Dieser Film ist der beste, den es über Ludwig II. gibt. Entgegen der Befürchtung, recht ins "liebes-kitschige" der 50-er-Jahre abzudriften, erlebt der Betrachter hier ein emotional gereiftes Porträt über Ludwig II.
Schon von Beginn an zeichnet O.W. Fischer seinem Ludwig den Wahnsinn in die Gesichtszüge, das Augenflimmern und die Mimik werden mit seiner leicht verrückten Stimme zu einem "Wahnsinns-Spiel". Stets bewegt sich O.W. Fischer im Unnahbaren, im Nicht-Greifen-Können seiner Figur. Das möchte der Film auch: Keine grossartigen Erklärungen, warum und weshalb Ludwig auf einmal seinen Bruder Otto sieht, warum er sch am Rande des Selbstmordes befindet und warum er froh ist, nicht heiraten zu müssen. So wie auch die Minister damals nur Mutmaßungen anstellen konnten, kann sich jeder Zuschauer seine eigene Meinung über die "Krankheit" von Ludwig II. bilden.
Vollends ganz in seiner Kunst geht dann O.W. Fischer auf, wenn es um die letzten Lebensjahre Ludwigs geht. Wie er, der Verzweiflung nahe, durch Linderhof wandert, wie er die Absetzungs-Kommision verflucht und wie er letztendlich im See ums Leben kommt; eine unglaublich ergreifende Leistung !!
Die Charaktere sind auch Abseits der Hauptfigur sehr gut dargestellt. Ein von Selbstzweifeln geplagter Fast-Sechziger Namens Richard Wagner, eine völlig naive, kindliche Prinzessin Sophie und auch bei Kaiserin Elisabeth wird deutlich, daß sie sich und ihr Leben nicht ausstehen kann. Grossartig die Szene an der Schlucht, als es aus Elisabeth herausbricht und sie um Fassung ringt. Wenn auch Romy Schneider die Zerrissenheit von Elisabeth im Visconti-Ludwig um einiges praller darstellt, muß sich Ruth Leuwerik nicht verstecken, wenn es um eine "wahrhafte" Darstellung geht.
Natürlich bastelt der Film auch einiges dazu. Niemals hat Elisabeth mit Ludwig eine Aufführung des "Tristan" besucht, dabei haben sie schon gar nicht Händchen gehalten, und sie werden wohl nie versucht haben, sich zu küssen. Und verliebt war Prinzessin Sophie eher in den Hofphotografen als in Ludwig...aber sei's drum, denn es passt sogar in diesen Film hinein.
Als "Soundtrack" wird beinnahe ausschliesslich Musik von Richard Wagner verwendet. Die gewählten Auszüge vor allem aus "Tristan und Isolde", "Der Ring des Nibelungen" und "Parsifal" verstärken den welt-entrückten Eindruck der Hauptfigur zusätzlich.
Und sie sind für die eher schwermütige Stimmung des Filmes absolut perfekt.
Ein gravierender Fehler ist allerdings im Drehbuch passiert. Richard Wagner spricht dauernd vom "Ring DER Nibelungen". Naja, es sei verziehen.
Der Film insgesamt ist ein perfekt gelungenes Portrait von dem Bayernkönig, mit einem genialen O.W. Fischer als Ludwig II.
Die Aufbereitung der DVD ist in der Bildqualität sehr gelungen, allerdings lässt der Ton gerade bei den Wagner-Musik-Szenen zu wünschen übrig.