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TOP 500 REZENSENTam 25. Juli 2015
Eindrucksvoll und anschaulich berichtet Hilmes über den Lebensweg Ludwigs von der Kindheit, über seine Zeit als Regent bis hin zum Tod, dessen Ursache bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte. Ludwig wird in all seinen Facetten und Widersprüchen beschrieben. Auch geht Hilmes anhand von Zeitdokumenten Gerüchten nach, die er entsprechend belegt erhärten oder auch verwerfen kann.

Oliver Hilmes ist es mit dieser Biografie gelungen, wertungsfrei ein sehr umfassendes Bild von Ludwig II. zu zeichnen. Dieses wird durch eine Vielzahl an in der Biografie zitierten Zeitdokumenten untermauert. So wird nicht nur Bekanntes vertieft, sondern auch bislang unbekanntere Seiten werden dem Leser offenbart. Mich hat sehr seine Rolle im Krieg gegen Preußen im Jahr 1866 interessiert. Dabei war er zunächst sehr auf Neutralität bedacht, wurde dann aber im Rahmen der Bündnispflichten zur Mobilmachung gezwungen. Seine eigentlichen Kriegspflichten überließ er jedoch seinen Ministern, während er sich in der Schweiz mit Richard Wagner traf.

Hilmes hat sich aber auch intensiv mit der Krankengeschichte und dem geistigen Zustand Ludwigs befasst und versucht seine Krankheit nach den heutigen Wissensstand von Psychiatrie und Medizin zu ergründen.

Die Biografie ist flüssig und leicht zu lesen, auch die eingefügten Ausschnitte aus Originaldokumenten störten den Lesefluss nicht im Geringsten. Mich hat diese überaus gelungene Biografie veranlasst, auch andere Quellen nachzuschlagen und mich der Musik Richard Wagners nach jahrelanger Abstinenz wieder ein wenig zuzuwenden.

