Von verschiedenen Filmmusik-Seminaren weiß ich, dass mit großer Vorliebe ein Vergleich der Filme "Amadeus" und "Ludwig van B." gezogen wird. Doch führt dieser meiner Meinung nach geradewegs in die Irre, da Amadeus "nur" ein exzellenter Krimi ist, der sich - mit Ausnahme der Fakten vielleicht, dass Mozart Billard spielte, Wein trank und ein Requiem unvollendet ließ - einem historischen Hintergrund - natürlich absichtlich - ohne jegliche Verantwortlichkeit bedient, und Ludwig van B. sich immerhin an Fakten aufbaut, der solcherlei Spekulationen, wie sie zuhauf in diesem Film vorkommen, zulässt. Es kann natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass eine ganze Menge Unkorrektheiten (allein die Blamage beim 5. Klavierkonzert, das er nie selbst spielte und seine abstrus "unkünstlerischen" Ansichten über die Aufgabe der Musik) dafür herhalten müssen, Beethoven einem breiten Publikum zugänglich machen zu wollen, was, auch aus Musikersicht, keineswegs von vornherein zu verurteilen ist. Ob das gelungen ist bleibt eine andre Frage. Aber solche Filme sollten nicht primär dazu benutzt werden, komturlosen Massen den Komponisten näher zu bringen. Da bleibt "leider" nur der Gang zum CD-Regal oder in ein Konzert - der Rest kommt meist von allein.
Sieht man also von zweitrangigen Unkorrektheiten ab, die dem Genre Film dienen, so muss man aus meiner Sicht diesem Film vieles zugute halten: Die kokurrenzlose (wenn auch ein wenig der Tradition des wilden, Latino-Romantikers verhafteten) Darstellung Oldmans (im Gegensatz zum wildgewordenen Pferd namens Mozart aus "Amadeus") ebenso, wie die teilweise ausgebremste Handlung, die, Hollywood-untypisch, Zeit zur Reflektion gibt.
Und: Was ist schon daran so schlimm, dass die 5. im Hintergrund läuft während Beethoven in der 3. rumradiert? So etwas dem Film negativ anzuhängen, ist kleinlich und unwichtig. Die, die es wissen, wissen es und denen, die es nicht wissen, ist es ohnehin egal.