Eigentlich fing die Geschichte gut an. Die verbotenen Blicke und Berührungen zwischen den Geschwistern, ihr Gefühlschaos, die Intimität ... alles sehr gut beschrieben. Und insgesamt liest sich die Geschichte ebenfalls gut.
ABER.
Jetzt kommt das große Aber.
Zum Thema "Inzest unter Geschwistern" gibt es ja nun schon einige Bücher. Einige sind besser geschrieben, andere schlechter. Nur leider Gottes verfolgen sie alle das gleiche Schema und verlaufen alle zum Ende hin so ziemlich gleich. Dieser Roman ist da leider keine Ausnahme.
Bevor ich hier explizit kritisiere, was mich gestört hat, möchte ich diese Rezension vorsorglich mit einigen Kommentaren abschließen: Wer noch keine Bücher zu diesem Thema gelesen hat (oder von mir aus einen Film gesehen) und bestimmte Erwartungen an das Buch stellt, wird sie auch erfüllt bekommen. Ich war mit dem Ende und der Entwicklung überhaupt nicht zufrieden. Ferner möchte ich noch warnen: Ich finde nicht, dass der Roman etwas für Teenager unter 18 ist, da er doch einige explizite Sexszenen enthält, vor allem zwischen den beiden Protagonisten, also den Geschwistern. Ob Sie sich also dazu entscheiden, dieses Buch Ihrem Nachwuchs zu lesen zu geben, sei Ihnen überlassen. Ich würde halt davon eher abraten.
So und nun, einige Spoiler. Wer das Buch noch nicht gelesen hat und nicht wissen will, wie es ausgeht, der sollte genau hier aufhören zu lesen.
Okay, ich verstehe ja. Inzest. Verbotene Liebe. Blabla. Wissen Sie, was ich an den meisten Geschichten über verbotene Liebe hasse? Dass sie im Drama enden, das Liebespaar getrennt wird und natürlich muss einer von ihnen sterben. In diesem Fall lässt die Autorin Ludvig sterben, während Amanda, seine Schwester, die den "tugendhaften" Pfad eingeschlagen hat, natürlich weiterleben, eine Familie gründen und glücklich werden darf. Zum Brechen finde ich sowas.
Es muss ja nicht superduperhappy enden. (Obwohl warum eigentlich nicht?) Aber man hätte ruhige eine elegantere und innovativere Lösung finden können.
Damit will ich jetzt nicht sagen, dass ich Inzest unterstütze. Aber wäre es nicht mal innovativ gewesen, wenn die beiden ihre Liebe leben, für sie kämpfen und zusammen glücklich werden dürften? Ich habe das Gefühl, hier soll mal wieder eine gesellschaftliche Moral oder bestimmte Erwartungen erfüllt werden und die Autorin hatte Angst, aus dem Rahmen zu fallen, weil sie vielleicht dachte, dass das Buch dann auf den Index kommt und gar nicht veröffentlicht wird.
Einige der größten Meisterwerke wurden genau das, weil sie eben nicht die Erwartungen der Gesellschaft erfüllten und wagten, tabuisierte Themen zu vertreten, Grenzen zu überschreiten und aus dem Rahmen zu fallen. Das nur nebenbei.
Fazit: Gut geschrieben, aber im Kern und am Ende nicht wirklich innovativ oder überraschend. Vielleicht doch nur die Erfüllung einer heilen Welt und unbescholtenen Teenagerfantasie. Die Realität sähe vielleicht anders aus.