Mich hat diese Biografie sehr beeindruckt, sie zeigt mir den Menschen Ludwig, der die Schönheit und das Vollkommene liebte und sich damit umgab, um von den ungeliebten Pflichten in die Märchenwelt von Lohengrin und Co. zu entfliehen.
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am 6. Oktober 2013
Zuerst dachte ich: Noch ein Buch über König Ludwig II.? Gibt es nicht schon genug? Nein, denn auf die neue Biographie von Oliver Hilmes hat man lange gewartet. Hilmes erhielt, wie er im Vorwort schreibt, als erster Ludwig-Biograph uneingeschränkten Zugang zum Geheimarchiv der Wittelsbacher Dynastie. Dort und in einigen anderen Archiven hat er Dokumente entdeckt, die bis dahin völlig unbekannt waren und die ganz neue und oft ziemlich grelle Lichter auf den bayerischen „Märchenkönig“ werfen. Entstanden ist eine Biographie, die manche Sensation bereithält (Ludwig wollte beispielsweise Bayern verkaufen und auf die kanarischen Inseln auswandern), den sonst üblichen Kitsch aber beiseite lässt und insbesondere den Menschen Ludwig, dessen Bedürfnisse und auch Nöte, ernst nimmt. Oliver Hilmes ist darüber hinaus ein wunderbarer Erzähler, was ich schon an seinen Biographien über Alma Mahler-Werfel und Cosima Wagner bewundern konnte. Auch sein neues Buch über Ludwig II. liest sich spannend wie ein Krimi; ich habe es an nur einem Wochenende geradezu verschlungen. Meine Empfehlung: Unbedingt lesen! 5 Sterne!
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am 14. Oktober 2013
Es ist sehr schwer was neues über Ludwig II zu schreiben, das sieht auch O. Hilmes so. Trotzdem ist es ihm gelungen einige bisher nicht veröffentliche Briefe, Tatsachen, Meinungen zu finden. Es war eine harte und lange Arbeit. Hilmes als Historiker ist bei dem Buch mehr im Vordergrund als Hilmes - Schriftsteller. Wenn man Liszt's Biographie liest, ist es mehr ein Roman, bei Ludwig II treten viel mehr die belegte Dokummente hervor.
Es geht um eine sagenumworbene Person, einen Märchenkönog (Kini), nicht zeitgemäss. Das ist wahr. Auf der einen Seite war er Absolutist, Ludwig der XIV war sein Vorbild (er steht über dem Volk), auf der anderen aber ein König, der sich vor seinem Volk versteckt, ängstlich, in der Isollation lebend. Dabei entssteht auch eine Illusion, wie ein König zu leben und regieren sollte. Nur vom Weiten, seine Minister und "Pagen" sind für das Weltliche zuständig. Er, Ludwig, hat Grösseres und Wichtigeres zu tun. So sollte man einen anderen Genie ALLE Wege ebnen, damit er sich NUR der Musik widmen kann. Einem Wagner muss man überall helfen, ihm Geld geben, er solle komponieren und seinem Herzensfreund (Ludwig) zur Seite stehen. Dass daraus eine Tragödie entsteht, war zu erwarten. Niemand konnte so perfekt sein, Ludwig war es eben auch nicht.
O. Hilmes hat die Psychiater befragt, um sich das Bild über die geistige Verfassung des Königs zu machen. Dass der König an der shizotype Störung gelitten hat, ist möglich. Es fehlten die Zeichen des progressiven Paraylise (Neurosyphillis) bei der Obduction. Die s.g. Picksche Erkrankung (heute frontotemporale Demenz) würde Königs Stimmungsschwankungen noch mehr erklären. Diese geht auch mit Halluzinazionnen, Wahnvorstellungen, besonders aber mit Frontallobuserkrankung/Atrophie des frontalen Lobus zusammen. Das bedeutet, der König wäre enthemmt, weil das frontale Lobus am meisten für das Verhalten zuständig ist. Wenn man Lugwigs Kindheit, seinen shizophrenen Bruder Otto, besonders aber den frühen Tod des Vaters berücksichtigt, kommen da noch etliche Komponenten, die dem König halfen sich in seine Welt zu begeben.
Ludwig wollte sicher nicht ein Traumkönig sein, eine Legende. Was er wollte, zeigte er in seiner Arbeit. Das Volk und die Regierungsbeamte soolen ihn in Frieden lassen, er war ja DER König. Um ihn herum wollte er nur die Schönheit nach seinem Mass, sowohl in der Musik wie in den Bauten. Dabei war er aber engstirnig, nur wenige Schriftsteller respektierte er, noch wenigere Komponisten, als Bauherr war er sowieso der Beste.
Trotzdem, eine tragische Figur, ein einsamer Mensch (aber kein einsamer König), der sich in der Zeit, in der er lebte, nicht woll fühlte. So floh er in die Märchenwelt, die er selbst und mit ihm viele Untertanen geschaffen hat.
Eine grossartige Biographie und eine immense Arbeit! Danke, es hat sich gelohnt. In der P. zu beurteilen ist es (fast) unmöglich. Immer werden sich Leute finden, deren das Buch entweder zu seicht, zu schwierig, zu lang, zu ungerecht ist. Gegen eine Legende? Hat O. Hilmes die Chance da zu bestehen? Ich glaube, ja!
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am 9. Februar 2015
Eine neue, große Ludwig-Biografie war überfällig, und so ist Hilmes zu danken, dass er sich dieser Aufgabe gestellt hat. Hervorzuheben ist, dass er in den Archiven bisher Unveröffentlichtes aufspürte und damit die Erkenntnisse um den »Märchenkönig« tatsächlich erweiterte. Offenbart sein Buch auch nichts Sensationelles, so publiziert Hilmes doch neue Details, die auch jeden Kenner der Materie erfreuen (Krankheit Maximilians II., Tagebuch-Zitate, Privatmiliz, Staatsstreich, Emigration). Dafür sind dem Werk durchaus 5 Sterne zu verleihen.

