sich eigentlich niemand umdrehen würde. Für Lea ist es der Mann auf den sie schon lange gewartet hat. Die Schriftstellerin verliebt sich in den einer alteingesessenen französischen Adelsfamilie entstammenden "Ritter", mit Märchenschloss in der Provinz. Das Paar beschließt zusammen zu ziehen, zu heiraten. Man verbringt einen gemeinsamem Italienurlaub und Lea versucht von diesem Mann mit Hilfe der Reproduktionsmedizin ein Kind zu bekommen. Das will unser armer Ritter aus verständlichen Gründen nicht, was Lea jedoch nicht wissen kann. Was anfangs so real erscheint löst sich plötzlich in Luft auf. Die über Strecken Schlag auf Schlag ironisch erzählte Geschichte nimmt ein Ende mit Schrecken, denn der Mann hat einen kapitalen Fehler begangen, weil er die Frau unterschätzt hat. Sie, die nach anfänglicher Liebe Hass und Bitterkeit erlebt hat, wird sich entsetzlich rächen. Dadurch büßt die Geschichte ihre bezaubernde Simplizität ein.
Anne Weber ist eine großartige Autorin die schon wunderbare, literarisch sehr gut Bücher geschrieben hat. "Luft und Liebe" ist ein heiterer, witziger, ironischer, mit leichter Hand geschriebener Roman über eine falsche Prinzessin mit falschen Liebeskonzept. Man könnte sich in das Buch verlieben, nur leider ist da viel zu viel Luft drin, weil sich Anne Weber in überzogner Koketterie nur als "Geschicklichkeitsfanatikerin" präsentiert.