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Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus
 
 
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Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus [Gebundene Ausgabe]

Wilhelm Vossenkuhl

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Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Tractatus logico-philosophicus
OT Logisch-philosophische Abhandlung OA 1921 Form Abhandlung Bereich Philosophie
Der Tractatus logico-philosophicus ist einer der Klassiker der modernen Sprachphilosophie, durch den Sprache zum wichtigsten Thema der Philosophie des 20. Jahrhunderts wurde. Bis heute wird die darin entwickelte Bildtheorie von Sprache kontrovers diskutiert.
Entstehung: Wittgenstein schrieb den Tractatus in den Jahren 1911–18, angeregt durch die logischen Untersuchungen von Bertrand R Russell und Gottlob Frege (1848–1925). Zunächst war das Buch als rein logische und sprachphilosophische Abhandlung konzipiert, doch als Wittgenstein im Ersten Weltkrieg an der Front war, begann er, in das Buch auch Themen wie den Sinn des Lebens, Ethik und Ästhetik aufzunehmen. Aufgrund der ungewöhnlichen Struktur des Werks hatte Wittgenstein Probleme, einen Verleger zu finden; erst durch Russells Einfluss konnte es erscheinen.
Struktur: Der Tractatus besteht aus streng durchnummerierten Sätzen von 1 bis 7, die durchnummerierte Untersätze (1.1, 1.1.1, 1.1.2 etc.) enthalten. Durch diese strenge Struktur sollen das Ideal einer klaren Sprache und die wichtige Rolle der Logik ausgedrückt werden.
Inhalt: Im Tractatus versucht Wittgenstein, eine Grenze zwischen sinnvollen und unsinnigen Sätzen, zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren zu ziehen.
Wittgenstein vertritt die Auffassung, dass sinnvolle Sätze Bilder der Tatsachen in der Welt sind und Sprache die Welt abbildet. Dieser Bildtheorie zufolge sind Sprache und Welt strukturgleich. Sprache besteht aus Sätzen, und Sätze bestehen aus Namen. Die Welt besteht aus Tatsachen, und diese wiederum bestehen aus Gegenständen. Aus der gleichen Struktur von Sprache und Welt erklärt sich auch, dass beide dieselbe Grenze haben: »Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt«, lautet Satz 5.6 des Tractatus.
Eine wichtige Funktion kommt bei der Abbildung der Welt durch Sprache der Logik zu, da sie die Regeln angibt, durch die sinnvolle Sätze von unsinnigen unterschieden werden können. Alles, was sich klar sagen lässt, sind Tatsachensätze, deren Struktur die Logik beschreibt. Über alles andere, wie z. B. Ethik, Ästhetik, den Sinn des Lebens und Mystik, lässt sich nur schweigen, aber es »zeigt« sich in unserer Sprache und in unserem Leben.
Mit dieser Unterscheidung zwischen Sagen und Zeigen weist Wittgenstein der Sprache eine weitere wichtige Funktion zu. Durch sie wird der Schlusssatz des Buches »Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen« verständlich. Wittgenstein war der Ansicht, mit seiner Konzeption die philosophischen Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst zu haben, denn die Fragestellungen dieser Probleme beruhen, wie er im Vorwort formuliert »auf dem Missverständnis der Logik unserer Sprache«.
Wirkung: Das Buch wurde nach seinem Erscheinen schnell bekannt, insbesondere in England, wo Wittgenstein aufgrund dieses Erfolges zum Professor ernannt wurde.
In Wien beeinflusste das Buch eine Gruppe von Naturwissenschaftlern und Philosophen, die sich »Wiener Kreis« nannte. Viele Mitglieder der Gruppe emigrierten aus politischen Gründen in den 1930er Jahren in die USA und beeinflussten dort die Philosophie nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich. Neben Frege und Russell wurde Wittgenstein dadurch zu einem der Gründer einer der wichtigsten philosophischen Strömung im 20. Jahrhundert, der analytischen Philosophie. Der Tractatus schuf ein Ideal von Klarheit, Ausdrucksschärfe und Genauigkeit, das viele Philosophen übernahmen. Sprachanalyse gehört seit diesem Werk zu den zentralen Aufgaben der modernen Philosophie. Darüber hinaus hatte der Tractatus aber auch großen Einfluss auf die Literatur und andere Künste.
Viele Autoren griffen Wittgensteins Unterscheidung zwischen Sagen und Zeigen auf, wie z. B. Thomas R Bernhard, Peter R Handke und Ingeborg R Bachmann. Literatur wird z. B. bei Bachmann als eine Kunst gesehen, bei der die Funktion, etwas Unsagbares zu zeigen, im Vordergrund steht. B. Sch.

Pressestimmen

"Die Bände der Reihe Klassiker auslegen dürften zu den standardmäßig verwendeten Hilfsmitteln in der Lehre gehören; sie beweisen nicht zuletzt, daß es in der Philosophie nicht wirklich ohne Klassiker geht [...]." Till Kinzel in: Informationsmittel, November 2011 (http://ifb.bsz-bw.de/bsz338879773rez-1.pdf)

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