Hilmes bemüht sich, objektiv zu sein. Aber der Neueinsteiger muss durch die Aneinanderreihung von bizarren Verhaltensweisen des Königs am Schluss zu der Feststellung kommen, dass Ludwig II. dem Wahn doch ziemlich weit verfallen war, wobei bis heute nicht geklärt ist, an welchem seelischen Defekt er eigentlich litt, was Hilmes auf Grund der selbst zitierten Quellen weiß. Er bringt aber nur solche Zitate, die die »Wahnsinns«-Theorie unterstützen, wobei vieles Gerücht, Hoftratsch und Vermutung war, dem auch die oft zitierten Herren Gesandten und Diplomaten unterlagen. Das aber kann der unbedarfte Leser nicht von der Wahrheit trennen. Warum hat Hilmes fairerweise nicht auch Leute zu Wort kommen lassen, die Gegenteiliges mitteilten? »Der König war ein herzensguter Mann, [...] man kann nicht behaupten, daß er geistesgestört war.« (Rudolph, Kammerdiener bis 1886!) - »Solange ich Dienst beim König hatte, bemerkte ich keine einzige Spur geistiger Verwirrung.« (Osterholzer, Leibkutscher bis 1882) - Und selbst vom peußischen Gesandten Werthern war zu hören, dass ein Volksvertreter noch im Mai 1886 »entzückt von Allerhöchstdessen Geist und Leutseligkeit« war. Schließlich vermeidet Hilmes sogar das bekannte Bismarck-Urteil: »Sein staatsmännisches Tun war keine Torheit. [...] Er versteht das Regieren besser als alle seine Minister.« (Bismarck 1883)

Dazu kommen noch einige »Ausrutscher«. So schreibt Hilmes doch tatsächlich, dass der König beim Gehen »die Knie fast bis zum Kinn hoch« zog, wie immer das anatomisch funktionieren soll. Falsch ist, dass Wagner 1865 Ludwig auf dem Hochkopf besuchte (er war allein dort), falsch ist, dass sich Paul von Thurn und Taxis »Friedrich« nach Friedrich von Telramund aus »Lohengrin« nannte (nach Friedrich Melot aus »Tristan und Isolde«) und falsch ist auch, dass in Linderhof die table volante (Tischlein-deck-dich) die Diener beim Servieren ersetzte und dass das chinesische Hofzeremoniell galt.

Der doch nicht ganz so objektiven Berichterstattung und den historischen Ungenauigkeiten fällt 1 Stern zum Opfer.
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am 1. April 2016
Das Buch wurde akribisch und genauestens recherchiert. Unglaubliche Details sind aufgeführt. Für mich das Standard Werk über König Ludwig. Äußerst sachliche Berichterstattung, niemals denunzierend oder ins lächerliche hinein. Es war sichtlich ein riesiger Aufwand die historischen Quellen zu finden sichten und auszuwerten. Vielen Dank hierfür. Der König erscheint in einem ganz anderen Licht als man das sich über die einfachen Standard Informationen vorgestellt hat.
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am 19. Juli 2015
Da wir gerade in Füssen im Urlaub waren und die Königsschlösser dort allgegenwärtig sind, wollte ich mehr über Ludwig II. erfahren. Bei Amazon bin ich auf dieses Buch gestoßen. Der Inhalt ist interessant, die Schreibfehler bei der E-Book Ausgabe sind jedoch so eklatant, dass mir die Freude am Lesen genommen wurde und ich den Preis als Frechheit empfinde.
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am 17. Oktober 2015
Ludwig II war ein tragisches Figure, der durch sein exzentrisches Verhalten, sich überhaupt nicht geeinigt war ein König zu sein. Dieses Buch, folgt Schritt für Schritt, die Umstände von dazumal und die Untergang von Ludwig II. Das Buch ist wunderbar recherchiert und lebendig geschrieben, spannend.
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am 25. Juli 2014
Lieber Herr Hilmes,
ich möchte meine Kritik in Form eines offenen Briefes schreiben, da es mir nicht möglich war eine private E-Mail Adresse zu finden.
Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich Ludwig II. Forscher bin und so gut wie alle Veröffentlichungen seit 1886 gelesen habe.
Auch möchte ich erwähnen, dass ich selbst bereits 3 Bücher über Ludwig II. geschrieben habe. Ich denke die Leser dieser Kritik sollen wissen mit wem sie es hier zu tun haben.
Das ist das zweite Buch, das ich von Ihnen, Herr Hilmes, gelesen habe, das zweite Buch handelt von Cosima von Bülow.
Beide Bücher haben mir sehr gut gefallen und der Stil in dem Sie schreiben wird so gut wie jedem Leser gerecht. Es ist flüssig geschrieben, einfach spannend und auch informativ. Es stehen auch einige neue Informationen und Ludwig II. Zitate in dem Werk, welche ich bis jetzt noch nicht kannte. Deshalb habe ich auch vier Sterne gegeben.
Jetzt werden Sie aber auch lesen müssen, wass mich an ihrer König Ludwig Biografie sehr geärgert hat.
Ich zitiere dazu den Journalisten Hannes S. Macher von der Zeitschrift "Forum Politikunterricht von der Deutschen Vereinigung für politische Bildung Landesverband Bayern:
"Mit wohl stolz geschwellter Brust berichtet Oliver Hilmes in seiner Ludwig II. Biografie dass er Zugang zu den Quellen im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher gehabt habe, die vor ihm noch niemand einsehen durfte. Das wäre zweifellos eine Sensation, wenn sie denn stimmen wüde. Doch der Archivleiter verwies diese Behauptung sofort ins Reich der Fabel, denn ernsthafte Ludwig Forscher durften bereits vor Jahren also weit vor Ihnen Herr Hilmes, viele der als geheim eingestuften Dokumente sehen." Zitat Ende.
Warum die Angeberei, für ein eigentlich gutes Buch?
Den großen Versprechungen der Werbekampagne bei der Erscheinung des Buches wird die Biogrfie aber nicht gerecht, denn der überwiegende Teil wurde bereits x Mal veröffentlicht.
Jetzt komme ich zu einem zweiten Erlebnis: Ich betrat in Freising eine Buchhandlung und wollte sehen, ob mein neues Buch bereits zum Verkauf angeboten wird. Ich fand es nicht und fragte eine Verkäuferin danach. Sie stürzte sofort auf ihr Buch und sagte sinngemäß: Das müssn Sie kaufen, dass ist das Beste was je geschrieben wurde. Das Buch ist voll von neuen Informationen. Ich fragte Sie, haben Sie es gelesen. Sie antwortete: Nein, aber Herr Hilmes hat vor kurzem hier eine Lesung gemacht und versichert, dass man alle anderen Ludwig II. Bücher vergessen kann. Wenn man diess Buch hat, braucht man kein weiteres Buch über Ludwig II. zu lesen. Das war schon starker Tobak. Dann traf ich Leute, welche bei dieser Lesung anwesend waren und diese sagten mir, dass Sie einen ziemlich unterhaltsamen, aber arroganten Auftritt hingelegt haben. Sie hätten sich auch abfällig über andere Ludwig II. Autoren ausgelassen, z. B. über Hannes Heindl, der ebenfalls anwesend war.
Das alles hat mich sehr traurig gestimmt, weil mir, wie schon gesagt, Ihre beiden Bücher, die ich gelesen habe, gut gefallen haben.
Diese negativen Dinge haben den 5.Stern verhindert.
Vielleicht melden Sie sich ja mal bei mir, und wir können darüber korrespondieren. Es würde mich freuen
Erich Adami
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am 23. Oktober 2015
König Ludwig II. von Bayern, kein Zweifel, war ein exzentrischer Herr: Mit Anfang 30 schon hatte er auf Grund mangelnder Zahnpflege und wegen seiner ausgeprägten Liebe zu Süßigkeiten keiner Vorderzähne mehr, er wollte Bayern eintauschen gegen ein von ihm erträumtes Königreich auf den Kanarischen Inseln, sein eigenes Volk wollte er mit einer "Coalition" genannten Geheimpolizei bespitzeln und unterdrücken, er bespuckte, schlug und trat seine Diener, er wollte den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, den späteren Kaiser Friedrich III.,"in Ketten legen" und entführen lassen, er befahl die Durchführung von Banküberfällen zur Linderung seiner Geldprobleme - starker Tobak für eingefleischte "Kini"-Verehrer also.

Das alles und noch vieles mehr kann man nachlesen in Oliver Hilmes hervorragendem Buch über den berühmten "Märchenkönig". Doch keine Angst - das Buch ist kein reißerischer Enthüllungsschmöker, kein effektheischendes Pamphlet, sondern eine anspruchsvolle, gründliche, wissenschaftliche und dabei gut lesbare Biografie über den bekanntesten Wittelsbacher. Der Autor schildert das Leben des Königs von der Abstammung und der Geburt bis zum Tod und dem ja letztlich bis heute andauernden "Nachleben". Der Leser lernt - schon der Untertitel des Buchs verrät es - einen unzeitgemäßen König kennen, der mit einem modernen Verfassungsstaat (Bayern war ja einer der ersten deutschen Staaten, der eine Verfassung bekam) nichts anfangen konnte, von einem mittelalterlichen Gottesgnadentum träumte (ein Treppenwitz der Geschichte, wenn man bedenkt, dass der letzte Kurfürst von Bayern seine Erhebung zum König ausgerechnet dem französischen "Usurpator" Napoleon zu verdanken hat) und in dem französischen ancien régime (also der Königsherrschaft vor der französischen Revolution) sein Vorbild sah. Das konnte nicht gutgehen. Ludwigs Abneigung gegen Demokratie und Volkssouveränität ging soweit, dass er gegen die konservative Mehrheit in Bevölkerung und Landtag stets liberale und preußenfreundliche Regierungen ("Ministerien") berief, um nur ja nicht dem verhassten Parlamentarismus seinen Tribut zu zollen, obwohl ihm die Konservativen politisch eigentlich wesentlich näher standen.

Oliver Hilmes zeigt auf, dass der Dreh- und Angelpunkt in Ludwigs Leben die Reichsgründung von 1871 war. Hierdurch verlor Bayern große Teile seiner Souveränität (wenn man so will ein Trauma, das bis heute nachwirkt), und umso schlimmer war es für ihn, dass Bismarck ausgerechnet von ihm als dem ranghöchsten deutschen Fürsten verlangte, er solle dem Preußenkönig Wilhelm I. die Kaiserkrone antragen. Bekanntlich gab Ludwig dem preußischen Werben nach, veranlasst durch Bismarcks geschickte Diplomatie und versüßt durch handfeste Bestechungsgelder, die Preußen aus dem "Welfenfonds" zahlte, dem eingezogenen Vermögen des von Preußen 1866 entthronten Königs von Hannover. Übrigens geht Hilmes ausführlich auf das Verhältnis von Ludwig zu Bismarck (beide führten einen regen Briefwechsel) ein: Der Bayernkönig, der sonst kein gutes Haar an Preußen ließ und insbesondere den preußischen Kronprinzen inbrünstig hasste, sah in Bismarck eine Vaterfigur und holte immer wieder seinen Rat ein (interessant für alle bayerischen Preußenhasser!), und für Bismarck war Ludwig ein zwar persönlich eigenwilliger, aber politisch verlässlicher - und durch Geldzahlungen bei Laune gehaltener - Verbündeter. Dies zeigt nebenbei, wie absurd die These ist, Bismarck habe Ludwig ermorden lassen.

Gleichwohl grämte Ludwig der durch die Reichsgründung verursachte Machtverlust, und er zog sich zunehmend in seine Traumwelt zurück. Ludwig II. war, dies ist bekannt, zeitlebens menschenscheu, was sich gegen Ende seines Lebens immer mehr verstärkte. Der Autor zeigt in beklemmender Deutlichkeit die persönlichen Probleme des Königs auf, die es rechtfertigen, von einem unglücklichen König zu sprechen. Seine Homosexualität konnte er nur im Verborgenen ausleben, seine Neigung zur Selbstbefriedigung hielt er, entsprechend der damaligen medizinischen Lehrmeinung, für eine gefährliche Krankheit, die er verzweifelt bekämpfte. Oliver Hilmes kommt zu dem Schluss, dass Ludwig II. an einer schizotypen Persönlichkeitsstörung litt und gegen Ende seines Lebens zusätzlich an Morbus Pick (einer seltenen Demenz) erkrankt war. Gerade die letztgenannte Diagnose, die unterfüttert wird durch einen hierzu passenden Befund bei der Leichenöffnung nach Ludwigs Tod, erklärt manche Absonderlichkeit, etwa die gegen Lebensende immer mehr zunehmende Vernachlässigung der Körperpflege und der Verlust von moralischen Hemmungen. Anders als sein jüngerer Bruder Otto war Ludwig II. bei seiner Absetzung nicht geisteskrank, aber - daran habe ich bei allem, was Oliver Hilmes berichtet, keinen Zweifel - nicht mehr regierungsfähig.

Aber Oliver Hilmes zeichnet hier keine Figur aus dem Gruselkabinett. Ludwig II. war, auch das wird deutlich, ein kluger und gebildeter Mensch, ein großer Förderer der Künste und nicht zuletzt der große Mäzen, der Richard Wagner durch unermüdliche Unterstützung ermöglicht hat, seine großen Werke zu schaffen. Zugleich schuf er mit seinen von den Zeitgenossen belächelten Schlossbauten (Nauschwanstein, Linderhof, Herrenchiemsee) der bayerischen Tourismusindustrie eine bis heute sprudelnde Einnahmequelle. Ludwigs Liebe zur Kunst ist ebenso sympathisch wie seine Abneigung gegen den Militarismus.

Auch auf Ludwigs Ende geht der Autor ein. Oliver Hilmes erteilt allen Verschwörungstheorien um einen Mord an Ludwig II. eine eindeutige Absage: Weder gibt es hierfür Indizien noch einen denkbaren Täter, der ein Motiv haben könnte. Stoff für Mythenbildung oder Heiligenverehrung bietet das Buch also nicht. Aber dafür erzählt es spannend und flüssig geschrieben die zur Teilnahme einladende Geschichte eines Königs, der mit sich selbst, seiner Welt und seiner Zeit nicht im Reinen war. Mit Ludwig II. endete im Grunde, auch das zeigt Oliver Hilmes auf, die vielbeschworene bayerische Monarchie, denn in der nun folgenden Prinzregentenzeit (Ludwigs Bruder Otto war schwer geisteskrank, sodass Ludwigs und Ottos Onkel Luitpolt die Regentschaft für den kranken König Otto übernahm) führte sich die Monarchie durch Passivität letztlich ad absurdum.
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Großzügig und gescheitert – so präsentiert Oliver Hilmes Ludwig II., „der in erster Linie eines war – ein unzeitgemäßer König“.
Er zeichnet das Bild des größenwahnsinnigen Monarchen: Pompös regierte der schwärmerische Lieblingskönig der Bayern an allen Realitäten vorbei und plünderte für seine in Stein gehauenen Märchenfantasien nicht nur die Königsschatulle, sondern auch die Staatskassen, so dass die vielen Verschwörungen der königlichen Berater und Ärzte gegen Ludwig durchaus echter Verzweiflung entsprangen.
Oliver Hilmes legt starkes Gewicht auf die despotischen Züge des Königs. Er bietet uns eine tragische Figur, einen einsamen Menschen, der sich in der Zeit, in der er lebte, nicht wohl fühlte und deshalb in die Märchenwelt floh, die er selbst und mit ihm viele Untertanen geschaffen hat. (Und auch heute noch schaffen: Die Legende Bayern)
Er schreibt in diesem Buch mehr wie ein Historiker und weniger wie ein Schriftsteller. Vielleicht tut er das, um den Eindruck der Objektivität zu erreichen, an dem ihm wohl gelegen ist. Der Autor konnte erstmals das geheime Archiv der Wittelsbacher auswerten. Er tut dies mit der gebotenen Sachlichkeit und Offenheit.
Gut und unkompliziert geschrieben. Ein interessantes und gut lesbares Buch, das uns einige neue Aspekte über den unzeitgemäßen König aufwartet. Für mich ist es ein stimmiges Gesamtbild Ludwigs II. (das allen bayerischen Stammtisch-Klischees standhält. interessanter und offener Blick auf ein tragisches Leben.
Alles in allem zeichnet Oliver Hilmes ein wenig schmeichelhaftes Bild. Aber von der Nachwelt wurde ausgerechnet der weltfremde Egozentriker und Menschenverächter Ludwig II. zum „Märchenkönig“ stilisiert und Identifikationsfigur für viele. Historische Persönlichkeit und Mythos scheinen eben zwei verschiedene Dinge zu sein.
Sehr empfehlenswert sowohl für Fachleute wie Liebhaber.
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